Seehausen l Mit den neuen Kontaktbeschränkungen im Rahmen der Corona-Pandemie und des zweiten Lockdowns ändert sich für die Kirchen nichts. Das ist schlecht, weil die Bewegungs- und Aktionsfreiheit der Gläubigen wie in den zurückliegenden Monaten weiter erheblich eingeschränkt bleibt, heißt aber auch, dass es jetzt nicht wie zu Beginn der Virusplage im Frühjahr ausgerechnet Ostern quasi zu Gottesdienst-Verboten kommt.

Trotzdem stehen die Gemeinden in diesen Tagen vor ungewohnten Herausforderungen. Während die Auferstehung Jesu Christi das wichtigste Fest der Christenheit ist, zieht die Geburt des Gottessohns zu Weihnachten deutlich mehr Menschen in die Kirchen. Neben praktizierenden Christen regelmäßig auch Leute, die mit Kirche sonst weniger am Hut haben, die einfach nur den besonders stimmungsvollen Moment an Heiligabend miterleben wollen.

Besucherströme entzerren

Der weihnachtliche Ansturm auf die Kirchen ist normalerweise kein Problem. Aber in Corona-Zeiten ist das anders. Deshalb arbeiten Altmut Riemann (Pfarrbereich Seehausen) und Christian Buro (Pfarrbereich Beuster) derzeit mit ihren Kirchengemeinden an Taktiken, die Weihnachtsandachten zulassen, das Geschehen aber so gestalten, dass die aktuellen Hygienebestimmungen eingehalten werden können. Was nichts anderes bedeutet, als traditionelle Konzerte abzusagen, bei den Andachten nicht zu singen, diese in 30 bis 40 Minuten über die „Bühne“ zu bringen und auf die Abstände zwischen den Kirchgängern zu achten. Letzteres heißt auch, dass nur ein Bruchteil der Gäste in die Kirchen kann, der in normalen Zeiten dort Platz hätte. Selbst, wenn Familienverbände zusammen sitzen dürfen, läge die Kapazität nur bei rund 25 Prozent der üblichen Zahlen. Wenn mehr Einzelplätze nötig sind, wird es noch weniger, schätzt Pfarrer Buro ein. Während sich das Zugangsprozedere in kleinen Dörfern, wo jeder jeden kennt, fast noch auf Zuruf regeln lässt, bringt seine Amtsschwester Almuth Riemann Eintrittskarten für die größeren Gotteshäuser ins Spiel, wobei sie mehr als nur die Seehäuser Petrikirche oder St. Johannis in Werben im Fokus hat. Bei der Idee geht es natürlich nicht ums Geld, sondern um das Organisieren von Sitzplätzen für die Christvespern. Eine andere Alternative wären Andachten im Freien, so wie es in einigen Dörfern in den vergangenen Wochen – beispielsweise zu Erntedank – gehandhabt wurde.

Heimische Musiker auf CD

Um das Geschehen zu entzerren und am 24. Dezember sozusagen einem Kirchen-Tourismus zu begegnen, wird der Beginn der Christvespern auf ein kleines Zeitfenster synchronisiert. Weil das den Aktionsradius der Pastoren einschränkt, sind die Kirchengemeinden ermuntert, eigene Vespern zu veranstalten. Beim Ablauf der Andachten wollen die Geistlichen zuarbeiten und den Gläubigen einen Leitfaden an die Hand geben. Zusätzlich gibt es die musikalische Begleitung auf CD, die heimische Sänger und Instrumentalisten einspielen. Details zur Organisation der Christvespern sollen rechtzeitig erfolgen, versichern die beiden Seelsorger.

Leitfäden für Andachten

Zudem bitten die Seelsorger Leute mit Erkältungssymptomen Zuhause zubleiben, dort zu beten und Fernseheangebote zu nutzen. Weil Weihnachten 2020 generell etwas ruhiger werden dürfte, erinnern die Geistlichen an den eigentlichen Sinn des Festes, bitten darum, die Adventszeit zur inneren Einkehr sowie zur Entspannung zu nutzen und nicht zu negativ zu denken. Frei nach dem Motto: Lieber ein Licht anzünden, als über die Dunkelheit klagen.