Werben l Es ist verrückt, hieß es gestern von der Baustelle. Die ganzen Leute würde nicht interessieren, wie lange die Straße gesperrt ist, sondern wo die schönen Steine hinkommen. Jetzt, da es ernst wird, da der erste Teil der mit Granit-Natursteinpflaster belegten Landesstraße 2 zwischen Werben und Räbel hochgenommen wird, mehren sich die Fragen. Bei den Bauleuten, bei der Firma, auch mal bei Bürgermeister Bernd Schulze (parteilos). Der habe die Fühler schon selbst nach einem Konvolut der Steine ausgestreckt. „Für Pflasterarbeiten auf der Domäne zum Beispiel, wir sind ja fast überall denkmalgeschützt und dürfen keine anderen Steine nehmen.“ Umso schöner, könnte die Stadt einen Teil dieser irgendwie besonderen Steine erwerben.

Immerhin ranken sich einige Gerüchte um das Pflaster. So soll es Mitte der 1980er schon einmal für den Kölner Domplatz versprochen alias „verscherbelt“ gewesen sein, erzählt man sich. Und waren es nicht auch jene Steine, die mal den Celler Marktplatz schmücken sollten?

„War das nicht das Pflaster aus der Stadt?“ So fragt Frank Weigel, Fachbereichsleiter bei der Landesstraßenbaubehörde Nord, der ganz abseits von Gerüchten weiß, was mit den Steinen wird. „Sie gehen in die Hände der Baufirma.“ Die Unternehmensgruppe mit Sitz in Verden könne sie dann weiter verwenden oder verkaufen. Weder Schulze noch Weigel konnten gestern sagen, wie lange das Pflaster schon liegt. In jedem Fall ist die Straße durch Spurrillen und Absenkungen in Mitleidenschaft gezogen. Die Landesstraßenbaubehörde lässt sie grundhaft auf 5,50  Meter Breite ausbauen. Aktuell geht es um den Abschnitt 100 Meter nach Ortsausgang Werben bis zur Milchviehanlage nach dem Wäldchen. Die Baufirma war gestern noch mit den Durchlässen befasst, in wenigen Tagen werde das Pflaster aber hochgenommen.

„Und sobald wir in die Tiefe gehen, werden auch Archäologen mit einbezogen. Es gibt Bereiche, in denen sie Funde vermuten“, sagt Frank Weigel. Nach dem Auftragen einer hydraulisch gebundenen Schicht erfolge die Asphaltierung. Geplant ist, dass die Firma am 18. Dezember mit allem fertig ist. So lange müssen Autofahrer, die die Fähre Räbel nehmen wollen, eine Umleitung fahren. Auf der Hinfahrt über Berge und auf der Rückfahrt über einen ausgeschilderten landwirtschaftlichen Umleitungsweg, der etwa in Höhe des Werbener Klärwerkes auf die L16 in Richtung Behrendorf mündet.