Goldbeck l Der Raum für den Ausstand mit Schnittchen und Sekt war wohl gewählt. „Hier habe ich die letzten vier Jahre Mathe unterrichtet“, so Winfried Schwuchow, der Donnerstag seinen ersten „freien Tag“ hat. Und Mittwoch an seinem letzten Tag in der Sekundarschule Geschwister Scholl vorm Kollegium noch einmal zurückschaute. Auf 43 und ein halbes Berufsjahr! Von 1974 bis 1989 war Schwuchow Lehrer an der Sekundarschule Jerichow und dort nach der Wende bis Schulschließung 2005 Schulleiter. Es folgten zwei Jahre als Konrektor an der Clausewitz-Sekundarschule in Burg – und schließlich der Ruf nach Goldbeck. „Das war eine ganz schöne Umstellung für mich“, verhehlte Schwuchow gestern nicht. „Ich war eine ganz andere Schulausstattung gewöhnt.“ Eine bessere.

Und so war Schwuchows Amtszeit auch vom Wunsch beseelt, dass die Goldbecker Einrichtung modernisiert wird. Erst jetzt, da er geht, kann sich der Landkreis als Schulträger um Stark-III-Fördermittel für eine Komplettsanierung bewerben. „Nach neuer Bevölkerungsprognose stehen wir sehr gut da, bestehen den Demografiecheck“, so Schwuchow. Gemeinsam mit der neuen Grundschule, für die Sachsen-Anhalts Finanzminister André Schröder (CDU) Anfang der Woche die Fördermittel übergeben hat, und mit einer hoffentlich irgendwann sanierten Sporthalle, soll in Goldbeck ein Bildungszentrum entstehen, das laut Schwuchow „besser nicht geht“.

In Schwuchows Amtszeit fiel aber immerhin die Neugestaltung des Schulhofs, außerdem konnten Sozial- und Werkräume hergerichtet werden. Gerade freut sich das 16 Lehrer starke Kollegium (plus Gastlehrer) über eine neue Teeküche für das Lehrerzimmer, außerdem etwas Mobilar für die Schule und die Aussicht auf eine digitale Ausstattung, da die Einrichtung Teil des so genannten EKT-Programms ist. Und für den neuen Hausmeister Ronald Körtje hatte Schwuchow gestern noch eine gute Nachricht, „die Stelle ist für das nächste Jahr gesichert“. Applaus darauf von der Lehrerschaft und ein freudiges Gesicht von Körtje, der sich an der Schule „sauwohl“ fühle. Personalmangel – auch der begleitete Schwuchows Amtszeit, wofür selbiger nicht selten deutliche kritische Worte fand. Die Jahre in Goldbeck seien „bewegend in jeder Hinsicht“ gewesen.

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Heinrich Zille

Aber jetzt ist Schwuchow in Rente. Seine Kollegen schenkten ihm zum Abschied ein Set zum Cocktailsmachen, Schreib­utensilien und ein Schild mit dem Spruch „Ich brauche sechs Monate Ferien und das zwei mal im Jahr“. Lehrerin Grit Hesse zitierte zum Amüsement aller noch Heinrich Zille: „Wie herrlich ist es nichts zu tun und dann vom Nichtstun auszuruh‘n.“

Erstmal ein bisschen Nichtstun, das hat Schwuchow auch vor. Er freue sich, dass der Wecker nicht mehr um 4.30 Uhr klingelt, dass der Tag ein bisschen passieren kann. Währenddessen muss Schwuchows Frau Dorothee noch 14 Jahre arbeiten. Sie ist Leiterin der Sekundarschule Brettin. Und war vorher Schwuchows Stellvertreterin in Goldbeck. Dort lernten sich die beiden kennen und lieben. „Ich habe mein ganzes Leben nochmal umgeschmissen“, so Winfried Schwuchow.

Nicht zuletzt seine vier Enkelkinder halten diesen auf Trab. Darüber hinaus möchte Schwuchow, dessen Nachfolgerin ab heute Ramona Reck (vormals Gemeinschaftsschule Seehausen) ist, so lange wie möglich verreisen. Die Malediven sind schon wieder gebucht.