Walsleben/Osterburg l „Ich weiß noch genau, wie wir hier vor Jahren am Tisch saßen und uns nicht einigen konnten: Werner Brückner, Reinhard Seelig und ich“, begann Wolfgang Haacker schmunzelnd, „Reinhard Seelig wollte ein Buch über Rinderzucht, ich eins ohne Rinder, und Werner Brückner brachte es auf den Punkt: Das Buch muss ‚Das Wissen der Region‘ heißen!“ Seeligs landwirtschaftliche Themen brachte er in einem anderen, eigenen Werk unter. Der Reihenfolge nach erschienen bisher in Zusammenarbeit mit dem Kulturförderverein Östliche Altmark (in der Reihe „Das Wissen der Region“): 2005 „Arneburg- Goldbeck-Werben“, (2019 kam über die Region ein zweites Buch als Erweiterung mit neuen Texten auf 340 Seiten heraus), 2007 „Bismark - Kläden und Umland“, 2008 „Seehausen und Umland“, 2015 „Die Verbandsgemeinde Elbe-Havel-Land“.

Nach dem ersten Band übernahm Vorstandsmitglied Wolfgang Haacker die Projektleitung in Sachen „Das Wissen der Region“ bzw. das Sammeln, Anordnen und Bearbeiten der Texte. Aus einem einfachen Grund war er von Anfang an Feuer und Flamme für das Projekt: „Es reizt mich - die Geschichten, die Menschen... Ich bin ja selbst Altmärker, in Busch aufgewachsen.“ Doch nicht immer lief alles nach Plan. Die Biesestadt hatte er schon lange auf der Agenda, aber es sollte immer etwas dazwischenkommen.

„Als ich mit Osterburg anfangen wollte, kam das Elbehochwasser - beide Bücher parallel zu erarbeiten, das wäre nicht zu schaffen gewesen“, blickt er realistisch zurück. Die Geschichten der Menschen aus der Elberegion gingen 2013/14 einfach vor.

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Im Frühjahr 2019 waren die Reaktionen auf seinen Aufruf, aus Osterburg und Umgebung zu erzählen, ganz unterschiedlich, aber generell euphorisch. Anrufe, E-Mails, Textentwürfe folgten - von Einzelpersonen und Personengruppen. „Hochinteressant und zu unterschiedlichsten Themen“, fasst Haacker zusammen. Über 40 Texte werden letztlich in dem neuesten Band nachzulesen sein, vier befinden sich noch in Abschluss­arbeit.

Da wäre zum Beispiel der Bericht eines gebürtigen Rheinländers zu nennen, der zu Kriegszeiten in Osterburg ansässig wurde, später in der FDJ der Stadt tätig war und als Vorsitzender der LPG einen besonderen Lebensweg einschlug. Heinz Wenisch lieferte als Aufbauleiter und Leiter des Fernsehturms in Dequede ebenfalls Informationen aus erster Hand. Parallel dazu steuerte Ulf Ziegenbein einen technischen Bericht zum Turm bei. Natürlich kam von Bärbel Ziegenbein ein Beitrag zur Geschichte des Schwimmbads „Zum Fuchsbau“. Harald Gebert beschrieb wiederum, „Wie Groß Rossau nach dem 2. Weltkrieg zu einer Arztpraxis kam“, nämlich durch seinen Vater, der als Humanmediziner unzähligen Flüchtlingen half. Zu Haackers Freude schilderte Reinhard Seelig, „Wie ich ein Altmärker wurde“. Schreib­lustige aus Dobbrun, Königsmark, Erxleben und Osterburg beteiligten sich. Geschichtslehrer a.D. Karl-Georg Spanier schrieb fleißig mit. Historisch orientierte Texte über Krumke und Lebensgeschichten landeten auf Wolfgang Haackers Tisch. Zu seiner großen Freude waren über Walsleben, wo er heute zu Hause ist, gleich mehrere Beiträge dabei, Fotos vom Heimatfest inbegriffen. Uwe Lenz erinnert an die alte Geschichte Walslebens und beruft sich dabei sogar auf Schriften des Bischofs zu Merseburg. Dass aus Osterburg Stadtbibliothek und Kreismuseum mit Texten vertreten sind, versteht sich von selbst.

Nicht immer war die Arbeit einfach. Das Team ging direkt in die Gemeinden, um Mitautoren zu gewinnen. Teilweise musste Wolfgang Haacker oft an die Frist erinnern, manchmal schrieb er mit der Lektorin Bärbel Conrad auf, was ihnen die Leute spontan erzählten, vor denen sie im Laufe von Informationsveranstaltungen die Werbetrommel für den 5. Band gerührt hatten. Bestimmte Beiträge, wie der vom Club Altmärkischer Autoren, sollten unbedingt noch mit rein. „Wir haben das Buch zu Ostern auf dem Markt haben wollen, aber wir hatten Schwierigkeiten mit der Realisierung der zu bearbeitenden Themen“, erklärt der Projektleiter, „außerdem ist das Buch über Osterburg nicht das schlankste. Es wird das dickste und das mit den meisten Beiträgen.“ Hatte der erste Band noch 200 Seiten umfasst, liegt die geplante Ausgabe jetzt bei etwa 400. Die Buchpremiere auf die 21. Osterburger Literaturtage zu verlegen, sei richtig, sind sich Kämmerer Detlef Kränzel, Bibliotheksleiterin Anette Bütow und Museumsleiter Frank Hoche mit Wolfgang Haacker einig. Gespräche mit Verlagen gab es, eine Entscheidung steht kurz bevor. Fakt ist, als Herausgeber wird diesmal neben dem Kulturförderverein Östliche Altmark die Stadt Osterburg genannt, die diesen Band in Auftrag gegeben hat. Nach Rücksprache mit der Stadt wird die bisherige Grenze von 1000 Exemplaren überschritten. Das Interesse ist groß.

Zufrieden legt Wolfgang Haacker die Manuskripte auf den Bücherstapel. Die organisatorische Vorarbeit ist nahezu abgeschlossen. Nur noch ein paar Tage... dann ist es geschafft.