Seehausen l Die Hoffnung für das Waldbad Seehausen stirbt zuletzt. Und schon gar nicht, solange in der 82 Jahre alten Naherholungsstätte im Schillerhain noch ein Stein auf dem anderen liegt, um es mal drastisch auszudrücken.

Dafür, dass die in die Jahre gekommene Bausubstanz immer wieder eine Saison übersteht, dafür sorgen insbesondere die aktiven Mitglieder des Waldbadfördervereins um ihren Vorsitzenden Walter Fiedler, die für Reparaturen unermüdlich Spenden akquirieren und Sponsoren gewinnen oder selbst mit Hand anlegen, damit im Frühsommer der Badebetrieb wieder aufgenommen werden kann. So wie derzeit die „Rentnerbrigade“, die sich in diesem Jahr vor allem der Erneuerung des Planschbeckens widmet, aber auch im großen Schwimmbecken marode Stellen im Beton ausbessert. Am Ende ist es aber wieder „nur“ Flickschusterei mit großem Aufwand. Denn genau genommen sei alles sanierungsbedürftig, betonte Fiedler auch in der jüngsten Sitzung des Stadtrates, wo er die derzeitige Situation einmal mehr in Wort und Bild schilderte.

Ohne Finanzhilfe ist die Kommune überfordert

Das Gremium war am Donnerstag vor allem wegen des Waldbades im Rathaus zusammengekommen, weshalb wieder einmal die Hoffnung ins Spiel kommt. Die Kommunalpolitiker stellten nämlich einstimmig die Weichen, um den Weg für einen neuen Antrag auf Zuschüsse freizumachen. Ohne finanzielle Hilfe ist die Stadt angesichts klammer Kassen mit der millionenschweren Sanierung des Waldbades hoffnungslos überfordert.

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Das entsprechende Programm hatte Lisa Weigelt „ausgegraben“, die für die Verbandsgemeinde Seehausen im Rathaus als Wirtschaftsförderin immer die Augen nach passenden Zuschusstöpfen offen hält. Dieses Mal ist es eine Initiative des Bundesministeriums des Inneren, für Bau und Heimat, die Projekte mit „besonderer nationaler beziehungsweise internationaler Wahrnehmbarkeit, mit sehr hoher fachlicher Qualität, mit überdurchschnittlichem Investitionsvolumen oder mit hohem Innovationspotenzial“ nach vorne bringen soll.

Ob Seehausen in das Förderprofil passt, das eher nach Weltkulturerbe als nach Freibad klingt, bleibt abzuwarten. Zu viele Hoffnungen will sich Walter Fiedler denn auch noch nicht machen, zumal Seehausen schon 2018 in einem Bundesprogramm scheiterte, das sich speziell auch Sportstätten inklusive Schwimmbädern widmete. Unversucht wollen er und die anderen Räte um Bürgermeister Detlef Neumann die Chance trotzdem nicht vorübergehen lassen. Vielleicht geschehen ja doch noch Zeichen und Wunder, die Lohn für das lange Engagement des Vereins wären.

In jedem Fall mussten die Kommunalpolitiker schnell reagieren, weil die Projekt-Skizze (wobei mit Skizze keine Zeichnung, sondern ein Projektentwurf gemeint ist) für eine Vorauswahl bis Dienstag, 21. Januar, eingereicht sein muss. Voraussichtlich im April würde die Stadt erfahren, ob sie einen ausführlicheren Antrag einreichen darf oder ob sich alle Hoffnungen einmal mehr in Luft auflösen.

Sanierungspläne inklusive Sprungturm

Bei den Eckdaten zur geplanten Sanierung geht Lisa Weigelt von Kosten in Höhe von rund 1,5 Millionen Euro aus, wobei sie sich auf frühere Angaben stützt und vorsorglich schon einmal zehn Prozent wegen der allgemeinen Kostensteigerung im Bausektor aufgeschlagen hat. Das Projekt sieht vor, dass das Bad in seiner jetzigen Form erhalten bleibt, aber seinen Sprungturm wiederbekommen würde. Aber selbst, wenn das Waldbad-Projekt auf Wohlwollen in Berlin stoßen sollte, müssten sich Stadt und Verein weiter „lang“ machen, weil der Fördermittel-Wettbewerb seine Zeit braucht.