Werben l Gunter Zwinzscher, der die Werbener Störche im Blick hat, war selbst erstaunt, als er sich die Vergleichszahlen zu 2019 heraussuchte. Es stehen 16 gegen 26 ausgeflogene Jungstörche. „Nicht schlecht.“ Nur das Werbener Stadtgebiet betreffend. Betrachtet Zwinzscher für dieses Jahr die gesamte Kommune Werben, kann er noch plus zwei rechnen, denn auch im Berger Storchenhorst wuchsen erfolgreich zwei Jungvögel heran. Das Räbeler Nest war zwar besetzt, aber es gab dort keinen Nachwuchs. Das Giesenslager Nest werde schon seit Jahren links liegen gelassen.

Verlust auf dem Rathaus

Auf die ganze Kommune bezogen stehen unterm Strich also folgende Zahlen: 17 Nester waren besetzt, in 15 wurde erfolgreich gebrütet, 28 Jungstörche machten sich gen Süden auf. Vermutlich spielte dem Nachwuchs das Wetter dieses Jahr mehr in die Karten, waren doch im vergangenen viele Vögel direkt in eine Dürre „hineingeschlüpft“, woraufhin die Elterntiere mangels Regenwürmern ordentlich aussortiert hatten. Verluste gab es aber auch in diesem Jahr. Im Nest „bei Kläden“, in jenem auf dem Dach des „Deutschen Hauses“ und im Nest auf dem Werbener Rathaus. „Das auf dem Rathaus ist noch nach der Beringung passiert, der muss schon eine Weile umhergeflogen sein“, sagt Zwinzscher, der plötzlich einen aufgeregten Anruf erhielt, denn der Jungstorch war tot in der Fischerstraße gefunden worden. Im Nest an der Parkstraße hatte sich bereits ein Paar zusammengefunden, „aber dann gab es eine dieser typischen Fehden“. Ein dritter Storch kam hinzu und wollte auf das Nest. Vermutlich wurden die angebrüteten Eier dabei zerstört.

Aus drei Nestern flogen aber stolze drei Junge in die Welt: aus jenem vom Kommandeurhaus, aus dem Nest an der Tankstelle und dem Nest „Schorlemmer/Schützenplatz“. Da auf der AWA-Streuobstwiese nur ein Junges flügge wurde und ansonsten immer zwei, liegt der Schnitt genau bei 2,0.

Bilder

Immer mehr Westzieher

Von dieser Bilanz weiß auch Michael Tillmann, der als Sprecher der Landesarbeitsgemeinschaft Weißstorch in Nordrhein-Westfalen aktiv ist und auch Werbens Adebare seit mehr als 20 Jahren im Blick hat, seine Beobachtungen mit Gunter Zwinzscher abgleicht. Für Tillmann ist bemerkenswert, dass die Elbtor-Störche – Werbens einzige Westzieher – nunmehr das elfte Jahr gemeinsam gebrütet haben. „Das ist für eine Storchenehe schon eine rekordverdächtige Zeit. Störche sind ja nicht partnertreu, sondern haben vor allem eine Bindung ans Nest.“ In dem Zusammenhang macht der Münsteraner auf einen Trend aufmerksam: „Es gibt immer mehr Westzieher.“ Die Route nach Spanien sei einfach wesentlich ungefährlicher als die Ostroute nach Afrika. Waren um die Wendezeit nur 16 bis 17  Prozent aller deutschen Störche Westzieher, seien es nunmehr mindestens 55 Prozent. Da dadurch der Populationsdruck unter den Westziehern steige, wandern immer mehr von ihnen weiter gen Osten. Tillmann hoffe, dass – vielleicht dadurch unterstützt – auch die Anzahl der Storchenpaare in Werben wieder steigen wird.

Storchennester brauchen Pflege, nicht zuletzt wegen der Gefahrenabwehr. „An einige müssen wir wirklich dringend heran“, sagt Gunter Zwinzscher. Vielleicht helfe dabei ja die neue Drehleiter der Feuerwehr. Als Zugabe hat Zwinzscher noch ein Bild von einem der seltenen Schwarzstörche – hier in der Gegend selbst fotografiert.