Heiligenfelde l Es geht „nur noch“ um einen verwaltungstechnischen Akt. In Kürze werden die Ende August vom Veterinäramt des Landkreises Stendal in Heiligenfelde beschlagnahmten Tiere zur Vermittlung freigegeben. „Wir sitzen auf heißen Kohlen“, sagt Antonia Freist, Leiterin des Tierheims Stendals. Die Einrichtung hatte zwölf Hunde und eine Katze aufgenommen. Sie waren vernachlässigt, hatten zig Parasiten und wurden nun tierärztlich untersucht und gut aufgepäppelt. „Interesse an den Tieren ist auf jeden Fall da“, sagt und freut sich Antonia Freist.

Laut Landkreis soll die Übergangsphase so kurz wie möglich gehalten, sollen – nach verwaltungstechnischem Okay – so schnell wie möglich „geeignete Halter“ gefunden werden. „Bei dieser Veräußerung wird zum Einen auf die Halterfähigkeit geachtet, zum anderen werden mehrere Angebote eingeholt“, so Kreissprecherin Angela Vogel. Das Geld stehe dem vorherigen Halter zu, werde jedoch mit dem Aufwand für die Fortnahme, Unterbringung und tierärztliche Versorgung verrechnet.

Das Tierhalte- und Betreuungsverbot, das der ehemalige Halter seitens des Landkreises erteilt bekommt, werde „durch regelmäßige Kontrollen überwacht“. Falls der Heiligenfelder umzieht, informiere der Landkreis „nach Kenntniserhalt die Überwachungsbehörde des nächsten Wohnortes“. Dem Landkreis sei nicht bekannt, dass bereits ein Haltungs- und Betreuungsverbot (aus anderen Kommunen) vorliegt.

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Der ehemalige Halter der Tiere, der seit Sommer 2018 hier ansässig ist, hat laut Volksstimme-Informationen im Dorf nicht viel Kontakt. Nur Guten Tag und Guten Weg. Im Rahmen eines Ordnungswidrigkeitsverfahrens, das über das Veterinäramt liefe, könnten auf ihn laut Polizei bis zu 5000 Euro Bußgeld zukommen. Liegt allerdings der Anfangsverdacht einer Straftat vor und wird folglich ein Strafverfahren nach Tierschutzgesetz eröffnet, sei neben Geldstrafen auch ein Freiheitsentzug von bis zu drei Jahren möglich.

Das kümmert Fuchur und Flöckchen wenig. Die beiden Miezen wurden im Katzenhaus Osterburg, der Außenstelle des Tierheims Stendal, aus dem Bestand Heiligenfelde aufgenommen. Sie waren vor lauter Flöhen quasi schwarz. Nunmehr leuchten sie wieder schneeweiß, brauchen nur noch eine Impfung und dann geht‘s nach dem Okay seitens des Landkreises zu den neuen Haltern. Fuchur und Flöckchen sind nämlich bereits für Osterburger reserviert. „Sie haben die beiden auf Facebook gesehen und nehmen sie als Paar. Um so schöner“, sagt Sibylle Wellner, Stationsleiterin des Katzenhauses Osterburg.

Am 22. August war in Heiligenfelde seitens des Landkreises eine große Tierbeschlagnahmung eingeleitet worden. Mehr als 100 Tiere – Hunde, Pferde, Schweine, Katzen, Geflügel, Schafe, Ziegen – lebten unter „unhaltbaren, erheblich zierschutzwidrigen Zuständen“. In den Stallungen fand man verendete Tiere und Tierteile „in den verschiedensten Stadien der Verwesung“.

Der Tierhalter half teils dabei, die frei laufenden Tiere einzufangen. Er war für die Volksstimme vor Ort nicht erreichbar. Ein ihm via Postwurf in den – nicht beschrifteten Briefkasten – unterbreitetes Gesprächsangebot nahm er bis dato nicht wahr.