Seehausen l Eines schickt das Verkehrsministerium gleich voraus: „Während der Bauphase des Abschnitts von den Anschlussstellen Seehausen Nord bis Wittenberge sind keine baustellenbedingten Verkehrsumleitungen über die K 1020 vorgesehen.“ Vielmehr würden beide Richtungsfahrbahnen der künftigen A 14 unter ständiger Aufrechterhaltung des Verkehrs und der bestehenden Trasse der B 189 gebaut. „Aus diesem Grund kann ein Ausweichverkehr von der künftigen Autobahnbaustelle ausgeschlossen werden.“

Da im Rahmen von großen Baumaßnahmen aber trotzdem, wenn nicht mit offiziell gelenktem, aber doch mit Ausweichverkehr zu rechnen sei und die alte B 189 (K 1020) von Seehausen in Richtung Losenrade zu schmal und in sehr schlechtem Zustand ist, pochten Verbandsgemeinde und Stadt Seehausen seit Anbeginn darauf, dass sie im Rahmen der Planfeststellung berücksichtigt, dass ihr Ausbau vor dem Autobahnbau Gesetz sein muss.

Der aus den Klagen von Verbandsgemeinde und Stadt erwachsene und am Dienstag zuletzt von Seehausen abgenickte Vereinbarungsentwurf – er ist noch nicht amtlich – stellt nun zunächst eindeutig fest, dass „der Ausbau der K 1020 einschließlich eines Radweges (...) nicht Gegenstand des Planfeststellungsbeschlusses“ ist. Aber: „Die Kläger fordern einen Ausbau der K 1020 vor Verkehrsfreigabe des Autobahnabschnittes und die Anlage eines straßenbegleitenden Radweges.“ Dies soll nun laut Vereinbarung über einen Umweg geschehen: Das Verkehrsministerium hat „auf Grundlage eines Vorschlages des Landkreises“ Sonderfördermittel für den Landkreis aus Landesmitteln für die Aufstellung des Doppelhaushalts 2020/2021 angemeldet. Rund 2,4 Millionen für 2020, rund 2,7 Millionen für 2021 und in mittelfristiger Planung knapp 2 Millionen Euro für 2022. Die Umsetzung ist also noch vom grünen Licht der Abgeordneten anhängig – der Doppelhaushalt wird voraussichtlich Ende des Jahres in Sack und Tüten sein. Dann wissen Verbandsgemeinde und Seehausen mehr. Rüdiger Kloth als VG-Bürgermeister sieht darin „eine Lösung, die in Ordnung ist. Das Ministerium kann den Abgeordneten ja nichts verordnen“. Deswegen enthielten derlei Verträge immer auch „salvatorische Klauseln“. Diese machen es nun theoretisch möglich, dass der Ausbau der K 1020 bis A-14-Baubeginn erledigt ist. Und dass die K 1020 nach erfolgtem A-14-Bau in ihrem jetzigen schlechten Zustand zur L-Straße hochgestuft wird. „Aber da glaube ich nicht dran“, sagt Kloth.

Die Seehäuser Stadträtin Susanne Bohlander (Die Grünen) kritisiert diese Vereinbarung aufs Schärfste. „Selbst wenn die K 1020 zur Verkehrsfreigabe (der Autobahn, Anm. d. Red.) fertig ausgebaut wäre, würde das bedeuten, dass es gleichzeitig zwei große Baustellen gibt: auf der B 189/A 14 und auf der K 1020. Wo sollen die Autos denn während der jahrelangen Bauzeit fahren?“ Große Skepsis hat die Losenraderin angesichts der Brücken (Bahn und Aland) und der hohen Dammlage überdies an der technischen Umsetzung der Verkehrsführung direkt an der A-14-Baustelle. Und: Für den K-1020-Ausbau gebe es noch keine Planung, womöglich sei gar ein Planfeststellungsverfahren notwendig? „Völlig unklar ist auch, wie der Ausbau K 1020 mit den Anwohnern geklärt werden soll.“ Stadt und Verbandsgemeinde Seehausen seien in guter Position gewesen, mehr für die Bürger herauszuholen. „Aber der politische Druck ist groß.“

Wie Sebastian Putz, Staatssekretär im Verkehrsministerium, in dieser Woche äußerte, bleibt es beim anvisierten Zeitplan: „2025 können wir auf der A 14 bis zur Ostsee fahren.“