Krevese l Es war zuweilen ein Gewimmel wie in einem Ameisenhaufen – so viele Besucher aus verschiedenen Regionen Deutschlands von Hamburg bis Würzburg, von Köln, Frankfurt/Main bis Berlin, Schönebeck und aus dem Bördekreis, erkenntlich an den Autokennzeichen, waren am Sonntag zum Tag des offenen Gartens zum Herrenhaus Krevese gekommen. Dessen Besitzer Ralf Engelkamp und Rainer Kranz zeigten sich schier überwältigt von dem Publikumsinteresse.

Die Kreveser Landfrauen waren mit mehr als 20 Torten und Kuchen angerückt, das leckere Gebäck war innerhalb von zwei Stunden bis auf Reste verkauft. Wie in den Jahren zuvor hatte Erika Engelkamp aus dem Münsterland einen kleinen Basar mit Kunstgewerblichem mitgebracht, dessen Erlös in die weitere Sanierung des Gutshauses und erstmals auch in die Verwirklichung des neuen Projektes „Open-Air-Dorfwohnzimmer“ fließen soll.

„Wir haben heute für unsere Führungen zwei Schwerpunkte gesetzt“, informierte Ralf Engelkamp. „Erstens die Wiedereröffnung des Parks nach dem Orkan ,Xavier‘ 2017, dessen Verwüstungen zum überwiegenden Teil beseitigt worden sind. Die dem Sturm zum Opfer gefallenen Bäume sind beseitigt und der Rundweg ist wieder begehbar. Und zweitens unser Vorhaben, aus dem ehemaligen Gutsverwalterhaus ein ,Wohnzimmer‘, einen Treffpunkt für unser Dorf für Begegnungen aller Art zu machen.“

Bilder

Fotos zeigen Sturmschäden

Die Führungen begannen im Herrenhaus mit einer Fotodokumentation über den Überfall „Xaviers“ auf den Park, die angerichteten Schäden und die Aufräumarbeiten danach, von Engelkamp und Kranz sehr emotional erläutert. Schon bei der ersten von drei Führungen hatte Engelkamp 30 bis 40 Besucher im Gefolge. Einige Baumriesen, die zum Teil wie urweltlich anmutende Ungeheuer aussahen, lagen noch um und zeigten, welche Kraft „Xavier“ gehabt haben musste, um sie aus dem Boden zu reißen. Manche abgebrochenen Bäume wie eine Platane und eine Linde haben sich selbst geholfen und neu ausgetrieben. „Mal sehen, was daraus wird“, sagte Engelkamp.

Schließlich standen die Besucher vor den Überresten des Verwalterhauses. Dass dort, per Crowdfunding finanziert, ein Treffpunkt für das Dorf entstehen soll, beeindruckte die Besucher. Aber es gehöre schon eine Portion Optimismus dazu, es zu verwirklichen. Von der total von Gebüsch und Bäumen überwucherten Ruine war nur eine Giebelwand als solche zu erkennen. „Das Verwalterhaus ist ein barocker Bau von 1721, dessen Giebel und Außenmauern aus Feld- und Backstein gut erhalten sind. Zusammen mit der Klosterkirche, dem mittelalterlichen Klosterspeicher im Park und dem ehemaligen Kutscherhaus sind diese Gebäude alle nur wenige Meter vom barocken Herrenhaus entfernt und bilden mit dem alten Gutshof ein komplettes Ensemble.“

Giebel wird gesichert

Und Kranz ergänzte: „Da sich unweit des Gutsverwalterhauses im 18. Jahrhundert die Küchengärten und die Orangerie befunden haben, möchten wir einen Garten entstehen lassen, der als lebendiger Treffpunkt zum Dorfmittelpunkt werden kann.“

Im ersten Schritt soll der Giebel der Ruine gesichert werden. Und zwar durch eine Konstruktion aus Holz, die von Enrico Wolligandt, einem Handwerker aus Krevese, angefertigt wird und die von Betonfundamenten gestützt wird. Da direkt vor dem Ruinengiebel ein öffentlicher Weg verläuft, ist diese erste Sicherung eine Auflage des Bauordnungsamtes. „Als nächstes“, so Engelkamp weiter, „wollen wir das Gelände aufräumen, vom Aufwuchs befreien, Müllablagerungen entsorgen und zugänglich machen, so dass wir mit der Gartenplanung und der Restaurierung der Mauern beginnen können.“ Für beide Schritte sind rund 5000 Euro veranschlagt, die per Crowdfunding gesammelt werden sollen. „Für die weiteren Etappen wie Planung und Anlegen des Gartens am Verwalterhaus entwickeln wir ein weiteres Crowdfunding-Projekt“ berichtete Kranz, „und parallel dazu werben wir weitere Fördermittel beispielsweise durch die Europäische-Union und Einzelsponsoring ein. Im Umgang mit Förder- und Sponsorenmitteln sind wir durch unsere Arbeit am Kreveser Herrenhaus und am Landschaftsgarten bereits gut vertraut.“