Flessau l „Mir war klar, dass das Thema irgendwann wieder hochkocht“, sagt Joachim Piotraschke. „Mir auch. Allerdings habe ich nicht so schnell damit gerechnet“, erzählt seine Nachbarin Jessica Helmke. Knapp zwei Jahre, nachdem die Kommune ihre Absichten zur Erschließung des unbefestigten Teilstückes der Neuen Straße in Flessau fallen ließ, weil die Anlieger Sturm gegen das Vorhaben liefen, wird die Umgestaltung des Weges wieder konkret. Weil die Stadt vom Amt für Landwirtschaft, Flurneuordnung und Forsten eine Zusage für Fördergelder in der Tasche hat, die neben dem ohnehin geplanten Ausbau des befestigten Teilstückes zwischen Schule und Kita auch für den unbefestigten Abschnitt gilt. Bei Gesamtkosten in Höhe von 554.000 Euro soll der Förderanteil eine Summe von 350.000 Euro ausmachen.

Auf dem unbefestigten Teilstück hat die Kommune vor, den bestehenden Gehweg zu beseitigen. Für die Straße selbst ist ein grundhafter Ausbau angedacht, auf die Verlegung eines Regenwasserkanals will die Stadt aber verzichten. Stattdessen soll eine einseitige Mulde entstehen, über die die Entwässerung gewährleistet werden könnte. An der Straßenbeleuchtung ändert sich nichts, die heutigen Lampen bleiben stehen. Angesichts dieses eingeschränkten Maßnahmepaketes ist man im Osterburger Rathaus überzeugt, den von den angrenzenden Grundstückseigentümern zu zahlenden Erschließungsbeitrag in einer händelbaren Größe halten zu können.

Doch die drohende finanzielle Beteiligung, die laut Erschließungssatzung bei 90 Prozent der Baukosten liegt, stellt nur einen Aspekt dar, warum die Anwohner das Vorhaben weiter strikt ablehnen. In der Hauptsache befürchten sie, „dass vor unserer Haustür eine Rennstrecke entsteht“, stellen Helmke und Piotraschke klar. Nehmen die Baupläne tatsächlich Gestalt an, würde angefangen mit der Straße Am Bahnhof über den auszubauenden Abschnitt der Neuen Straße zwischen Grundschule und Kita und das unbefestigte Teilstück der Neuen Straße bis hin zur Einmündung in die Dorfstraße in Höhe des Ortsausgangs Richtung Storbeck quasi pa­rallel zur Dorfstraße eine zweite Ortsdurchfahrt entstehen. Die dürfte spätestens dann eine enorme Anziehungskraft entwickeln, wenn die Dorfstraße wie von der Landesstraßenbaubehörde angekündigt in den Jahren 2021/22 selbst eine umfassende Neugestaltung erfährt. „Das ist wahrscheinlich auch genau so beabsichtigt, dass unsere Straße als Teil einer innerörtlichen Umgehung dienen soll“, glauben Helmke und Piotraschke an einen Zusammenhang. Nachvollziehen könnten sie entsprechende Gedankengänge nicht, „schon allein deshalb, weil wegen des nahegelegenen Spielplatzes viele Kinder auf unserer Straße unterwegs sind“, erklären sie.

Ihre Ablehnung zu den Erschließungsplänen dürften Jessica Helmke und Joachim Piotraschke demnächst auch auf einer Versammlung deutlich machen. Zu Montag, 28. Januar, lädt die Flessauer Ortsbürgermeisterin Silvia Böker für um 19 Uhr ins Sportlerheim, um mit den Anliegern der Neuen Straße über das Erschließungsvorhaben zu sprechen.