Plätz l Donnerstag war der letzte Tag im Tunnel. Knapp acht Wochen stachen Erntehelfer aus Polen und Rumänien das Königsgemüse mit einem Dach über dem Kopf. Der Ertrag war verhältnismäßig gut, sagt Klaus Heinl als Geschäftsführer der Royal Spargel Gut Plätz  GmbH. „Nur die Preise hätten besser sein können.“ Dass das Osterfest so spät war, wirkte sich negativ aus. Die Nachfrage im März war eher mau, „die Leute kaufen erst zwei Wochen vor Ostern Spargel“. In diesem Jahr zu einer Zeit, da die Konkurrenten schon auf den Markt drängten.

Dass die Ernte in den Tunneln bereits am 28. Februar anfing, sei so nicht gewollt gewesen. Es war eher der 10. März angepeilt. „Aber der Februar war einfach zu warm, es gab keinen Frost.“ Und der Spargel wuchs. Mittlerweile mehr Rumänen als Polen stechen und sortieren ihn. In Kürze ist die komplette Mannschaft mit rund 30 Personen beisammen. Und diese Zahl zu erreichen, war alles andere als leicht. „Wir bekommen kaum noch Leute“, sagt Martina Heinl, ebenfalls Geschäftsführerin. Das liege zum Einen daran, dass sich die Verdienstmöglichkeiten etwa in Polen verbessert haben, aber vor allem daran, dass im deutschen Saisongeschäft alles immer komplizierter werde. „Die Leute fahren 30 Stunden mit dem Auto hierher und wollen dann arbeiten, hier durchziehen“, so Martina Heinl. Das dürfen sie aber laut Arbeitsgesetz nicht. Das Gut Plätz habe zwar eine Genehmigung für zwölf Stunden Arbeit am Tag, „aber es muss am Ende alles auf acht Stunden täglich ausgeglichen werden“. Und sieben Tage durcharbeiten geht auch nicht. „Dann sitzen die Leute hier rum und sind frustriert“, sagt Martina Heinl. Sie bekommen unterm Strich zwar Mindestlohn, dürfen aber weniger arbeiten. Im Zweifelsfall sieht es so aus, dass sie wegen des Stundenausgleichs immer noch in Plätz beschäftigt sind, wenn sie längst wieder in ihrer Heimat sind. „Es wollte jemand dort in die Erdbeeren gehen, das durfte er aber nicht, er war ja auf dem Papier noch bei uns.“ Nein, gerade im Saisongeschäft müsse die Ernte den Takt vorgeben. „Die ruhigen Zeiten kommen doch automatisch wieder.“

Um die Ernte einzufahren, müssen Heinls aufgrund dieser Umstände verhältnismäßig mehr Leute engagieren, „für uns ist es kostenmäßig egal, aber der einzelne geht mit weniger Geld nach Hause“. Und wie gesagt, Erntehelfer zu bekommen, werde eben immer schwieriger. Früher habe Martina Heinl das Personal neben der Buchhaltung „und drei kleinen Kindern“ miterledigt, heute müsse sie sich Unterstützung dazu holen, um das – im Vergleich zu früher weniger gewordene – Personal zu managen. Gerade hat Ehepaar Heinl einen Bericht gesehen, in dem es hieß, dass die Bauern irgendwann zu den Erntehelfern fahren und also im Ausland produzieren. „Die Sonderkulturbetriebe werden sich verabschieden.“

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Gute Aussichten trotzdem für Plätz. Eine der drei Töchter, Laura Heinl, möchte in drei Jahren mit ins Geschäft einsteigen. „Ich will das nur noch zehn Jahre machen“, sagt Klaus Heinl. Die moderne Technik sei ihm jetzt schon eine Last. Das Spargelgeschäft mache mittlerweile „nur noch“ 60 Prozent des Umsatzes aus, der Rest ist Ackerbau. „Früher lag der Spargelanteil bei 80 Prozent.“

Ansonsten hat das Gut Plätz die großen Hallen mit Photovoltaik bestückt, steht jetzt an der Einfahrt auf Wunsch von Tochter Laura ein bereits summendes Insektenhotel, ist seit Ostersonnabend die Spargelernte auf freiem Feld in vollem Gange, hat der Spargel aufgrund seiner tiefen Wurzeln noch nicht mit der Trockenheit zu kämpfen – und freuen sich alle auf das Spargelhoffest am 4. Mai.