Osterburg l Auch wenn Einspringen ob der großen Ziele nicht gerecht wird. Die Borghardtstiftung, eine alte kirchliche Stiftung, die in Stendal bereits Erfahrungen in der Kinderbetreuung hat, möchte möglichst schnell die Kapazitäten der an der Bismarker Straße gelegenen Einrichtung erhöhen. „Wir wollen sie weiterentwickeln“, betonte gestern Elimar Brandt, Vorstand der Stiftung, bei der Pressekonferenz im Osterburger Pfarramt.

Angebot für Kinder vom Säuglingsalter

Zum 1. April soll der offizielle Wechsel vonstatten gehen. Brandt sprach in Bezug auf den Standort von einem „richtig schönen alten Bereich“. Dieser würde indes nach einer Entwicklung rufen. Eine Modernisierung sei unausweichlich. Zu den Plänen zählt auch die Betreuung von Kindern im Säuglingsalter, bisher galten 18 Monate als Untergrenze in der Tagesstätte. Der künftige Träger hält ebenso eine integrative Ausrichtung für sinnvoll. Die Borghardtstiftung, die „mit großem Enthusiasmus“ an die Aufgaben geht, freut sich auf die neue Herausforderung.

Die evangelische Kirchengemeinde führte mit dem künftigen Träger im Januar die ersten Gespräche und ist froh, dass die Stiftung begeistert ist und die 126 Jahre alte Einrichtung übernimmt. „Uns war wichtig, dass das Profil einer evangelischen Kita erhalten bleibt“, sagt Pfarrerin Margret Lipschütz. Die Anforderungen an einen Träger würden stets zunehmen. „Wir mussten Dinge tun, die wir nicht gelernt haben“, sagte Kantor Friedemann Lessing zu den Gründen, die Tagesstätte in andere Hände zu geben. Die Gemeindekirchenratsmitglieder als Ehrenamtliche hätten nicht den Einblick beispielsweise in das Kinderförderungsgesetz wie Personen, die sich damit tagtäglich beschäftigen würden. Auch Elimar Brandt, seit 2012 Vorstand der Borghardtstiftung und seit 1980 in der Diakonie tätig, weiß, dass dieser Bereich viel Professionalität verlangt. Das Ehrenamt sei damit überfordert. Die evangelische Kirchengemeinde in Osterburg hofft weiterhin auf eine gute Zusammenarbeit.

Arbeitsplätze sollen geschaffen werden

Eine Schließung der evangelischen Kita „wäre ein großer Verlust für die Qualität der Betreuungsangebote für die Stadt gewesen“, zeigte sich auch Einheitsgemeinde-Bürgermeister Nico Schulz erfreut, dass die Borghardtstiftung Interesse bekundete und die Einrichtung übernimmt. Für die Hansestadt sei es immens wichtig, ausreichend Kita-Plätze zur Verfügung zu stellen. Er dankte zudem der Kirche, dass sie sich ihren Gedanken so weit öffnete, um auch über einen Trägerwechsel nachzudenken.

Für Elimar Brandt, der mit Verwaltungsleiter Hans-Jürgen Lau gestern nach Osterburg kam, ist die Vermittlung von Werten in den Kinder-Einrichtungen unabdingbar. Es müssten nicht immer christliche sein. Diese Aufgabe verglich er mit einem Geländer, das Kindern Halt bietet.

Derzeit werden in der evangelischen Kindertagesstätte, in der drei Erzieherinnen und eine Praktikantin beschäftigt sind, 22 Mädchen und Jungen betreut. Wie der Vorstand gestern informierte, sollen die Mitarbeiterinnen übernommen werden. „Weitere Arbeitsplätze sollen geschaffen werden“, kündigte er an. Im Juni des vergangenen Jahres, als das Team der evangelischen Tagesstätte ihren 125. Jahrestag feierte, erhielt die Einrichtung einen neuen Namen, seither heißt sie „Lindenbaum“.

Und leider hätten auch Gerüchte in Osterburg die Runde gemacht, dass der „Lindenbaum“ schließt. Keineswegs! Neue Ideen sollen nun mit einem neuen Träger umgesetzt werden.