Rosenhof l Pauline Ullrich, keramische Plastikerin aus dem Saalekreis, sprach „fast von einem archäologischen Akt“. Der Sandstein, den sie und das Gros ihrer Mitstreiter auf dem Hof von Reinhard Rex in Rosenhof bearbeiteten, wurde nicht etwa dorthin geliefert, sondern selbst geborgen. Direkt auf dem Hof, wo aus welchen Gründen auch immer Sandsteine im Erdreich liegen. „Teils dienten sie wohl früher als Fundament“, mutmaßte der Hausherr am Sonnabend, da vielzählige Besucher sich die Arbeiten der Künstler anschauten. Pauline Ullrich als einzige Frau der Bildhauerrunde wohnte der Bergung Anfang der Woche bei, brauchte aber selbst keinen „neuen“ Sandstein. Denn eine noch unfertige Skulptur wartete schon auf sie. Ein Relikt des Symposiums 2017, da die Künstlerin das erste Mal eine Woche in Rosenhof arbeitete. Nach sechs Tagen Handarbeit sah Pauline Ullrich ihre Frauenfigur nun „in einem gewissen Zustand“, sodass sie sie mit nach Hause nehmen wollte, um dort mit etwas Abstand noch einmal draufzuschauen.

Bildhauer-Symposium in Rosenhof – Reinhard Rex, selbst Maler und Grafiker und mittlerweile auch der Plastik zugeneigt, hat schon mehr als zehn dieser Zusammenkünfte bei sich organisiert. „Vielleicht“, so sagte er am Sonnabend, „brauche ich jetzt mal eine Pause“. Denn natürlich seien diese Tage, da von vornherein eigentlich gar nichts fest steht, auch anstrengend. Was und wann gegessen wird, entscheidet der Hunger, häufig kommen nach Arbeiten bis zum Dunkelwerden unter anderem Kartoffeln und Gemüse aus dem Garten auf den Tisch. Dazu heitere und ernste Diskussionen bis in die Nacht und immer wieder die Antwort auf die böse Frage, wer den Tisch deckt, die Küche macht.

Der Magdeburger Matthias Trott war das fünfte Mal dabei. Und „wenn der Hausherr die Tradition aufrecht erhält“, komme er gerne wieder. Die Künstler würden sich in ihrer Arbeit wunderbar befruchten, geben einander Anregungen. Trott hatte für sich selbst noch einen Marmorstein mitgebracht, werkelte insgesamt an drei Plastiken. Das merke er nun auch, „Marmor ist verdammt hart“. Abends war er manchmal richtig sauer und froh, dass Dietrich Bahß, der der Gruppe wie gewohnt als Fotograf beiwohnte, den Fortschritt gekonnt festhielt, abends auch mal für berieselnde Unterhaltung durch einen Film gesorgt hat.

Bilder

Bertold Kulas, der sich in Rosenhof gerne mit Stühlen oder Stuhlfragmenten befasst und daraus kunstvolle Sitzmöbel gestaltet, hat sich dieses Mal unter anderem um ein Leck an der Dachrinne eines Schuppens gekümmert. Er hängte einen Topf darunter und künstlerte einen Wasserspeier darüber, „der macht eine richtig schöne Pissrinne“.

Es bleibt immer etwas in Rosenhof von jedem Symposium, auch wenn die Künstler, was Pauline Ullrich sehr schätzt, ihre Werke mit nach Hause nehmen können, „was ja nicht überall der Fall ist“. Die Plastikerin habe sich voll auf Rosenhof eingelassen, „ich hatte hier eine schöne Zeit“. Genau wie der Hausherr, der dem Sandstein eine Frauenfigur abrang, und nun etwas Erholung brauche.