Goldbeck l Die Verbandsgemeinde Arneburg-Goldbeck möchte ihre drei Grundschul-Standorte in Arneburg, Goldbeck und Iden erhalten. Möglichst als eigenständige Standorte. Dass dies aufgrund der sinkenden Schülerzahlen in den kommenden Jahren ein schwieriges Unterfangen wird, wurde während der Sitzung des Schul- und Sozialausschusses am Donnerstagabend einmal mehr deutlich. Allerdings erwartet die Verbandsgemeinde ein Signal aus Magdeburg und hofft, dass für die ländliche Region andere Faktoren und dementsprechend Zahlen zugrunde gelegt werden. Schulausschuss-Vorsitzende Gabriele Andert lud dazu unter anderem mit Matthias Stübig den Referatsleiter beim Ministerium für Bildung des Landes Sachsen-Anhalt nach Goldbeck.

Stübig machte allerdings wenig Hoffnung. Er erwähnte, dass die Verordnung für die Schulentwicklungsplanung demnächst auf den Weg gebracht werde. Er verwies darauf, dass es das Ziel sei, alle Standorte zu halten. Dass Fusionen zwischen den Bildungsstätten möglich sind, betrachte er auch für den ländlichen Raum als Vorteil.

Wenig Verständnis von Eltern

Welchen Weg könnte die Verbandsgemeinde einschlagen? Speziell die Idener Einrichtung bereitet der Verbandsgemeinde aufgrund der Schülerzahlen Kopfschmerzen. Dort lernen aktuell 65 Mädchen und Jungen. Im Schuljahr 2025/26 könnte die Zahl auf 35 sinken. „Wir brechen dramatisch ein“, machte Ronny Gabel, Teamleiter Steuerungsunterstützung bei der VG, im Vorfeld der Diskussion mit einer ausgiebigen Präsentation der aktuellen und der künftigen Schul-Lage anhand der vorliegenden Zahlen deutlich. Bereits ab dem Schuljahr 2022/23 wird die Mindest-Gesamtschülerzahl  (60) des Idener Standortes nicht mehr erreicht. Dass Schüler aus Orten eines anderen Schuleinzugsbereiches der Idener Schule zugeordnet werden könnten, war bereits mehrfach Diskussionsthema in dem Ausschuss und beim Verbandsgemeinderat. Als mögliche Variante komme eine Änderung des Einzugsbereiches, der den Hauptort Hohenberg-Krusemark betrifft, infrage. Inklusive aller Ortsteile, jedoch ohne die Schüler aus Groß und Klein Ellingen. Nur mit diesen Kindern sei es künftig möglich, Iden zu erhalten.

Schulverbund-System angedacht

„Dass man so mit dem ländlichen Raum umgeht, ist unverständlich“, ärgert sich Dirk Kautz, Bürgermeister der Gemeinde Hohenberg-Krusemark, über die Politik in Magdeburg, die „wir hier ausbaden“ müssten. Aus Gesprächen mit Eltern wisse er, dass einige Erziehungsberechtigten kein Verständnis hätten, ihren Nachwuchs in Iden beschulen zu lassen. Er schätzt ein, dass Hindenburger und Gethlinger damit eventuell weniger ein Problem hätten, aber die Krusemarker oder Schwarzholzer aufgrund der Nähe zur Arneburger Schule schon. „Es ist eine schwierige Situation“, weiß nicht nur er.

Arneburg trotzdem gesichert

Arneburgs Bürgermeister Lothar Riedinger (CDU) hat natürlich auch „seine“ Schule im Blick. Es könne nicht sein, dass „die stärkste Schule danach die wenigsten Schüler hat“. Laut Gabel könne die Elbestadt den möglichen Abgang aus Hohenberg-Krusemark kompensieren. Vorerst sei der Standort mittel- und langfristig gesichert. Auch Goldbeck wäre nicht in Gefahr – allerdings müsse man an diesem Standort aufgrund der Stark- III-Förderung stets die 80 Schüler im Blick haben. Das war eine Voraussetzung für die Förderung für den Neubau, dessen Einweihung kurz bevor steht.

Dass für den Idener Standort immer mehr ein Verbundschulsystem und damit eine Kooperation mit Goldbeck eine Zukunftsvariante wird, wurde an dem Abend anhand der Zahlen ebenfalls deutlich. In den Schuljahren 2025/26 und 2026/27 könne die Mindesteinschülerzahl (15) nicht erreicht werden. Und das unabhängig davon, ob die aus der Einheitsgemeinde Osterburg (Walsleben und Königsmark) kommenden Kinder weiter wie bisher in Iden unterrichtet werden.

"Ignoranz vom Land"

Die Eltern hätten Bedenken, dass ihr Nachwuchs künftig noch mehr Zeit in den Bussen (Schulbeförderung) verbringt. Die neuen Pläne zum Schulentwicklungsplan sind auch dem Städte- und Gemeindebund ein Dorn im Auge. Während der Sitzung betonte Nico Schulz (Freie Wähler), Vorsitzender des Stendaler Kreisverbands, dass die Forderungen des Städte- und Gemeindebundes zu Ausnahmeregelungen im ländlichen Raum „in keinster Weise“ berücksichtigt wurden. Schulz sprach von einer „starren Haltung des Landes“ und von „unverständlicher Ignoranz“.

Das Anliegen unterstützte auch Landtagsmitglied Wulf Gallert (Die Linke). Die Linke-Fraktion wolle einen Antrag zur Schulentwicklungsplanung einbringen, der sich an den Erfordernissen des Landes orientiert, sagte er am Donnerstagabend.