Von Karina Hoppe

Goldbeck l Genau drei Früchte braucht Sigurd Schossig für die Bestimmung. „Drei ganz normal gewachsene, nicht die besonders schönen“, sagt der 86-Jährige. Der Reifegrad ist egal. Und ob es sich um drei Äpfel, drei Kirschen oder Birnen handelt, auch. Sigurd Schossig ist als Pomologe mit vielen Arten und noch viel mehr Sorten vertraut und bis heute ein viel gefragter Mann. Als Jürgen Peters, der Vorsitzende des Landschaftspflegeverbandes Altmark-Elb-Havel-Winkel, von dem Pomologen-Gesuch für das Plummusfest in der Osterburger Volksstimme las, griff er zum Hörer und rief den Obstexperten aus Biederitz an. Der sagte Ja und die Organisatoren des Plummusfestes sind entsprechend froh. Am Sonnabend, 17. September, ab 12 Uhr wird Sigurd Schossig für drei Stunden Obstbestimmungen an der Zuckerhalle vornehmen.

Die Altmark, die Wische vor allem, ist Sigurd Schossig mehr als nur ein Begriff. „Falkenberg“, sagt er gleich, spricht von „Herrn Müller“ und erinnert sich, wie früher der Obstanbau in der Wische vorangebracht wurde. „Wischeobst“, na klar, das kennt Sigurd Schossig. Denn etliche der Bäume, die hier gepflanzt wurden, kommen aus der Baumschule Magdeburg-Ottersleben, einer dominierenden Baumschule zu DDR-Zeiten – mit 400 Äpfelsorten, 200 Süßkirschen- und 100 Sauerkirschensorten, dazu 95 Pflaumensorten. 30 Jahre stand Sigurd Schossig dem Betrieb vor, arbeitete auch zehn Jahre vorher am selbem Standort, als der Betrieb noch die Deutsche Akademie der Landwirtschaftswissenschaften war. Einer, der sich auskennt also.

Wenn Sigurd Schossig Obst bestimmt, hat er dabei eigentlich alles im Kopf. „Ich habe die Früchte über die ganzen Jahre im Gehirn fotografiert.“ Schossig muss das Obst fühlen, riechen, anschauen, vergleichen und selten beißt er zur Sicherheit auch mal hinein.

Bilder

Eine Lieblingssorte hat Sigurd Schossig nicht, „jede zu ihrer Reifezeit“. Was Äpfel betrifft, fällt ihm trotzdem als erstes die Sorte Piros ein, danach der James Grieve. Und den Macoun kennt der Biederitzer natürlich auch, „der kommt aus Amerika“.

Wenn Besucher des Goldbecker Plummusfestes Sigurd Schossig drei Früchte reichen, wird er ihnen sehr wahrscheinlich mehr als nur den Namen mitteilen können. Wenn es zu einer Obstsorte eine Geschichte gibt, kennt Schossig sie. Er weiß auch, dass der Züchter der Stendaler Hauspflaume in der Stendaler Hallstraße wohnte und – ach. In 86 Lebensjahren mit großem Interesse für das liebe Obst hat sich bei Sigurd Schossig eine Unmenge an Wissen angesammelt. Der Pomologe ist gespannt, welche Kuriositäten ihm in Goldbeck aufgetischt werden. Wenn er mal eine Sorte nicht kennt, könne er trotzdem gut schlafen.