Kollateralschäden durch Straßenbau

Baustelle B 189: Und wieder liegen in Seehausen die Nerven blank

Der durch die B-189-Sanierung anfallende Umleitungsverkehr hinterlässt auch in Seehausen seinen Spuren. Dabei dürfte das eigentlich nicht der Fall sein.

Von Ralf Franke
2019 protestierten Heidemarie Hastedt (links) und Mitanwohner schon einmal gegen die Verkehrsbelastung an der Otto-Nuschke-Straße. Eine wirkliche Besserung ist wohl erst Mitte Juli in Sicht.
2019 protestierten Heidemarie Hastedt (links) und Mitanwohner schon einmal gegen die Verkehrsbelastung an der Otto-Nuschke-Straße. Eine wirkliche Besserung ist wohl erst Mitte Juli in Sicht. Archivfoto: Ralf Franke

Seehausen - Nachdem im Sommer 2017 in Seehausen der Verkehr wegen der Großinvestition des Wasserverbandes Stendal-Osterburg (WVSO) in der Seehäuser Lindenstraße umgeleitet werden musste, erleben die Anwohner der Otto-Nuschke-Straße in diesen Tagen sozusagen die Duplizität der Ereignisse. Denn derzeit haben besonders die Anlieger an der Kopfsteinpflasterstrecke neben den Alt-Neubauten unter dem Lärm und den Erschütterungen des verstärkten Verkehrsaufkommens zu leiden. Einmal mehr liegen die Nerven blank.

Obwohl der WVSO seine Sanierungsarbeiten an der Lindenstraße seit Ende des vergangenen Jahres fortsetzte, ist diese Baustelle dieses Mal nicht beziehungsweise nicht mehr der Hauptgrund für die Verschlechterung der Lebensqualität von Heidemarie Hastedt und anderen Mitbewohnern, die schon vor zwei Jahren ihrem Unmut an dieser Stelle Luft machten. Denn ihr Abschnitt der Nuschke-Straße war nur im ersten Bauabschnitt an der Lindenstraße offiziell von der innerstädtischen Umleitung betroffen.

Wenig Rücksicht selbst durch Einheimische

Das große Plus beim täglichen Verkehrsaufkommen setzte mit dem Start der B-189-Sanierung Mitte Mai ein. Der Verkehr wird in Richtung Wittenberge zwar halbseitig an der Baustelle vorbeigeführt und in der Gegenrichtung über Losse sowie Drüsedau geleitet, aber offenbar gibt es genug Ortskundige, die Zeit und Kilometer sparen wollen und deshalb sowohl in der einen als auch der anderen Richtung lieber durch Seehausen fahren, vermutet Heidemarie Hastedt.

Wie vor zwei Jahren moniert sie, dass die Nacht kurz nach 4 Uhr zu Ende sei. Dann scheppere der Verkehr über das Kopfsteinpflaster. An die Höchstgeschwindigkeit von 30 km/h würden sich die wenigsten Verkehrsteilnehmer halten – auch viele Einheimische nicht. Unter der Situation würden nicht nur Schichtarbeiter besonders leiden. Ihr Mann habe sich dieser Tage schon in den Garten aufgemacht, um dort etwas Ruhe zu finden. Viele Senioren könnten das nicht, so die Anliegerin, die es schlimm findet, dass die Lärmbelastung ihren Höhepunkt gerade jetzt erreicht, wenn für die Ruheständler des Viertels die Balkonsaison begonnen hat und bei den Temperaturen öfter mal gelüftet werden muss.

Am Zustand der Straße dürfte sich angesichts klammer Stadtkassen so schnell wohl nichts ändern. Deshalb wird bei den Anliegern einmal mehr der Ruf nach Geschwindigkeitskontrollen laut. Polizei und Landkreis müssten so präsent sein, dass es sich unter den Verkehrsteilnehmern auch herumspricht, heißt es im Gespräch mit der Volksstimme.

Ordnungsbehörden versuchen gegenzusteuern

Ganz untätig ist die Polizei angesichts des Umleitungsvekerhrs wie schon vor zwei Jahren allerdings auch dieses Mal nicht. Von den Seehäuer Regionalbereichsbeamten der Polizei war zu erfahren, dass man im Rahmen der personellen Möglichkeiten kürzlich nicht nur in Seehausen, sondern dazu in Drüsedau Geschwindigkeitskontrollen mit Schwerpunkt Umleitungsverkehr vorgenommen habe. Sonderlich erfolgreich waren die Ordnungshüter allerdings nicht. Gleichwohl räumen sie ein, dass allein ihre Anwesenheit meist zumindest kurzzeitig für langsameres Fahren sorge. Aus der Erfahrung betonen sie indes, dass gerade unbeladene Lkw auf dem Kopfsteinpflaster der Nuschke-Straße mit 30 km/h nicht viel leiser wären als mit 50 km/h.

Die Verbandsgemeinde hat das Problem längst im Fokus, wie Bürgermeister Rüdiger Kloth bestätigte. Dazu gehöre, dass auf dem kompletten Abschnitt die 30-km/h-Begrenzung angeordnet wurde und der Landkreis öfter einen Blitzer stationieren soll. Man habe auch überlegt, ob und mit welchen Mitteln man den überregionalen Lkw-Verkehr aus der Stadt bekommen könne. Ohne machbare Resultate.

Aber selbst wenn die kleinen Maßnahmen Erleichterungen bringen sollten, mit einer wirklichen Besserung der Situation ist erst zu rechnen, wenn die Arbeiten an der B 189 beendet sind. Das soll Mitte Juli der Fall sein.