Flessau l „Das Beschneiden der Bäume in unserem Dorf sollte längst erledigt sein.“ Sagt Knut Lichtenknecker. Weil er den nötigen Pflegeschnitt des Straßengrüns vermisst, trat der Flessauer schon vor drei Jahren an den Ortschaftsrat seines Dorfes heran. In diesem Gremium sei man aber der Meinung, „dass die Einwohner die Bäume selbst schneiden sollen. Grund: Das wurde in Flessau schon immer so gemacht.“

Verweis auf Baumschutzsatzung

Ein Argument, dass Lichtenknecker nicht nachvollziehen kann. „2009 wurden wir eingemeindet, damit gilt die Baumschutzsatzung der Einheitsgemeinde auch für unseren Ort“, verweist der Flessauer auf den Paragraph I des Regelwerks. Und führt zudem den Paragraphen 4 aus der Satzung an. Der mit „Schutz- und Pflegemaßnahmen“ überschriebene Passus stellt klar, dass Eigentümer und Nutzungsberechtigte die auf ihren Grundstücken stehenden Bäume zu pflegen haben, außerdem seien Pflege- und Erhaltungsschnitte zur Gesundhaltung des Baumes oder zur Abwendung einer drohenden Gefahr der öffentlichen Sicherheit ordungsgemäß und fachgerecht durchzuführen. Wenn der Flessauer Ortschaftsrat nun die Einwohner des Dorfes an oder möglicherweise sogar auf die Straßenbäume schicken will, „nur weil es früher immer so gemacht wurde, widerspricht das der Baumschutzsatzung“, betont Lichtenknecker. Schließlich steht das Grün auf öffentlichem Grund und Boden, besitze ganz bestimmt nicht jeder Anwohner die fachliche Kompetenz zum Beschneiden der Bäume. „Und was würde denn passieren, wenn ein Bürger bei der Pflegeaktion zu Schaden kommt? Inwieweit ist er dann eigentlich versichert? Diese Frage konnte mir auch noch niemand beantworten“, sagt Knut Lichtenknecker.

Bei seinen Bemühungen um das Beschneiden der Flessauer Bäume schaute Lichtenknecker auch über den Tellerrand des eigenen Dorfes hinaus. Und bekam beispielsweise im Nachbarort Rossau die klare Auskunft, „dass sich dort selbstverständlich die Kommune um den Schnitt kümmert.“

Kein Gehör im Ortschaftsrat

Lichtenknecker pocht auf die Baumschutzsatzung und sieht seine Ansicht durch die Rossauer Praxis bestärkt. „Trotzdem finde ich bei unserem Ortschaftsrat kein Gehör.“ Zuletzt „putzte“ er sogar noch Klinken, suchte andere Grundstückseigentümer aus dem Dorf auf und sammelte Unterschriften für ein Schreiben, dass den Ortschaftsrat auffordert, seine Meinung zu überdenken und die Baumschutzsatzung im Dorf umzusetzen. Dabei sei er faktisch offene Türen eingerannt. „Denn alle die ich angesprochen habe, waren meiner Meinung und haben unterzeichnet.“

Mit mehr als 100 Unterschriften im Rücken nutzte Lichtenknecker Anfang des Jahres eine Ratssitzung, um die Ortspolitiker um Bürgermeisterin Silvia Böker noch einmal zum Handeln zu animieren. „Getan hat sich aber wieder nichts“, ist seine Geduld fünf Wochen später erschöpft. Zumal auch die Kontaktaufnahme mit dem Osterburger Rathaus nicht weiterhalf. Lichtenknecker sprach sowohl mit Bürgermeister Nico Schulz als auch mit Bauamtsleiter Matthias Köberle, dort sei aber letzten Endes immer wieder auf den Standpunkt des Flessauer Ortschaftsrates verwiesen worden. „Und das kann ich nicht nachvollziehen“, macht Lichtenknecker deutlich.

„Die Position des Flessauer Rates ist eindeutig: Er war einstimmig der Ansicht, dass die Grundstückseigentümer den Schnitt selbst übernehmen sollen“, erklärt Bauamtsleiter Matthias Köberle, warum die Verwaltung der Einheitsgemeinde bislang keinen Handlungsbedarf sah. Die Unterschriftenaktion, von der der Bauamtsleiter keine Kenntnis hatte, zeige aber auf,, dass offenkundig viele Flessauer Grundstückseigentümer in Sachen Baumschnitt anders denken als der Ortsrat. „Wir werden den Sachverhalt noch einmal prüfen, auch aus rechtlicher Sicht. Und mit dem Ortschaftsrat sowie der Ortsbürgermeisterin reden“, sichert Köberle zu. Das Thema soll zügig besprochen werden. „Denn der beste Zeitpunkt zum Beschneiden der Bäume ist jetzt, in den Wintermonaten.“