Seehausen l Nach der Selbstanzeige des Seehäuser Verbandsgemeindebürgermeisters Rüdiger Kloth und der Zusage der Landesregierung auf finanzielle Unterstützung bei der Bekämpfung des Eichenprozessionsspinners (EPS) werden in den besonders betroffenen Gebieten vor allem im Zehrental, am Aland und auf der Altmärkischen Höhe seit Anfang Juli Raupen, Nester und anfangs auch Falter des Forstschädlings abgesaugt. Erst von zwei Fachfirmen. Die Restarbeiten erledigt in diesen Tagen nur noch ein Unternehmen.

Das bisherige Fazit fällt gemischt aus. Positiv ist in jedem Fall, dass das Land nicht mehr nur im Luther-Jahr und nicht nur im Interesse von Nutzern des überregional wichtigen Elberadweges, sondern auch im Sinn der Einwohner vor Ort endlich mehr Flagge zeigt. In diesem Jahr mit Mitteln aus dem Ausgleichsstock für unvorhergesehene Notfälle und im kommenden Jahr mit zusätzlich zwei Millionen Euro im Haushalt für den Kampf gegen die gefräßigen Raupen mit ihrem hoch-allergenen Potenzial. Mittel, die im Frühjahr vor allem den Einsatz von Biozid aus der Luft und vom Boden aus forcieren sollen. Dann ist die Aussicht auf Erfolg mit einem vergleichbar geringen Aufwand nämlich am größten. Fachleute gehen davon aus, dass mit den Kosten für das Absaugen einer stärker befallenen Eiche das Spritzen von bis zu ein Hektar aus der Luft per Hubschrauber zu bezahlen ist.

Wie stark Eichen von den gefräßigen Raupen befallen sein können, war auch für die Verantwortlichen im Rathaus eine neue Erfahrung. Bis zu 160 Nester wurden in einigen Bäumen gezählt, was sich natürlich in der Effektivität des Absaugens widerspiegelt. Besonders kompliziert wird es bei alten, sehr hohen und verästelten Eichen. So wurden laut Kloth bis Ende vergangener Woche rund 10 000 Nester von den Fachleuten mit Industriestaubsaugern entfernt und der Müllverbrennung zugeführt. Die Zahl der behandelten Bäume liegt dagegen derzeit „nur“ bei etwa 500. Erklärtes Ziel waren ursprünglich rund 1000 Eichen an den Brennpunkten in den Orten.

Der Mehraufwand schlägt sich auch auf die Kosten nieder. Die 10 000 Euro, die der Verbandsgemeinderat vor knapp drei Monaten als zehnprozentigen Eigenanteil für die Landesmittel genehmigte, werden definitiv nicht reichen. Der Verbandsgemeindebürgermeister hoffte, am Ende unter 200 000 Euro Gesamtkosten zu bleiben. Das stünde dann für 20 000 Euro Eigenmittel.

Die Mehrausgaben verteidigt Rüdiger Kloth damit, dass man niemandem, der in der Nachbarschaft einer befallenen Eiche wohnt, hätte vermitteln können, warum woanders abgesaugt wird und bei ihm ausgerechnet nicht.

Was das Spritzen im Frühjahr betrifft, gibt es noch nicht viel Neues zu berichten. Die Kommune hat ihre Hausaufgaben bei der Bedarfsermittlung gemacht. Nun hofft Kloth auf einen konzentrierten Einsatz und vor allem darauf, dass auch die Straßenbaulastträger von Land und Bund mitziehen. Sonst wären alle Mühen umsonst gewesen.

Auch überregional stößt das Thema noch immer auf mediales Interesse. Am Dienstag war ein Team von Spiegel-TV länger vor Ort. Der Beitrag soll Montagabend, 24. September, ausgestrahlt werden.