Flessau l Jessica Helmke und Joachim Piotraschke leben als Nachbarn am unbefestigten Teilstück der Neuen Straße, der in Höhe des Kindergartens beginnt und an Sport- sowie nagelneuem Spielplatz vorbei zur Dorfstraße führt. Wie die übrigen sechs an dem Straßenabschnitt lebenden Familien wurden sie zum 26. Juli zu einer Info-Veranstaltung eingeladen. „Dort haben wir dann erfahren, dass man die Absicht hat, unsere Straße zu erschließen“, blickte Jessica Helmke zurück. Bei ihr und sämtlichen betroffenen Anwohnern seien diese Pläne sofort auf Ablehnung gestoßen.

Kommune bittet kräftig zur Kasse

Dass die Eigentümer der anliegenden Grundstücke bei dem unter dem Begriff Erschließung firmierenden grundhaften Neubau einer Straße von der Kommune besonders kräftig zur Kasse gebeten werden und für etwa 90 Prozent der Baukosten aufkommen müssen, trägt seinen Teil zum Nein der Anwohner bei. In der Hauptsache sorgen sie sich aber darum, dass da vor ihrer Haustür eine Rennpiste entstehen könnte. „Da muss man sich nichts vormachen, genau das würde passieren“, sagte Joachim Piotraschke. Er skizzierte das Bild einer zweiten, fast parallel zur Dorfstraße verlaufenden Ortsdurchfahrt, die von der Straße Am Bahnhof über den auszubauenden Abschnitt der Neuen Straße zwischen Grundschule und Kita und das unbefestigte Teilstück der Neuen Straße bis hin zur Einmündung in die Dorfstraße in Höhe des Ortsausgangs Richtung Storbeck führen würde. Das aktuell eher dezente Geschehen auf dem für Tempo 30 zugelassenen Weg wäre dann Geschichte. Und klar, mit wachsendem Fahrzeugaufkommen dürfte die vor der eigenen Haustür liegende Straße nicht sicherer werden, machten Jessica Helmke und Joachim Piotraschke deutlich. Dies betreffe einen Bereich, der allein schon wegen des nahegelegenen Spielplatzes regelmäßig von Kindern frequentiert wird.

Für Jessica Helmke steht fest: „Die Erschließung macht überhaupt keinen Sinn.“ Die Straße würde nicht einmal als innerörtliche Verbindung benötigt, da ein ebenso mit dem Namen Neue Straße betitelter und noch dazu längst ausgebauter Pendant vom Kindergarten aus in westliche Richtung zur Dorfstraße mitten im Ort führt. Die unbefestigte Fahrbahn könnten sich Helmke und Piotraschke dagegen sehr gut als Spielstraße vorstellen, „gern mit einem neuen Namen. Eine Umbenennung hätte den auch Vorteil, dass wir Ortsfremde oder Zustelldienste nicht mehr durch die doppelte Fortführung der Neuen Straße verwirren“, begrpndete Joachim Piotraschke.

Argumente gegen die Erschließung ihrer Straße brachten Anwohner auch während der Info-Veranstaltung im Juli vor. Sie gingen mit dem Gefühl aus der Runde, „dass sich der Ortschaftsrat zwar noch einmal zu dem Thema zusammensetzt, letzten Endes aber in unserem Sinn befindet“, sagte Helmke. Danach schien die Angelegenheit zumindest für die Öffentlichkeit zu ruhen. „Bis die Volksstimme in der Vorwoche darüber berichtete, dass die Osterburger Verwaltung die Planung für Ausbau und Erschließung ausschreibt.“

Anlieger suchen Gepräch mit dem Ortsrat

Dass sich der Flessauer Ortschaftsrat für die Erschließung ausgesprochen hat, können Jessica Helmke und Joachim Piotraschke nicht nachvollziehen. Heute Abend besuchen die beiden Flessauer die Sitzung des Ortschaftsrates, um während der Bürgerfagestunde in Erfahrung zu bringen, „welche Gründe unsere Ortspolitiker für die Erschließung ins Feld führen. Was wiegt so schwer, dass selbst die Bedenken und Ablehnung der betroffenen Anwohner vom Tisch geschoben werden?“ Noch hoffen die Anwohner, „dass der Rat auf unsere Argumente eingeht und die Erschließung überdenkt. Wir brauchen diese neue Straße nicht.“