Seehausen l Knapp zehn Wochen sind seit dem großen Waldbrand bei Seehausen ins Land gegangen. Nach den ersten Bilanzen bei Kommunen und Feuerwehren hat auch die forstwirtschaftliche Aufarbeitung mit Unterstützung eines sogenannten Harvesters (Holzvollernter) begonnen. Rund 40 Hektar groß war das Waldbrandbekämpfungsgebiet zwischen den Bahngleisen und der alten B 189 südlich von Seehausen. Etwa 23 Hektar der betroffenen Fläche sind Wald. Der Kiefernbestand, der vor gut 50 Jahren vom staatlichen Forstwirtschaftsbetrieb angelegt wurde, ist zum größten Teil ein Totalschaden, für den es kaum eine andere Lösung als den Kahlschlag mit anschließender Wiederaufforstung gibt.

Viele kleine Parzellen

Die Grundstücksgrenzen, die zu DDR-Zeiten keine Rolle spielten, weil kaum ein Eigentümer über seinen Wald verfügen konnte, sind inzwischen der sprichwörtliche Pferdefuß. Die 23 Hektar bestehen aus rund 60 Flurstücken, die zwischen 800 Quadratmetern und zwei Hektar klein sind und fast ebenso vielen Eigentümern gehören, die alle unter einen Hut gebracht werden müssen, so Katja Döge, Leiterin des Betreuungsforstamtes „Nordöstliche Altmark“. Die Behörde koordinierte seinerzeit die Brandwache und jetzt auch die Aufräumarbeiten. Zumindest in Vertretung der Waldbauern, die in der Forst-Betriebs-Gemeinschaft (FBG) Priemern organisiert sind.

Für die FBG-Mitglieder geht das Prozedere, was den Papierkrieg und die Logistik vor Ort betrifft sogar vergleichsweise entspannt über die Bühne. Denn bei dem moderaten Hektarbeitrag und für eine kleine Gebühr beim Holzverkauf sind nicht nur Fachbetreuung, Waldarbeiten, Vermarktung oder Abrechnung, sondern auch Waldbrandversicherung inklusive. Die FBG-Mitglieder können inzwischen bereits sogar über ihre anteilmäßige Entschädigung verfügen.

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Letztere ist angesichts des aktuellen Schadens allerdings auch dringend nötig. Denn das Holz, das Christian Bramer mit seinem Harvester fällt, entastet, fraktioniert und sortiert ablegt, erzielt auf dem Markt nur einen Bruchteil des sonst üblichen Preises.

Das liegt in erster Linie am Überangebot durch die Herbststürme Ende des vergangenen Jahres, die auch in der Altmark noch nicht vollständig aufgearbeitet sind. Von dem Holz, das bereits auf Halde liegt ganz zu schweigen. Vor allem die Preise für Nadelholz, so Katja Döge, seien katastrophal eingebrochen.

Situation wird nicht besser

Außerdem nimmt die Industrie, die Späne weiter verarbeitet und für die die anfallenden Fraktion interessant wären, keine Stämme ab, die vom Feuer angegriffen wurden. Denn Ruß ist weder in Spanplatten noch im Zellstoff wirklich gern gesehen. Bleibt nur noch die thermische Verwertung, womit der Preis noch mehr in den Keller rutscht. Gleichwohl müsse man jetzt reagieren, im Frühjahr wächst der Druck wegen des zu erwartenden Pilz- und Schädlingsbefalls schnell weiter, so der zuständige Revierförster Thomas Schroeder. Er appelliert deshalb an alle Eigentümer, die bislang auf die Anschreiben des Forstamtes nicht reagiert haben, sich in dieser oder noch Anfang kommender Woche zu melden, so lange der Harvester vor Ort ist. Zumal die Eigentümer nicht nur wegen der Verkehrssicherheit an Gleisen und Straße in der Pflicht sind.

Im Übrigen gehe es nicht nur um die Beseitigung des Schadholzes, sondern auch um die Wiederaufforstung, die der Gesetzgeber zwingend vorschreibt und die unter dem Dach der Forst-Betriebs-Gemeinschaft einfacher und günstiger zu organisieren ist.