Landeszentrum Wald warnt

Waldbrandgefahr steigt – auch für Losser Baumbesetzer

Wenn es nicht flächendeckend regnet, wird in den kommenden Tagen für den Landkreis Stendal die Waldbrandgefahrenstufe 5 - die höchste, die es gibt - ausgerufen. Forstbehörde warnt vor einem unbeherrschbaren Szenario für den Forst bei Seehausen.

Von Ralf Franke
In Kürze könnte im Landkreis Stendal die Waldbrandgefahrenstufe 5 gelten. Dann wird es auch in Losse besonders brenzlig.
In Kürze könnte im Landkreis Stendal die Waldbrandgefahrenstufe 5 gelten. Dann wird es auch in Losse besonders brenzlig.  Symbolfoto: dpa

Losse - Bislang ohne greifbares Ergebnis appellierte der Landkreis Stendal an die Baumbesetzer im Losser Forst, ihren Protest zumindest an dieser Stelle auf- und den Privatwald wieder freizugeben. Der amtlichen Aufforderung am 6. Mai folgte am Sonntag im Rahmen des verwaltungsrechtlichen Verfahrens eine Allgemeinverfügung unter anderem über den Rückbau der Behausungen und das Räumen des Geländes. Dass die selbst ernannten Umweltaktivisten der Aufforderung bis zum Fristende am 18. Juni nachkommen, weil danach die Ersatzvornahme droht, ist indes fraglich. Das zeigen ähnliche Szenarien in Deutschland.

Zusätzliche Brisanz bekommt die Sache jetzt durch das anhaltend trockene Wetter. Wie zu Beginn der illegalen Aktion gegen den Autobahnbau im Allgemeinen und gegen die A 14 im Besonderen herrscht derzeit wieder die Waldbrandgefahrenstufe 4. Während zwischenzeitlich Regen für Entspannung sorgte, ist der Boden nach dem Niederschlagsdefizit der vergangenen Jahre aber erneut so weit ausgetrocknet, dass in den kommenden Tagen und höchstwahrscheinlich deutlich vor dem 18. Juni ohne flächendeckenden Regen die Stufe 5 ausgerufen werden muss. Das schätzte das Landeszentrum Wald jetzt auf Nachfrage der Osterburger Volksstimme ein.

Für die höchste Warnstufe sieht der Gesetzgeber praktisch ein Betretungsverbot des Waldes vor. Von Feuerstellen, Rauchen und sonst dergleichen ganz zu schweigen. Der Losser Kiefernwald, so die Fachbehörde, gelte nach den Stürmen und Dürren 2017 bis 2020 zu den besonders gefährdeten Forstflächen, auf denen Flammen leichtes Spiel hätten. Vereinzeltes Kronenholz und der Bewuchs des Waldbodens mit Drahtschmiele fördere die Waldbrandgefahr zusätzlich. Im Ernstfall würde nicht nur einer riesigen Waldfläche zwischen Seehausen und Osterburg (gut 2000 Hektar) große Gefahr drohen, den Campern könnte die Flucht vor einem plötzlichen und sich schnell ausbreitenden Feuer unmöglich sein, schlussfolgert man im Landeszentrum Wald.

Der Seehäuser Verbandsgemeindebürgermeister Rüdiger Kloth, seines Zeichens auch Chef der hiesigen Feuerwehren, hat vor sechs Wochen ähnlich argumentiert und gibt erneut zu bedenken, dass die Löschwasserversorgung an der Stelle kritisch wäre, weil der nächste Brunnen etwa zwei Kilometer entfernt und längst nicht mehr so ergiebig wie vor ein paar Jahren sei. Er erneuerte seine Kritik an der Leichtfertigkeit der Baumbesetzer, für die ehrenamtliche Rettungskräfte möglicherweise ihr Leben riskieren würden.

Und er monierte wiederholt, dass der Innenminister von Sachsen-Anhalt bislang die Kontaktaufnahme blockiere. Die Planungen für eine Bundesfernstraße hätten die Protestierer erst angelockt, deshalb könnten sich Land und Bund nicht so einfach aus der Sache raushalten.