Werben l Den Besuchern fällt auch auf, dass alles so ordentlich und sauber ist. Rüdiger Haase und der Staubwedel sind per Du. Ein Raum, in dem nur alles steht, um da zu stehen, wäre nicht seins. Das private Rundfunk- und Fernsehmuseum, das der Werbener vor zwei Jahren in der ehemaligen Zweigstelle des VEB Rathenower Optische Werke eröffnete, ist eine Liebhaberangelegenheit durch und durch. Von Haase aufwendig reparierte historische Lampen, wohl platzierte Autogrammkarten oder ein Ondulierstab von annodazumal lassen eine Welt von einst entstehen, der sich Besucher kaum entziehen können. Neulich hat ein Mann sich mitten in der einstigen Brillen-Fertigungshalle auf einen Stuhl gesetzt und einfach nur geguckt. Erst eine halbe Stunde in die Richtung und dann in die nächste und so weiter. „Der konnte das gar nicht glauben.“

Haase vielleicht manchmal selbst nicht. In kurzer Zeit ist sein Museum zu einer guten Adresse geworden, zig Elberadwegfahrer hielten auch in dieser Saison vor dem beindruckend mit Geranien geschmückten Industriezeugen an der Räbelschen Straße an. Und es gibt mehr und mehr „Wiederholungstäter“. Zum Beispiel „den lieben Opa“ aus Rostock, der nach seinem ersten Besuch immer wieder ungemeldet vor der Tür steht. Mit seinen Krücken, die ihn stützen und wiederum einem neuen alten technischen Gerät, das er dem Museum zur Verfügung stellen möchte. „Der muss zu Hause wohl seine Bude ausräumen, das ist so ein lieber Mensch. Und der kann Geschichten erzählen.“ Weil der liebe Opa die genaue Adresse nicht kannte, schrieb er auf eine Postkarte einfach „Rundfunkmuseum an der Elbfähre bei Havelberg“ ohne Postleitzahl. Und die Karte kam an. Der Rostocker wollte wissen, ob die Veranstaltung am 5. oder am 9. September ist – letzteres stimmt. Das Rundfunkmuseum ist in Werben eine von 20 Adressen, die am Tag des offenen Denkmals ihre Türen öffnet. Initiiert vom Arbeitskreis Werbener Altstadt (AWA), dessen Vorsitzender Jochen Hufschmidt den Werbener Denkmalstag um 10  Uhr mit Bürgermeister Bernd Schulze an der Promenade 1 eröffnet.

Im Rundfunkmuseum hat der Männerchor Seehausen um 16 Uhr einen Auftritt. Darüberhinaus sorgt die Gruppe „Handicap“ aus Schollene tagsüber für den musikalischen Rahmen. Einer der Musiker war auch nur mal zu Besuch in der „Alten Brille“. Und dann so angetan, dass er jetzt an diesem besonderen Ort spielen möchte. Quasi umsonst. Da war Rüdiger Haase einmal mehr gerührt, genauso wie von der Kanadierin, die zur Musik aus Grammophon, alten Radios oder von der Schallplatte fast zu tanzen begann und dann vor lauter Dankbarkeit für dieses Erlebnis eine Karte aus Kanada hinterherschickte. Auch sie wird ihren Platz finden.

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