Seehausen l Schneebedeckte Gipfel und lange Strände sind in der Altmark Mangelware, dafür gibt es jede Menge Gegend, die mit Naturbelassenheit und Abstand vom Großstadtstress punktet – vor allem bei Touristen, die Stille und aktive Erholung bevorzugen. Aber auch mit diesem Pfund lässt sich nicht so leicht wuchern. Viele Kommunen im Land, Vereine und private Anbieter bemühen sich mit Angeboten um eine vergleichsweise kleine Radfahrerklientel. Neben Übernachtungsmöglichkeiten, Gastronomie und Ausflugszielen geschieht das vor allem durch die Ausweisung von Radwegen und das Erstellen von Thementouren. In Rathäusern und Kreisverwaltungen beschäftigen sich eigene Abteilungen mit dem Thema.

Dazu gibt es grenzübergreifende und zum Teil geförderte Projekte wie die knotenpunktbezogene Radwegweisung – scherzhaft auch „Radeln nach Zahlen“ genannt. Ende des vergangenen Jahres wurde mit finanzkräftiger Unterstützung durch das Land sogar die Arbeitsgemeinschaft Fahrradfreundliche Kommune (AGFK) aus der Taufe gehoben (wir berichteten). 150 000 Euro lässt sich Sachsen-Anhalt diese Hilfe jährlich kosten, die anderen Interessenvertretungen meist versagt bleibt.

Den regionalen Radwegnetzen – Seehausen wird zum Beispiel vom Altmark-Rundkurs, dem Melde-Biese-Aland-Weg oder dem Elberadweg tangiert – hilft das erst einmal kein Stück weiter. Weder beim Bau neuer Pisten noch bei der Unterhaltung alter Wege. Um Kosten und Mittel zu sparen, hat der Landkreis Stendal vor fünf Jahren deshalb den Altmark-Rundkurs, der einst über Barsberge nach Seehausen führte, entwidmet und auf den straßenbegleitenden Radweg an der B 189 verlegt. Statt die Natur zu genießen, gibt es jetzt freie Sicht auf Pkw und Brummis.

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Selbst bei überregional beworbenen Strecken wie dem Elberadweg klemmt es an der Pflege, wenn der Kurs öffentlich gewidmete Straßen und Wege verlässt. Bei Wahrenberg zum Beispiel (und nicht nur da) führt der Kurs auf dem rund drei Meter breiten Deichverteidigungsweg entlang, bietet zwar einen exklusiven Blick auf die Elbe, ist aber dabei zuzuwachsen. Das Landesamt für Wasserwirtschaft und Hochwasserschutz sieht sich verständlicher Weise nicht in der Pflicht, weil es nicht zu seinen Aufgaben zählt. Kommunen und Interessenvertretungen sind indes nicht die Baulastträger und wären auch finanziell gar nicht in der Lage, die Pflege zu stemmen.

Tino Raguse, beim Magdeburger Tourismusverband Koordinator des Elberadweges in diesem Bereich, ist da machtlos und fasst es stellvertretend für andere Mitstreiter zusammen: „Wir sind für das Marketing zuständig und auf den Wegen nur geduldet. Forderungen können wir keine stellen.“

Die Diskrepanz zwischen Tourismusanbietern und Baulastträgern existiert nicht nur in der Altmark. Unter der Regie der Straßenmeisterei versucht der Landkreis Stendal mit Mitteln des zweiten Arbeitsmarktes gegenzusteuern. Auch für das laufende Jahr seien Maßnehmen beantragt, heißt es auf Nachfrage der Volksstimme. Wirklich planbar ist die Unterhaltung der Strecke damit aber nicht. In Magdeburg hofft man zumindest beim Elberadweg künftig auf mehr Unterstützung des Bundes, weil die Strecke auch von internationaler Bedeutung ist.