Osterburg l Die Tendenz stimmt. Woher sie rührt und wie sich das Plus trotz zurückgehender Einwohnerzahl erklären lässt, ist für Frank Hoche gar nicht so schwierig zu erklären. „Ich denke, unsere Entscheidung, uns mehr in die kulturellen Höhepunkte der Stadt einzubringen, hat sich auf jeden Fall ausgezahlt“, ist der Leiter des Osterburger Kreismuseums überzeugt. Und ebenso sind es eigene Angebote wie der Ostermarkt, die Neugierige in stattlicher Anzahl auf das Grundstück an der Breiten Straße ziehen. Die 26. Auflage des Marktes fuhr mit 1870 Gästen sogar einen neuen Besucherrekord ein. Eine ordentliche Resonanz erfuhren auch eine Museumsnacht sowie Konzerte, unter anderem mit Uli Kirsch oder dem Gemischten Chor. Zudem setzte die Einrichtung mit acht Ausstellungen auch verschiedene Angebote für Kunstfreunde in Szene.

Nicht zuletzt kam das Mu­seum aber auch seiner ureigenen Aufgabe nach – es erweiterte seine historische Sammlung, die in den Schauräumen sowie im Archiv aufbewahrt wird. Zu den spannendsten Schenkungen, Ankäufen und Dauerleihgaben, die im Vorjahr den Weg ins Museum fanden, zählen sieben dicke Hefter. In ihnen verbirgt sich faktisch die gesamte Osterburger Postgeschichte von 1800 bis 1970, die ein Einwohner der Biesestadt akribisch recherchiert und gesammelt hat. Dazu reihte sich ein Fuhrmannskrug aus dem frühen 20. Jahrhundert in die Riege der Exponate ein. Und auch eine sogenannte Seminaristenpfeife, die der später als Lehrer in Osterburg tätige Bernhard Müller nach bestandener Prüfung im damaligen Lehrerseminar (das heutige Markgraf-Albrecht-Gymnasium) erhielt, ist im Osterburger Kreismuseum zu sehen.

Dort finden in den kommenden Monaten auch wieder mehrere Austellungen ihren Platz. Wie zum Beispiel eine Sonderausstellung über Winckelmann, die am 15. April eröffnet werden soll. Der gebürtige Stendaler Johann Joachim Winckelmann (1717-1768) gilt als Begründer der wissenschaftlichen Archäologie und Kunstgeschichte und hat nach Hoches Angaben einen Bezug zu Osterburg. Winckelmann soll in der Biesestadt als Privatlehrer gewirkt haben.

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Eine Galeriausstellung mit einem Dresdner Künstler, die Gymnasiums-Schau „Denkanstößiges“ sowie, im Rahmen der Osterburger Literaturtage eingebettet, eine Schau mit einem Stipendiaten aus dem Kunsthof Dahrenstedt, bereichern das diesjährige Ausstellungsprogramm, der abschließende Hingucker scheint derzeit aber noch völlig offen. Denn nachdem die zurückliegenden Museumsjahre stets mit Fotoausstellungen ausklangen, reizt es Frank Hoche, „dieses Mal wieder etwas Anderes auszuprobieren.“ So könnte sich der Museumschef durchaus vorstellen, in der Einrichtung eine Sammlung der beliebten DDR-Comigs „Digedags“ zu präsentieren. „Aber das ist noch nicht sicher“, betonte er. Ein potenzieller Publikumsmagnet, der dem Museum schon in wenigen Wochen ins Haus steht, ist dagegen längst bis ins Detail ausgetüftelt: Am 31. März geht auf dem Grundstück des Kreismuseums die 27. Auflage des Osterburger Ostermarktes über die Bühne.