Seehausen l Seit vielen Jahren versuchen die Stadt und der Förderverein bislang vergeblich, einen passenden Zuschuss- topf für die dringend notwendige Sanierung des Waldbades Seehausen zu finden und damit eine Naherholungsstätte mit langer Tradition zu erhalten. Schreiben, Einladungen, Anträge. Nichts hat gefruchtet, kein Ministerium fühlt sich zuständig. Donnerstag lösten sich nun auch die (vorerst) letzten Hoffnungen auf das Bundesprogramm zur „Sanierung kommunaler Einrichtungen in den Bereichen Sport, Jugend und Kultur“ in Luft auf (wir berichteten gestern).

Der Haushaltsausschuss des Bundestages hat am Mittwoch die Förderung von 186 kommunalen Projekten mit vorerst rund 200 Millionen Euro beschlossen. 300 Millionen Euro sollen es am Ende werden. Das Waldbad befindet sich unter den gut 1100 Projekten, die nicht berücksichtigt wurden. „Mit den Investitionen können nicht nur Sportstätten, Jugend- und Kultureinrichtungen erhalten werden. Sie machen die Kommunen auch zu lebenswerteren Orten und tragen so zum gesellschaftlichen Zusammenhalt vor Ort bei“, heißt es in einer Mitteilung aus dem Bundesinnenministerium, in dem die Altmark offenbar keine große Lobby hat, wie ein Blick auf die Förderliste beweist, die inzwischen auf den Internetseiten der Bundesbehörde einzusehen ist.

Natürlich ist die Enttäuschung beim Seehäuser Bürgermeister Detlef Neumann groß, zumal die Absage nicht am Fördermittelzweck festzumachen ist. Denn in der Liste finden sich sehr wohl viele Freibäder wieder. Eben nur in dichter besiedelten Regionen Deutschlands. Wobei Neumann keineswegs gegen andere Projekte „schießen“ will, weil die sicher auch alle ihre Berechtigung hätten.

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Froh ist das Stadtoberhaupt darüber, dass der Förderverein die sprichwörtliche Flinte nicht ins Korn schmeißen, sondern in seinen Bemühungen fortfahren will, der sich nach einem erfolgreichen Spendenjahr 2018 in diesen Tagen besonders intensiv ins Zeug legen, um den Start in eine neue Saison möglich zu machen. Auf dass auch weiter Kinder und Jugendliche das Schwimmen vor Ort erlernen können.

Neumanns Stellvertreter und Fördervereinsvorsitzender Walter Fiedler fühlte sich in Anspielung auf das lange Antrags- und noch längere Auswahlverfahren am Donnerstagabend „wie Teil einer Fußballmannschaft, die in der 10. Minute der Verlängerung das entscheidende Gegentor kassiert“, tröstete sich gestern aber mit der Tatsache, dass Seehausen nur eine unter gut 1100 Kommunen ist, die leer ausgegangen sind.

Bitter stößt auch ihm indes auf, dass die großen Mühen des Fördervereins und das ehrenamtliche Engagement zum Erhalt des Naherholungszentrums keine Berücksichtigung bei den Entscheidungsträgern fanden. Trotzdem hofft er darauf, dass das Bad 2038 seinen 100. Geburtstag erlebt. Mit Blick auf die Arbeiten der vergangenen Wochen, betonte er, dass es die richtige Entscheidung war jetzt, so viel Mühe, Zeit und Geld in die Reparatur des Beckens zu stecken und nicht nur auf Zuschüsse zu setzen, sonst wäre das Waldbad in diesem Jahr geschlossen geblieben. Er hofft, dass auch die anderen Vereinsmitglieder nicht aufgeben. Die „Rentner-brigade“ will sich am Montag jedenfalls wieder zum nächsten Einsatz am beziehungsweise im Schwimmbecken treffen, ließ er gestern im Gespräch mit der Volksstimme wissen.

Der Verbandsgemeindebürgermeister teilte aus dem Urlaub mit, dass die Nichtberücksichtigung des Waldbades sehr frustrierend sei. „Offenbar ist das Gerede der großen Politik über Stärkung des ländlichen Raumes und gleichwertige Lebensbedingungen in Stadt und Land doch nur Schall und Rauch. Immer wenn es um die großen Interessen der Allgemeinheit geht (zum Beispiel bei Ausweisung von Schutzgebieten, Bau von großen Stromtrassen und so weiter), sind wir gut genug. Wenn unsere Kommunen dann mal Unterstützung brauchen, werden wir nicht berücksichtigt“, so Rüdiger Kloth, der sich nichtsdestotrotz für alle freut, die zum Zuge kamen und gespannt ist, ob im Land nördlich des Mittellandkanals von dem Geld etwas ankommt.