Polkau l Seinen Rentenbescheid in der Tasche und damit quasi hochoffiziell im Ruhestand, will Lothar Zahn (65) alles andere als auf der Stelle treten. Der Polkauer scharrt vielmehr mit den sprichwörtlichen Hufen. Denn im September wird er nach Indien reisen. Für ein paar Wochen, „um mal ein bisschen in das gewaltige Land hineinzuschnuppern und es mit wirklich allen Sinnen zu erfahren “, erzählt er.

Berliner Freunde hätten ihm diese Reise geschenkt, mit der sich Zahn einen Jugendtraum erfüllt. Denn Indien habe ihn schon immer fasziniert, „spätestens, seitdem die Beatles im Jahr 1968 dorthin gereist sind“, sagt er. Und trotzdem sich der bis zu seinem elften Lebensjahr in Australien aufgewachsene Polkauer, der später auch mehrere Jahre in Israel lebte, mit Verweis auf „38 besuchte Länder“ durchaus als Globetrotter bezeichnen darf, ist Indien für ihn noch Neuland. „Ich bin wohl zu sehr in Afrika hängengeblieben“, schiebt er schmunzelnd sein Faible für den schwarzen Kontinent vor.

Jetzt aber freut sich Zahn auf Begegnungen mit der indischen Bevölkerung, ihre Kultur und „auch die reiche Götterwelt des Hinduismus, die uns in Europa kaum vertraut ist.“ Klar, bei der von Delhi über Jodhpur, Jaipur bis nach Agra führenden Reise dürften selbstverständlich Sehenswürdigkeiten ins Blickfeld rücken, „die ich bei der Gelegenheit gern mitnehme. Aber selbst das Taj Mahal (das weltbekannte Mogul-Mausoleum) ist für mich doch eher Nebensache.“ Viel mehr sei er daran interessiert, ganz im Sinne des Polkauer Vereins „Die Schmiede“ und seines Einsatzes gegen Sexismus und Homophobie nach Möglichkeiten zur Kontaktaufnahme mit indischen Lesben und Schwulen zu suchen. Über lange Zeit in der Gesellschaft ein Tabu, habe das Oberste Gericht Indiens im Jahr 2018 ein seit der britischen Kolonialzeit geltendes Verbot homosexueller Handlungen aufgehoben. „Da ist etwas in Bewegung geraten“, ist Zahn überzeugt. Er weiß von sogenannten Pride-Paraden, die die indische LGBT-Szene (LGBT ist eine aus dem englischen Sprachraum kommende Abkürzung für Lesbisch, Schwul, Bisexuell und Transgender) in Städten wie Neu-Delhi oder Kalkutta auf die Beine stellt. „Eine Freude, da zuzuschauen.“ Den Draht zu homosexuellen Indern zu finden, für Zahn wäre es auch als Vorgriff auf einen weiteren Indien-Trip zu verstehen. Den fasse er für 2020, womöglich mit weiteren Mitgliedern des „Schmiede“-Vereins, ins Auge, sagt der Polkauer. „Auch deshalb will ich bei meiner ersten Reise nach Indien soviel mitbekommen, wie ich kann. Um dann schon viel besser auf Land und Leute vorbereitet zu sein“, fügt er hinzu.

Auch eine Tour im kommenden Jahr würde aber keinen dauerhaften Abschied von der Altmark bedeuten, stellt Zahn klar. Denn zwar hat der Polkauer ganz bestimmt mit seinen Ambitionen auf den Osterburger Bürgermeisterstuhl abgeschlossen. Mit der Region aber nicht, erzählt er. „Als es mich 1992 nach Polkau verschlug, hätte ich nie geglaubt, dass ich hier hängen bleibe. Aber genau das ist passiert. Und ich habe es keine Sekunde bereut“, legt sich Lothar Zahn fest.