Werben l Derzeit 25 Jungstörche von 16 Paaren (2016:18) auf dem Stadtgebiet Werben – das könnte besser sein. „Es deutet sich ein sehr bescheidenes Storchenjahr an“, sagt Michael Tillmann aus Münster. Er ist ein Sprecher der Landesarbeitsgemeinschaft Weißstorch Nordrhein-Westfalen und über die Störche seit vielen Jahren auch mit Werben verbunden. Dort aktuell zu Besuch, hat er den Status Quo der Gefiderten in Erfahrung gebracht.

Dürre in Afrika schwächt Vögel

Wie Tillmann informiert, nahm die eher magere Storchenausbeute bereits ihren Anfang, als die Störche noch gar nicht in Werben zurückwaren. Den Störchen der Hansestadt, in erster Linie so genannte Ostzieher, hat auf dem Rückweg wohl die Dürre in Ostafrika zu schaffen gemacht. „Dadurch werden sie geschwächt.“ Außerdem gab es schlechtes Wetter im Balkangebiet. Insgesamt kamen die Vögel dadurch eher spät nach Werben zurück, was für das Brutgeschäft ungünstig ist.

Dazu kommt das Unwetter in den zurückliegenden Tagen. Am vergangenen Donnerstag und Freitag hat es, wie Tillmann sich informierte, in hiesigen Breiten 70 Liter auf den Quadratmeter geregnet – mehr als eine durchschnittliche Regen-Monatsmenge, zumal bezogen auf den Juni. Das war wohl für mehrere Jungtiere zuviel. Auf der Salzkirche starb ein Junges von zweien, ebenso auf dem „Deutschen Haus“.

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Zwei Jungvögel starben

Auf dem Kommandeurhaus, dem einzigen neuen Nest, starben gleich beide Jungvögel. Und auf der Alten Schule wurden aus dreien zwei, wobei das tote Junge wohl noch oben liegt. In den meisten anderen Fällen fiel es von allein aus dem Nest oder die Altvögel stießen es heraus.

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Verlust auch auf den Dörfern der Hansestadt: In Berge und Räbel gab es Nachwuchs, der ebenso verstorben ist. In Giesenslage und Behrendorf kamen keine Jungvögel zur Welt.

Gift oder ein Virus?

Dazu kommt der schon länger zurückliegende Verlust auf dem Nest am Elbtor, wo sich seit Jahren die einzigen Westzieher der Hansestadt Werben ihr Quartier suchen. Von der Storchenkamera im Visier, schlüpften drei Jungvögel – alle drei starben nach und nach. „Vielleicht durch Gift oder durch einen Virus“, so Tillmann. „Da wäre eine tiermedizinische Untersuchung interessant gewesen.“

Ob es nun bei den 25 Jungvögeln bleibt, sei noch abzuwarten. Im seit 1992 besten Werbener Storchenjahr 2006 wuchsen bei 16 Paaren insgesamt 37 Jungvögel auf. Wobei die Betonung auf aufwachsen beziehungsweise ausfliegen liegt – nicht aller Nachwuchs muss nämlich in Werben geschlüpft sein. So wurden auch bei den in dieser Saison 17 vorgenommenen Beringungen Werbener Storcheneltern drei verwaiste Jungstörche untergejubelt.