Lichterfelde l Die Aktion in der BBS Lichterfelde dauerte den ganzen Tag. Der jüngste Hund war laut Auskunft des Landkreises Stendal etwa ein halbes Jahr alt, die anderen zwischen zwei und 17 Jahren. Die Tiere waren einzeln in Zimmern untergebracht, die Zimmer „unterschiedlich mit Sofas, Hundehütten oder Decken bestückt“. Die mit Linoleum ausgelegten Räume „wurden offensichtlich regelmäßig gereinigt. Allerdings herrschte in einzelnen Hundezimmern ein stechender, in den Augen beißender Gestank“, so Kreissprecherin Angela Vogel.

Den körperlichen Zustand der Tiere bezeichnet die Aufsichtsbehörde als „gut bis sehr gut“, Grund für die Beschlagnahmung am vergangenen Freitag (15. Mai) seien die Haltungsbedingungen gewesen. „Die Hunde hatten bei dieser Art der Unterbringung keinen sozialen Kontakt – weder zu Artgenossen noch zu Menschen oder anderen Tieren.“ Ausgenommen nur die Betreuer selbst.

Ziel war Vermittlung

Die Betreuer, sprich Hundehalter, sind Laura Bückmann und Mirko Hopf, die die frühere BBS Lichterfelde laut eigener Aussage erwarben, um daraus perspektivisch ein Jugendhilfe-Heim zu machen, was nicht zuletzt an der Finanzierung scheiterte. Aktiv war das Paar indes mit ihrem an der Adresse gemeldeten „Tierschutzverein Hopf“, der sich laut Internetseite um „Fellnasen“ mit „schrecklicher Vergangenheit“ kümmert. Oberstes Ziel sei danach die Vermittlung der Tiere in gute Hände. Tatsächlich habe der Landkreis Belege für Vermittlungen, aber so wie geschehen gehe es nicht. Die Haltung der zumal gestrauchelten Hunde sei einer tiergerechten Vorbereitung auf eine Vermittlung nicht zuträglich.

Bilder

Die Behörde fand Hunde verschiedener Rassen vor, die „zum Teil unter das Gesetz zur Beschränkung des Verbringens oder der Einfuhr gefährlicher Hunde in das Inland und das Gesetz zur Vorsorge gegen die von Hunden ausgehenden Gefahren fallen“. Die Aufsichtsbehörde fand also auch sogenannte „Kampfhunde“ vor, darunter welche aus dem Ausland. Die Tiere seien „im Rahmen des Sofortvollzugs“ sichergestellt worden.

Aufwendige Recherchen

Der unangekündigten Maßnahme am Freitag seien seitens des Landkreises aufwendige Recherchen vorausgegangen. Unter anderem erfolgte auch Rücksprache mit einem Herkunftsveterinäramt.

„Es ergab sich der Verdacht eines mutmaßlichen Handelns von Hunden (auch aus dem Ausland), der ohne tierschutzrechtliche Erlaubnis erfolgt sein muss.“ Inwiefern sich dies bestätigt, könne der Landkreis jetzt noch nicht sagen, „da noch umfangreiches Material ausgewertet werden muss“. Die Behörde betont, dass sich die Hundehalter sehr kooperativ verhalten hätten. Es handele sich „um keine bösen Menschen, die ihre Hunde schlagen. Sie wollen an sich Gutes für die Tiere“.

Eigentümer waren kooperativ

Auch Björn Schünemann vom Ordnungsamt der Verbandsgemeinde Seehausen äußert, „dass das alles sehr sehr ruhig und gesittet vonstatten ging. Die Eigentümer waren kooperativ“. Das Veterinäramt habe „ein gutes Feeling dafür“. Im Ordnungsamt Seehausen seien im Vorfeld mehrmals Beschwerden über Hundegebell in dieser Angelegenheit eingegangen.

Die meisten Tiere kamen ins Tierheim Stendal. „Die zwei querschnittsgelähmten wurden wegen der intensiven Betreuung in ein extra Tierheim gebracht. Die Tierhalter hatten diese Tiere bereits intensiv betreut und anschließend ihre Mitwirkung bei der Betreuung angeboten“, heißt es.

Die Konsequenzen für den „Tierschutzverein Hopf“ stehen laut Landkreis noch nicht fest. Würde er weiterhin Hunde halten dürfen, dann nur mit Beschränkungen. „Diese Art der Unterbringung ging jedenfalls gar nicht.“ Der Landkreis stehe bereits deutschlandweit in Vermittlungsgesprächen mit Tierschutzorganisationen und Privatpersonen. Einige Hunde seien schon vermittelt.

Laura Bückmann war gestern telefonisch erreichbar, halte es aber für besser, sich erstmal gar nicht zu der Beschlagnahmung zu äußern. Zwei ihrer insgesamt 22 Hunde konnte das Paar bei sich behalten.