Verein sagt dem Seehäuser Kunst- und Trödelmarkt ade

Sigrid Haut will künftig lieber "auf neuen Wegen stolpern"

Von Astrid Mathis

Seehausen. Mit dem 20. Kunst- und Trödelmarkt ist Schluss für Sigrid Haut, die den Kunst- und Trödelmarktweibern in Seehausen zwei Jahrzehnte vorstand. Mit der Resonanz ist sie im Grunde zufrieden. Sie erinnert sich an schöne Zeiten, Herausforderungen – ja, und den Anfang.

"Meine Idee war, etwas Neues entstehen zu lassen. Es gab einen Nachholbedarf in punkto Kunsthandwerk", verrät Sigrid Haut. Handwerk war zu teuer, das Gegenstück dazu Massenware. "Ich wollte das Bewusstsein für unsere Kultur und das Handwerk schärfen. Dass das so spannend und anstrengend wird, hätte ich nicht gedacht", resümiert die Seehäuserin. 1991 hob sie den Verein und den dazugehörigen Markt mit interessierten Bürgerinnen aus der Taufe.

Das Kunsthandwerk nach Seehausen zu holen, sollte schwierig werden. Keramik aus der Region auf dem Markt dabei zu haben, war nicht immer möglich. Oft kamen die Händler aus dem Wendland. In dem Konzept unterschiedliche Interessen zu erfassen und mit einem kulturellen Paket zu paaren, sollte das Geheimnis des Kunst- und Trödelmarktes werden. Dazu gehört für Sigrid Haut ganz klar, dass es während des Festes keinen Plastikmüll gibt, Besteck und Geschirr wurde seit jeher bunt zusammengewürfelt. Schmalzstullen gab es immer. Die Tombola kam später. Der Flohmarkt wurde nie so angenommen, wie sie es sich wünschte. So viel zum Markt.

"Dass wir angefangen haben zu spielen, hat sich ergeben", sagt die 61-Jährige. Anlässlich ihres 50. Geburtstages wünschte sie sich von ihren Mädels einen Tanz. So entstand der Tanz der Masken, in dem Silke Panse Regie führte. Davon angetan erarbeitete Sigrid Haut mit dem Verein, der 12 Mitglieder zählt, "Die Nacht der Masken" und brachte das Stück öffentlich zur Aufführung. "Das war harte Arbeit – ich hatte so was ja noch nie gemacht", so Haut, "meine Töchter haben mich immer unterstützt." Zu ihrer Verwunderung lachte das Publikum an Stellen, wo sie nicht damit rechnete. Furchtbar aufgeregt war sie trotzdem: Sekt gab‘s bei ihr stets erst nach der Aufführung. 2003 folgte ihre Version von "Hänsel und Gretel". Aus der Zeitnot heraus, nicht selbst dichten zu können, wurden Texte von Kurt Tucholsky Gegenstand des nächsten Stückes. "Wir haben viel improvisiert. Ich staune bis heute über die Kreativität unserer Gruppe", gibt Sigrid Haut zu. "Alles Liebe" nannte sie das Programm im Wonnemonat Mai diesen Jahres. Gestern kam "Hoppel und seine Freunde 2" auf die Bühne, bei dem die Ideen der Zuschauer einfließen sollten. Ihre Sketche zur Weiberfastnacht mit Bezug zu aktuellen Themen sind legendär. "Für mich ist das Schönste, dass unser Spielen allen zeigen, dass mehr in ihnen steckt, als man selbst denkt, und das Wachsen der Gruppe zu sehen von Probe zu Probe", sagt die Regisseurin heute. "Es gibt Momente, in denen ich hart zu Potte gehe und meine Mädels mich auch mal hassen, aber ich meine es nicht so, will ja motivieren, und am Ende freuen sich alle, dass es so toll wird. Teamarbeit ist alles", schildert Haut. Das war auch die Frage der Frauen, als sie ihren Abschied als Chefin ankündigte: Was wird aus dem Kulturellen?

Sie macht weiter. Mit den Stücken zumindest. Ja, obwohl sie schon vor Jahren zu ihren Töchtern sagte, dass sie aufhören wolle. "Das ist dein Kind", gaben die beiden zu bedenken. Darum wollte sie zuerst ein Konzept für die nächste Generation entwickeln. Manko war in ihren Augen immer: "Wir sind ein Frauenhaufen. Wohin mit den Männerrollen?"

Statt des Kunst- und Trödelmarktes soll es 2012 eine Abendveranstaltung in der Salzkirche geben, viele gute Ideen haben sie schon gesammelt. Das Zusammenkommen der Leute sei damit ja ebenso gegeben wie zuvor. Für Sigrid Haut gilt die chinesische Weisheit: "Lieber auf neuen Wegen stolpern als auf alten Pfaden auf der Stelle zu treten." Ihr ist wichtig, das kulturelle Niveau zu halten und den Junggebliebenen etwas Neues zu bieten. Und das macht sie jetzt. Sie verabschiedet den Kunst- und Trödelmarkt Seehausen.