Osterburg l Die Nahversorgung soll zurück ins Dorf – mit diesem Anliegen steuern die Einheitsgemeinde Osterburg und die Verbandsgemeinde Seehausen gegen eine jahrelange Entwicklung an. Seit der politischen Wende 1989 machten im Osterburger Umland nach und nach nahezu alle Dorfläden dicht, zuletzt schloss vor etwa vier Jahren das Gladigauer Geschäft seine Tür. Eine Ausnahme ist Flessau, im von den Einwohnerzahlen her größten Dorf der Einheitsgemeinde hat ein Laden überlebt. Zudem verfügen sowohl Flessau als auch Gladigau über einen ortsansässigen Bäcker. Sonst steht die Nahversorgung außerhalb der Kernstadt nur für mobile Anbieter, Bäcker- und Fleischer-Verkaufsfahrzeuge, die die Dörfer regelmäßig ansteuern.

Wenig verwunderlich, dass das Osterburger Rathaus zahlreichen Ortsteilen der Einheitsgemeinde eine „anteilige Unterversorgung“ bescheinigt. Von vielen Dörfern sei der nächstgelegene Markt zu Fuß nur schwer erreichbar, weil er weiter als fünf Kilometer entfernt sei. Der Öffentliche Personennahverkehr, der die Distanz überbrücken könnte, sei nur spärlich verfügbar. Leute ohne eigenen Pkw, und dabei handele es sich zumeist um ältere Einwohner, wären daher bei der Erledigung ihrer Einkäufe auf Familienmitglieder oder Nachbarn angewiesen. Eine Nahversorgung vor ihrer Haustür im eigenen Dorf würde dieses Problem beseitigen und einen Ausgleich für die früheren Dorfläden schaffen, sagt Bürgermeister Nico Schulz (Freie Wähler). Und da komme „Mona Lisa“ ins Spiel.

Der Name „Mona Lisa“ steht als Kurzform für „Neue Formen der mobilen Nahversorgung in ländlichen Regionen“. So heißt ein Pilotprojekt, in dem Einheits- und Verbandsgemeinde untersuchen lassen wollen, ob und auf welche Weise wieder Waren des täglichen Bedarfs in den Dörfern verfügbar werden können. „Mona Lisa“ rückt dabei ein Modell ins Blickfeld, dass die Einrichtung von Verkaufsstationen in den Dörfern vorsieht. Ebenso ist nach Angaben von Nico Schulz keinesfalls ausgeschlossen, „dass das in einem größeren Dorf vielleicht wieder ein richtiger Laden mit eigenem Personal sein könnte.“ Der Gladigauer Ortsbürgermeister Matthias Müller (parteilos) unterstreicht das. Müller, der „Mona Lisa“ unterstützt, „da das Projekt Möglichkeiten aufzeigt, wieder einen Versorger für Gladigau zu finden“, kann auch nachvollziehen, „dass in alle Richtungen geprüft wird.“ Sein persönlicher Wunsch sei aber, „dass am alten Standort des Konsums in Gladigau ein Einkaufsladen mit Waren von regionalen Anbietern öffnet.“ Denn von der Nahversorgung abgesehen, habe der Dorfladen auch eine soziale Bedeutung, „da begegnen sich die Leute. Eine automatische Bring- und Abholstation ist dagegen keine Begegnungsstätte. Deshalb würde ich einen Laden immer bevorzugen, selbst wenn er nur wenige Stunden am Tag geöffnet hat“, sagt Müller.

Verkaufsstationen oder mancherorts doch Läden: Was für die Einheitsgemeinde Osterburg und die Verbandsgemeinde Seehausen tatsächlich in Frage kommt, soll ein Konzept beantworten, dass faktisch am Anfang des Pilotprojektes steht. Für die Projektarbeit wollen sich die Kommunen mit der Hochschule Harz wissenschaftlichen Beistand ins Boot holen. „Diese Hochschule engagiert sich sehr in demografischen Projekten“, begründet Nico Schulz die Wahl.

Die Hochschule Harz soll unter anderem eine Machbarkeitsstudie zum ewaigen Versorgungsmodell einschließlich eines Wirtschaftlichkeits- und Logistikkonzepts sowie einer Marketingstrategie erarbeiten. Darüber hinaus seien Fördermöglichkeiten für die Umsetzung zu recherchieren sowie ein Netzwerk aus regionalen Partnern aufzubauen, die bei der angestrebten Verbesserung der Nahversorgung in den Dörfern mithelfen.

Um das Konzept und seine Erarbeitung zu finanzieren, beantragte die Einheitsgemeinde Osterburg stellvertretend für beide Kommunen Fördermittel in Höhe von 28 000 Euro aus dem Programm „LandVersorgt“ der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung. Die Einheitsgemeinde Osterburg sowie die Verbandsgemeinde Seehausen müssten jeweils einen finanziellen Eigenanteil in Höhe von 3 600 Euro beisteuern. Bei Zusage der Förderung soll die Fachhochschule Harz die konzeptionelle Vorarbeit von „Mona Lisa“ bis zum 30. September 2021 abschließen. Führt die Machbarkeitsstudie zu einem positiven Ergebnis, könnte danach mit der Umsetzung des Konzeptes begonnen werden.