Beuster l Um das geplante Glockenfest des Fördervereins und der Kirchengemeinde von St. Nikolaus in Beuster am Wochenende zu einem vollen Erfolg werden zu lassen, waren viele Vorarbeiten nötig. Nachdem der Glockengießer Simon Laudy und sein Sohn Sanderer am Mittwoch die in den Niederlanden gegossene große Glocke und die Form für die am Sonnabend vor Ort zu gießende Uhrschlagglocke angeliefert hatten (wir berichteten), begannen die aufwändigen Arbeiten im Glockenturm, um der neuen Glocke und der kleineren aus der Kirche Eickerhöfe stammenden ihren gesicherten Platz auf dem Glockenboden zu geben.

In schwindelerregender Höhe und unter halsbrecherischen Bedingungen meisterten die „Laudys“ diese Arbeit am Donnerstag und am Freitag. Zusätzlich galt es, die Arbeiten für den elektrischen Antrieb der Glocken zu installieren und abzustimmen. Am Freitag gab es für die beiden Fachleute noch Unterstützung aus der Heimat, denn zu zweit wären die weiteren Arbeiten nicht zu schaffen gewesen. Gegen die Mittagsstunde wurde mit vereinten Kräften die mitgebrachte Gießhütte aus Einzelteilen aufgebaut. Viel Zeit nahm nun das Mauern des Ofens aus Schamottsteinen und das Verputzen seiner Außenhülle in Anspruch. Beidseitig kamen noch die Anschlüsse für die beiden mechanisch betriebenen Ventilatoren, die die nötige zu steuernde Verbrennungsluft lieferten. Nach einer kurzen Trockenzeit konnte der stählerne und „kampferprobte“ Gieß- tiegel in den Ofen postiert werden.

In die Zwischenräume kam nun der hochwertige Brennstoff in Form von Anthrazitkohle. Das ganze Gebilde wurde von oben mit einer Stahlplatte mit verdeckbaren Sehschlitzen und dem Kaminrohr abgedeckt. Als Schmelzgut wird für Bronze normalerweise 80 Prozent Kupfer und 20 Prozent Zinn verwendet. Da aber beim Guss der mitgebrachten großen Glocke noch Bronzemetall anfiel, wurde dieses in den Schmelztiegel verbracht.

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Spaziergang am Deich

Die Besucherresonanz war zu diesem Zeitpunkt am Nachmittag noch eher verhalten. Viele der auch von weither angereisten Gäste nutzten das schöne Wetter zu einem Spaziergang auf dem Elbdeich oder besuchten das Rosencafè in Werder beziehungsweise statteten Schusters Hofladen mit Cafè einen ausführlichen Besuch ab.

Mit Einbruch der Dunkelheit waren die Straßen vom Blaulichtmuseum bis hinter die Deichbäckerei restlos vollgeparkt. Zum Zeitpunkt des angekündigten Gießvorganges drängten sich garantiert über 200 Schaulustige um die Gießhütte, wo das Team von Simon Laudy nach eingespieltem Muster ihrer Arbeit zur Vorbereitung des Gießvorganges nachgingen.

Der Bläserchor Seehausen unter der Leitung der Kantorin Sophie Charlotte Tetzlaff leistete mit seinen vielen Liedern einen schönen Beitrag bei diesem Fest. Kurz vor dem Anstich gab der Glockenbauer noch einige Informationen und wünschte sich absolute Stille beim Gießvorgang. Dies war deshalb nötig, weil der Fachmann aus den Geräuschen des einfließenden flüssigen Metalls Rückschlüsse über die Verteilung der Bronze in der Form schließen kann.

Nach getaner Arbeit gab es großen Beifall für das Gießerteam, und ihr Meister gratulierte dem Vorsitzenden des Fördervereins, Volker Stephan, zu der neuen Uhrschlagglocke, die nun in der Lehm-Sandform noch etwa 16 Stunden bis zu ihrer „Geburt“ vor dem Gottesdienst am Sonntag (Bericht folgt) auskühlen muss.

Mit dem Lied „Nun danket alle Gott“ wurde um allerhöchsten Segen für das vollendete Werk gebeten. In der geöffneten Kirche hatten die Besucher die Möglichkeit, Suppe, Bockwurst oder Getränke zu erwerben, wobei bei der Bevorratung mit solch einem großen Zuspruch nicht gerechnet wurde.