Wischer l Es geht um eine Windkraftanlage vom Typ GE 3.6 - 137 mit einer Nabenhöhe von 131,4 Metern. Ein Investor plant, sie im Bereich des Verladebahnhofs zwischen Wischer und Sanne zu errichten. Für den 15 Mitglieder zählenden Verein „Naturfreunde Wischer“ ist dies aus zweifacher Hinsicht nicht tragbar. Erstens, weil in unmittelbarer Nähe bereits 24 Windkraftanlagen stehen (sechs davon in der Gemarkung Hassel) und zweitens, weil die neue Anlage eine Nabenhöhe von 131,4 Metern haben soll – die Windräder rundum haben eine Nabenhöhe von 85 Metern. Und diese machen den Anliegern laut dem Naturfreunde-Vereinsvorsitzenden Wilfried Raup schon genug zu schaffen. „Von der ‚Geringfügigkeit‘ der Geräusche, die die bereits vorhandenen 24 Anlagen verursachen, sollten sich alle für die Genehmigung zuständigen Mitarbeiter bei Wind aus östlicher beziehungsweise nördlicher Richtung in Wischer persönlich überzeugen.“

So heißt es in dem Schreiben, das der Verein zunächst mit den Unterschriften aller Mitglieder – bis gestern waren von weiteren Bürgern aus Wischer etwa 100 – an die Untere Immissionsschutzbehörde des Landkreises und an die Verbandsgemeinde Arneburg-Goldbeck schickte. An den Landkreis, da die Behörde nach dem Bundes-Immissionsschutzgesetz für die Baugenehmigung zuständig ist. An die Verbandsgemeinde, damit sie zumindest Bescheid weiß. Teil der Abwägung des Sachlichen Teilflächennutzungsplanes Wind, der besagte Fläche in Wischer rechtskräftig zur möglichen Bebauungsfläche für Windkrafträder macht, konnten die Einwände der Naturfreunde nämlich nicht mehr werden. „Sie erreichten uns erst am Tag der Ratssitzung, am 19. März“, informiert Verbandsgemeindebürgermeister René Schernikau. „Wir hatten das leider ein Stück weit verschlafen“, so Raup dazu. Das Schreiben lag dem Rat allerdings in der Sitzung vor. Denkbar knapp beschloss er die Abwägung mit acht Ja-Stimmen, sieben Nein-Stimmen und zwei Enthaltungen. Mit der Auflage, dass das Windrad in Hassel über eine Selbstverpflichtung des Investors zumindest nicht höher als 132 Meter sein darf. Auch die zum Plan gehörende Satzung ging mit zehn Ja-Stimmen, vier Nein-Stimmen und drei Enthaltungen durch. Der Plan geht jetzt zur Genehmigung zum Landesverwaltungsamt, mit der Veröffentlichung träte er in Kraft.

Die Hoffnung der Naturfreunde liegen auf dem vom Landkreis geführten Genehmigungsverfahren laut Bundesimmissionschutzgesetz. Die neue höhere Anlage soll noch näher am knapp 400-Menschen-Wohngebiet errichtet werden als die bisherigen. Die Naturfreunde verweisen kritisch auf eine Äußerung der planenden FEFA Projekt GmbH: „Die auftretenden Schallwerte der Neuplanung von der Windkraftanlage im schallreduzierten Modus (NRO 102) werden mit einer Wahrscheinlichkeit von 90 Prozent an den geforderten Immissionswerten unter Berücksichtigung von einer Vorbelastung durch 24 Bestandsenergieanlagen nicht wesentlich verändert.“ Die zehn Prozent Restrisiko sind laut Verein nicht tragbar. „Die Devise, erst bauen, dann regulieren, ist unverantwortlich.“ Denn nach Auskunft der Planer sei eine solche Anlage erst einmal im Echtbetrieb auf mögliche Schallimmissionsbelastungen gemessen.

Nicht zuletzt hat sich auch der Gemeinderat Hassel wegen des großen Ausmaßes eindeutig gegen den Bau der Windkraftanlage ausgesprochen. 2015 stimmte er bereits gegen weitere neue Windparks, schloss allerdings Ergänzungen zu den bestehenden nicht aus. In diese Nische schlüpft nun das beklagte hohe Windrad vom Typ GE 3.6 - 137.