Werben l Die Offene Kirche in der Hansestadt Werben entwickelt sich auch in diesem besonderen Jahr wieder zu einer Erfolgsgeschichte. „Wir sind schon sehr überrascht, wie viele Leute sie wieder anschauen möchten“, sagt Jochen Hufschmidt, ehemaliges Gemeindekirchenratsmitglied, das immer noch mit der Kirchengemeinde verbunden ist. Nach den Lockerungen während der Corona-Zeit kamen wieder vermehrt Touristen nach Werben. Und diese legen sehr oft einen Zwischenstopp an St. Johannis ein, der die Radlerinnen und Radler schon von weitem begrüßt.

Ein Großteil der Besucher kommt auf dem Elberadweg in die Hansestadt. Sie zeigen sich von dem hochgotischen Bau sehr beeindruckt, wie die Frauen und Männer betonen, die ehrenamtlich das Team der Offenen Kirche bilden und sich bei den Zeiten abwechseln. Halina Beinhoff ist eine davon. „Sie schwärmen alle von der Kirche“, sagt sie. Vor einigen Tagen begrüßte sie sogar einen Mann aus den Vereinigten Staaten, der sich auch in das in der Kirche liegende Gästebuch eintrug. Dieser zeigte großes Interesse an einem der wertvollen Fensterbilder. Allerdings sind einige ob der aktuellen Sanierungsarbeiten verdeckt und können nicht in Augenschein genommen werden. „Er wollte wissen, was es mit einem kleinen Mohren auf sich habe, der in einem Bild zu sehen sein soll“, verriet Halina Beinhoff. Sie verwies an Jochen Hufschmidt, der mit der Geschichte und Details von St. Johannis bewandert ist. Und der US-Amerikaner suchte auch den Räbeler auf, um sich zu informieren. „Wir stehen in E-Mail-Kontakt“, sagte Hufschmidt. In seinem Bildband über die Glasmalerei der Werbener Kirche konnte er jedoch keinen Mohren ausfindig machen.

Die ältesten Fenster entstanden bereits um 1380. Die Arbeiten am Hauptbestand, der alt- und neutestamentliche Motive zeigt, wurden 1467 abgeschlossen. Neben biblischen Motiven finden sich auch weltliche, beispielsweise die Wappen Brandenburgs und Preußens.

Bilder

Wagner-Orgel soll restauriert werden

Halina Beinhoff sprach auch von einem Mitglied eines in Hamburg ansässigen Chores, der sich bei seinem Besuch vor wenigen Tagen sehr begeistert zeigte und ausloten wollte, ob der Chor nicht mal in der Kirche auftreten könne. „Dass man viele interessante Menschen kennenlernt“, kann auch die Werbenerin Renate Haase bestätigen, die ebenfalls zur „Mannschaft“ der Offenen Kirche zählt. „Manchmal mach’ ich eine Stunde, manchmal zwei“, sagt sie. Viele zücken ihre Kamera, machen Bilder vom Doppelaltar, von der Orgel oder der aus Sandstein errichteten Kanzel. Apropos Kanzel: „Da wollte einer rauf. Das musste ich ihm jedoch untersagen“, sagt Renate Haase. Aber solche Sachen kommen höchst selten vor. Flyer oder Postkarten nehmen die Besucher gern mit. Aber auch hübsche Topflappen. Für diese ist Renate Haase verantwortlich, die in ihrer Freizeit auch gern häkelt und mehrere ihrer „Paare“ auch in St. Johannis anbietet. „Das ist mein Beitrag für die Sanierung der Orgel“, meint die Werbenerin, die solche Einnahmen spendet. Die Wagner-Orgel wurde 1747 erbaut und soll restauriert werden.

Die St.-Johannis-Kirche ist täglich von 10 bis 16 Uhr geöffnet. Die Koordination der ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer hat Margret Zwinzscher unter ihrer Regie. „Es läuft sehr gut“, sagt sie zu den erstellten Plänen, wer zu welcher Zeit die Kirche offen hält. Auch mit den Besucherzahlen sind die Verantwortlichen sehr zufrieden. Halina Beinhoff sagte, an einem Tag seien über 60 Personen anwesend gewesen. Durchschnittlich seien es rund 50 Touristen täglich, die sich von der St.-Johannis-Kirche ein Bild machen und somit auch Werben in guter Erinnerung behalten.