Osterburg l Gleich am Eingang durften die jüngsten Marktbesucher in das Körbchen des Osterhasen Dietmar Handzelek greifen, und die 12. Klassen lockten ans Kuchenbuffet, um für ihren Abiball Geld zu sammeln.

Hans-Ulrich Pöpel hatte im ersten Ausstellungsraum einen warmen Platz ergattert, nachdem er im vorigen Jahr mit seinen Bienenprodukten „ganz schön fror.“ In seiner Nachbarschaft stand das holländische Spinnrad von Diana Sippert aus Arneburg. Sie feierte ihren 10. Osterburger Ostermarkt und bot neben Socken und Mützen, die ihre Mutter Erika Jänisch aus Jakobschafwolle gestrickt hatte, handgesiedete Seifen an. „Ich kam durch die Neurodermitis meiner Tochter darauf, die natürlichen Produkte selbst herzustellen“, erklärte die Arneburgerin. Inzwischen sind ihre hübschen bunten Seifen EU-getestet und ein echter Hit.

Auch Margitta Mattern aus Tangerhütte schafft mit ihren Händen. Am Sonnabend kam Stammkundschaft nicht nur, um nach dem neuesten Schrei zu fragen, den sie sich wieder ausgedacht hatte, einige wollten auch Strickanleitungen. „Ach, und da habe ich noch einen Gag“, kündigte sie nach den Minisocken-Strickohrringen an und zeigte einen roten Hundepullover.

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Der Magdeburger Geologe Michael Brandes erläuterte indessen die Wirkung von Steinen und pries Stimmungsringe an. Er hat ebenfalls schon ein paar Märkte im Kreismuseum mitgemacht.

Tropfen und Küken zum Anhängen

Ganz neu im Boot war Silvia Reinecke in der ersten Etage. Seit sie in Rente ist, hat sie sich dem Quilling der Dänin Karen Marie verschrieben. Aus buntem Papier fertigt sie Tropfen- und Osteranhänger. Besonders gut kamen ihre fetzigen gelben Küken bei den Osterburgern an.

Ulrike Jürgens hat dahingegen ihre Liebe zu altem handgewebten Leinen entdeckt und teilt diese Faszination mit den Biesestädtern, präsentiert Decken, Deckchen und Taschentücher.

Den Renner schlechthin trug allerdings Lothar Müller mit seiner Frau Christiane bei. Er stellte unter anderem Postkartenbücher aus der Altmark und Osterbücher vor. Gut 35 Jahre ist es her, seit der Lausitzer bei seinem Großvater fündig wurde und seine Sammelleidenschaft dafür entwickelte. Mittlerweile hat er auf Osterburg umgeschwenkt und mit Eugen Gliege ein Buch herausgebracht, das er vor zwei Wochen im Café Behrends präsentierte.

Sigrid und Stefanie Bretal aus Wittenberge erkundeten den Ostermarkt als Händler zum ersten Mal, und zwar mit Katzen und Hasen aus Holz. Auf die Frage: „Wie kommt‘s?“ musste die Tochter lächeln: „Vati hat ein Sägewerk, und für Brennholz war mir der Abfall zu schade.“ Eine Stunde braucht ein Hase, verriet sie.

Auf die Uhr schaut die Havelbergerin Annemarie Püschel schon lange nicht mehr. Sie kreiert seit vielen Jahren die leckersten Marmeladen, ob mit Kartoffeln, Ananas-Zucchini oder Sauerkirsch-Schokolade. Familie Achereiner aus Tangermünde schlug in Sachen Aufstrich richtig zu. Die Kinder durften Seile drehen und kamen mal an die frische Luft, die Eltern freuten sich, dass sie durch ihren Besuch die regionalen Händler unterstützen konnten.

Nur zu schade, dass Petrus den Osterburgern nicht hold war. Mitglieder der Feuerwehr Calberwisch bibberten, um selbstgebackenen Kuchen im Schneeregen loszuwerden, der sonst wegging wie warme Semmeln. Im Regen überdacht bewahrte sich der Krumker Gerd Hildebrandt mit Erbsensuppe die gute Laune.

Frühlingslieder trotzen dem Schneeregen

Ein paar Gäste wärmten sich mit Eintopf auf, bevor sie in der Kirche St. Nicolai dem Gemischten Chor Osterburg bei seinem Frühlingsprogramm zuhörten. Chorleiterin Dagmar Brazda nahm die Ironie des Wetters gelassen und stimmte trotz allem „Der Winter ist vergangen“, „Leise zieht durch mein Gemüt“ und „O Welt, wie bist du wunderschön“ an.

Auch die Kinder machten das Beste daraus und übten sich im Museumsinneren in Jonglage. Fabulan Lütti kann glatt als Ausbilder durchgehen. Die Schwestern Hedi und Janne, die zu Ostern immer aus Oschatz/Sachsen anreisen, lassen den Teller in der Luft schon sicher kreisen dank jahrelangem Training

Nichtsdesotrotz hätte sich Museumsleiter Frank Hoche einen ganz anderen Ostermarkt gewünscht und gern die Osterburger Blasmusikanten im Hof aufspielen lassen. Was nicht ist, kann im nächsten Jahr noch um so schöner werden: nämlich am 20. April.