Arneburg l Ein Duo einer Berliner Firma widmet sich seit voriger Woche zwei Glocken der wohl ältesten Kirche der Altmark. Wolfgang Schwarz und Thomas Scholz haben alles im Griff. Klar. Auf dem Turm des Arneburger Gotteshauses, auf dem man einen herrlichen Blick über die Stadt und Elbwiesen genießen könnte, ist es bitter kalt. Da freuen sich die beiden über eine tolle Verpflegung. Karl Werner Vinzelberg, Vorsitzender des Gemeindekirchenrates, sorgt für wärmenden Tee. Und die Pfarrerin bringt Schmalzstullen zur Stärkung die Treppen zum Turm hinauf.

An Arbeit mangelt es den beiden nicht. Trotzdem ist das Ziel klar abgesteckt: Zum Freitag (21. Dezember) wollen sie ihren befristeten Arbeitsplatz in der St. Georg-Kirche, die in der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts erbaut worden ist, verlassen. Gestern brachten sie den Klöppel an der Glocke Nummer eins an. „Sie sind alle nummeriert“, sagt Karl Werner Vinzelberg, der bereits seit 43 Jahren im Gemeindekirchenrat tätig ist.

Schwerer Klöppel als Herausforderung

Das aus Eisen bestehende Teil hat es in sich. Beide Fachleute kamen bei der Beförderung des Klöppels nach unten mächtig ins Schwitzen. Die Reparatur bedurfte diesen Transportweg. Ein Kettenzug half dabei. Dennoch: „Wir hatten schon ein wenig Sorge, dass das Gewicht die Tragfähigkeit vom Kettenzug übersteigt“, blickte Wolfgang Schwarz zurück. Vinzelberg klärt auf, der Klöppel wiegt rund 200 Kilogramm. Alles klappte. Die Glocke Nummer eins, die schwerste des Quartetts, ist wieder komplett.

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Aber auch die Glocke Nummer vier, die kleinste, war defekt. Genauer gesagt das Joch. Das wies Risse auf. Deshalb wurde es wie der Klöppel bei der Kontrolle im Juni 2017 moniert. Beide Glocken der Arneburger Kirche sind seitdem außer Betrieb. Heiligabend sollen sie die Arneburger wieder gemeinsam mit den anderen beiden zum festlichen Gottesdienst, der um 17.30 Uhr beginnt, rufen. Kirchengemeinde und Gemeindekirchenrat sind froh, dass mit der Reparatur der Kirchturmuhr im vergangenen Jahr und den nun zu Ende gehenden Maßnahmen wichtige Arbeiten erledigt worden sind beziehungsweise vor dem Abschluss stehen.

„Jedes bisschen hilft weiter“, lobt der Gemeindekirchenrats-Vorsitzende die Spendenbereitschaft vieler Arneburger und anderer Bürger aus dem Umland für St. Georg. Dank dieser finanziellen Unterstützung und mit Hilfe des Kirchenkreises konnten die notwendigen Arbeiten realisiert werden. Die Kirchengemeinde rechnet mit rund 12 000 Euro.

Alle vier Glocken wurden zusammen angfertigt und an Silvester 1924/25 eingeweiht. Zuvor war St. Georg mit drei Bronzeglocken ausgestattet, wobei zwei zu Kriegszwecken 1917 eingeschmolzen worden sind. „Die dritte ging an eine Kirche in Schlesien“, weiß Karl Werner Vinzelberg.