Osterburg l Bis zuletzt hatten die Organisatoren gehofft, das Jugendanglercamp in Neukirchen durchführen zu können. Aber das erforderte Hygiene- konzept angesichts der Pandemie ließ sich letztlich doch nicht umsetzen. Wie Jens Hoffmann als Vorsitzender des Anglervereins Osterburg mitteilt, konnte wenigstens der Ausbildungstermin für den Jugend- beziehungsweise Friedfischangelschein gehalten werden. 45 Teilnehmer fanden sich im Anglerheim ein. Und dies ist abseits der vielen Absagen oder Vertagungen in 2020 nicht die einzige positive Bilanz im Rechenschaftsbericht des Vereins. So vermeldet Jens Hoffmann stolz, dass der 25 aktive Angelgruppen bündelnde Verein im vergangenen Jahr um rund 80 Mitglieder angewachsen ist. Er zähle nunmehr 1171 Erwachsene und 179 Kinder und Jugendliche.

Fangkarten als Grundlage für Fischbesatz

Auch im Wasser setzten sich die Petrijünger für den Nachwuchs ein. So wurden für den Fischbesatz in den Pachtgewässern des Vereins 12 100 Euro aufgewendet. Vor allem Aale und Weißfische orderten die Angler, „außerdem ein paar Edelfische wie den Zander“, teilt Hoffmann mit. Die Wahl der Fischarten erfolge vor allem auf Basis der Fangkarten. Sprich, was die Angler den Gewässern entnahmen, gaben sie wieder hinzu. Wobei auf dem Aal aufgrund des starken Bestandsrückgangs ohnehin EU-weit ein Fokus liegt. „Nachwuchs“ auch auf Seiten der Technik. Der Verein investierte 6500 Euro in ein geländegängiges Quad. Es wird vor allem als Geräteträger für Mähwerkzeuge benötigt. Bislang nutzte der Verein dafür das Gefährt eines Vereinsmitgliedes, was nun nicht mehr geht. Dass einige Veranstaltungen coronabedingt ausfielen, aber laut Rechenschaftsbericht auch „Finanzdisziplin und sinnvolle Mittelverwendung“ erleichterten diese Investition.

Zuarbeit für Gewässerverzeichnis

Hinter den Kulissen steckte Hoffmann, unterstützt von weiteren Angelfreunden, in 2020 viel Zeit in die Zuarbeit für das digitale Gewässerverzeichnis des Landesanglerverbandes. „Im Bereich Losenrade/Beuster, des Alands und auch in Schönberg waren einige Gewässerlagen unklar beziehungsweise in das vorhandene Kartenmaterial falsch eingetragen“, sagt Hoffmann. Während Terminen mit der Verbandsgemeinde Seehausen, mit Grundstückseigentümern und dem Landesanglerverband habe man die Fehler ausfindig machen können. Das Gewässerverzeichnis mit Steckbriefen unter anderem samt Angaben über die Fischarten, die Größe und den Pächter ist über die Internetseite des Landesanglerverbandes abrufbar. „Da hinkt Deutschland aber noch ziemlich hinterher, die Holländer sind da viel weiter“, so Hoffmann.

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Als Qualitätsmerkmal bezeichnet der Vereinsvorsitzende die Arbeit der fünf vom Landkreis Stendal bestätigten Fischereiaufseher. Darüber hinaus sei es dem Verein im vergangenen Jahr gelungen, 40 Vereinsmitglieder aus den Angelgruppen für die Arbeit als vereinsinterne Gewässeraufseher zu gewinnen.

Sondertruppe bei Fischsterben

Sie sollen die Vereinsgewässer vor Fischwilderei schützen und darauf achten, dass die Gewässerordnung eingehalten wird. Hoffmann wünscht sich, dass sich aus diesem Kreis heraus eine Sondertruppe Fischsterben bildet. Falls es etwa durch Niedrigwasser und Sauerstoffmangel zu Fischsterben kommt, müssen die Fische entnommen werden. „Da sollte es doch eine feste Gruppe geben“, so Hoffmann. Für Ende November war diesbezüglich bereits eine Schulungsveranstaltung anberaumt, sie musste allerdings aufgrund der Corona-Lage wieder abgesagt werden.

Zwei Aufreger

Zwei Aufreger im weitesten Sinne gab es 2020 noch: Im Bereich Steinfelde wurden zu Himmelfahrt und über Pfingsten das Elbufer und anliegende Koppeln zum illegalen Campingplatz umfunktioniert. Grundstückseigner dokumentierten die Kennzeichen. Danach handelte es sich ausnahmslos um Ortsfremde, nicht einmal Sachsen-Anhalter. Unter ihnen waren aber auch Angler, die ihre Fische- reierlaubnis über den Gewässerfonds bezogen hatten.

Und etwas Aufregung gab’s im Frühjahr auch an der Biese in Osterburg. Auf Antrag der Stadt wurde im Frühjahr der Wasserstand im Bereich des Flussbades wegen dort erforderlicher Arbeiten „auf ein bedenkliches Maß abgesenkt“.

Zehntes Jugendcamp fest im Blick

Dies wurde laut Hoffmann erforderlich, da die Stadt Osterburg diese jährlichen Arbeiten coronabedingt nicht fristgerecht durchführen konnte. „Es führte aber zu Irritationen bei den ortsansässigen Anglern“, so Hoffmann, der dieser Maßnahme als Pächter und in Abstimmung mit dem kreislichen Umweltamt und dem Landesamt für Hochwasserschutz und Wasserwirtschaft zustimmte. „Das würde ich auch wieder tun.“ Hoffmann spricht von einem Interessenausgleich mit der nicht-angelnden Bevölkerung. „Und uns entstand kein materieller Schaden, auch wurde kein Fischsterben festgestellt.“ Die Stadt Osterburg habe sich später gar für das Entgegenkommen des Vereins mit einer Zuwendung in Höhe von 400 Euro bedankt. „Dieser Betrag kam unserer Jugendarbeit zugute.“

Die Jugendarbeit liege dem Verein besonders am Herzen. So soll das Neukirchener Jugendanglercamp in diesem Jahr unbedingt wieder stattfinden. Es ist sogar ein besonderes: nämlich das zehnte!