Bretsch l Das kleine Jubiläum fünf Jahre Heimatmuseum nahm der Heimatverein Gemeinde Bretsch am Sonnabend zum Anlass, um Besuchern die Tür ihrer Einrichtung im Verwaltungsgebäude des ehemaligen Volksgutes zu öffnen. Sie war 2013 anlässlich der 750-Jahr-Feier des Dorfes eröffnet worden.

Den ganzen Nachmittag über hatten sich viele Interessierte eingefunden, um die museale Sammlung zu besichtigen: landwirtschaftliche, handwerkliche und hauswirtschaftliche Geräte, Wohnungseinrichtungen und vieles andere. Aus Polkern waren Mitglieder des dortigen Dorfvereins „Lichtblick Polkern“ angeradelt gekommen beziehungsweise gefahren worden.

„Nach und nach hatte man im Laufe der Jahre die Räume eingerichtet; vieles war gespendet worden, zum Beispiel die komplette Werkstatt des früheren Schuhmachers Masche, die zuletzt von Christian Masche als Taschenfabrik firmierte. Oder Sammeltassen für die „gute Stube“, gespendet von den Familien Dieckmann und Schimrich und ein Besteckkasten von der Familie Lieske. Hier fanden die Besucher unter anderem auch ein sechsteiliges Kaffeeservice aus dem Besitz von Anni Lüdecke aus Dewitz, kindliche Poesiealben, ein Klavier, einen Wohnzimmerschrank und eine kombinierte Radio-Fernsehtruhe.

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Das Zimmer "DDR"

Es sind Zeitzeugen für das dörfliche Leben, wobei der jüngeren Generation manches ohne Erläuterung vielleicht unverständlich erscheinen mag, wie im neu eingerichteten Zimmer „DDR“. Neu ist auch der Raum mit historischen Apparaten des Post- und Fernmeldewesens, beispielsweise ein Feldpostapparat, zur Verfügung gestellt von Wilhelm Reinecke aus Bretsch, eine Telefonvermittlung „Fräulein vom Amt“ aus dem Jahr 1930 und ein so genannter Klappenschrank von 1920. Noch viel mehr ist zu besichtigen, „man kann es berühren, aber nicht mitnehmen“, wie Vereinsvorsitzende Rosemarie Müller spaßhaft bemerkte. Ernsthaft fügte sie hinzu: „Unser Verein widmet sich nicht nur dem Anfassbaren, sondern arbeitet seit Jahren die sehr umfangreiche Hofgeschichte der Orte Bretsch, Dewitz, Priemern und Drüsedau auf und dokumentiert sie.“

„Also was hier zu sehen ist, finde ich gut“, sagte Lore Ploewka aus Polkern. „In jedem Raum begegnet uns unsere Jugend wieder. Es ist sehr anerkennenswert, was man hier getan hat.“ Zu den Besuchern gehörte auch Edelgard Dirk aus Priemern. Sie kam nicht mit leeren Händen; sie übergab Ralf Lippitz, einem Mitgründer des Vereins, unter anderem Jacke und Mantel der Dienstbekleidung ihrer Mutter Irmgard Rausch, die einst Poststellenverwalterin in Priemern war.

Im Schauprogramm an diesem Tag demonstrierte der Hobby-Schäfer Andreas Schmidt aus Lückstedt eine Schafschur mit einer Hand- und mit einer elektrischen Schere. Sechs Brunauer Spinnfrauen ließen ihre Spinnräder schnurren und holten so Fäden aus der Schafwolle. Schmied Klaus Ranke aus Seehausen weihte eine Feldschmiede ein, die von Ralf Lippitz restauriert worden war. Er demonstrierte unter anderem das Härten einer Axt und einer Sichel. Angesichts der Besucherzahl stellte er fest: „Ich finde es toll, dass sich so viele Leute für Heimatgeschichte interessieren.“

Auch den kleinen Besuchern war viel geboten worden wie das Tauziehen, eine Strohhüpfburg, Riesenseifenblasen pusten, das Seilspringen und anderes mehr. Die Vereinsmitglieder servierten Getränke, Kuchen und Deftiges.