Vielbaum l Nach einigen Verzögerungen werden in diesen Tagen die ersten schadhaften Abschnitte des Wilhelminenwegs in Vielbaum von einer Arend­seer Fachfirma ausgebessert. An mehren Stellen der rund 1,5 Kilometer langen Anliegerstraße hat sich die Fahrbahn derart abgesenkt, dass Handlungsbedarf bestand.

Rund 44 000 Euro haben die Mitglieder des Gemeinderates Aland um Bürgermeister Hans-Joachim Hildebrandt dafür in den Etat eingestellt. Eine ähnlich große Summe soll vermutlich im kommenden Jahr helfen, den zweiten Bauabschnitt in Richtung Dorfmitte instand zu setzen (wir berichteten).

Die Baumaßnahme sorgt nicht nur für Jubel. Denn als die ersten schadhaften Bitumenabschnitte entfernt waren und sich die Baggerschaufel in den Untergrund fraß, wurde offenkundig, wie sparsam die Straße damals gebaut wurde. Einer, der das neben den Bauleuten als erster entdeckte und Alarm schlug, war Guido Schibilski, der zwar nicht am Wilhelminenweg wohnt, dort aber vor einigen Jahren ein Grundstück erworben hat, um Haus und Hof für seine Tochter auf Vordermann zu bringen.

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Der gelernte Maurer moniert unter anderem, dass der Asphalt seinerzeit in nur einer Schicht und zu dünn aufgebracht worden sei. Noch schlimmer sei aber der Unterbau. Unter dem Bitumen folgen nur wenige Zentimeter Mineralgemisch. Dann kommt die alte Schlackeschicht und der Mutterboden. Da sei es kein Wunder, wenn die Straße nachgebe. Der Vielbaumer mutmaßt, dass die Firma oder die Bauverwaltung im Rathaus damals nicht korrekt gearbeitet hätten und befürchtet neue Anliegerbeiträge, wenn die Straße grundhaft ausgebaut würde, was sie nach seiner Meinung eigentlich auch müsste.

Bauamtsleiter Guido Mertens bestätigte zwar, dass die Straße kein Vorzeigestück heutiger Bau- und Planungskunst ist, kann nach einem Blick in die alten Unterlagen aber ausschließen, dass 1995 etwas nicht rechtens gelaufen sein soll. Denn der Gemeinderat Krüden-Vielbaum wollte seinerzeit offenbar für wenig Geld viel schaffen und gab exakt diesen minimalistischen Straßenaufbau auf der alten Schlackepiste aus tiefsten DDR-Zeiten sogar unter Beistand eines Planers in Auftrag. Damals flossen für 1,2 Kilometer rund 150 000 D-Mark – aus heutiger Sicht ein Schnäppchen.

Mertens räumt allerdings ein, dass damals noch niemand die schwere und breite Landtechnik von heute auf dem Schirm gehabt habe. Was sich später aber nicht nur in Vielbaum rächte. Deshalb ist der Wilhelminenweg inzwischen auf 15 Tonnen Gesamtgewicht beschränkt.

Dass auch an Schibilski als Neueigentümer noch spät ein Zahlungsbescheid versandt wurde, sei korrekt, weil die Bürger erst anteilmäßig zur Kasse gebeten werden dürfen, wenn die Gesamtmaßnahme als beendet gilt. Und das war erst nach 2010 mit den letzten 300 Metern bis zur Landesstraße der Fall, die übrigens tiefgründig gebaut worden seien.

Und wie geht es weiter? Die Reparatur wird wohl wie geplant fortgesetzt, wobei zumindest die Ausbesserung nach DIN erfolgt. Einen Neubau könne die Gemeinde aus eigener Kraft nicht stemmen, so Aland-Bürgermeister Hans-Joachim Hildebrandt, der noch nicht in Amt und Würden war, als der Wilhelminenweg befestigt wurde. Und falls doch ein Neubau geplant würde, wäre fraglich, ob die Anlieger das wollen beziehungsweise ob alle Vielbaumer das wollen, weil die neue Straßenausbaubeitragssatzung inzwischen auf wiederkehrende Zahlungen setzt. Heißt: Alle Grundstückseigentümer des Abrechnungsgebietes werden anteilig zur Kasse gebeten, wenn in den Straßenbau abseits der üblichen Unterhaltung investiert wird. Bei Unterhaltungsmaßnahmen so wie jetzt am Wilhelminenweg trägt die Kommune die Kosten zu 100 Prozent.

Um die Dimensionen zu verdeutlichen, was heutzutage ein ländlicher Weg kostet: Die Straße Schönberg/Deich wird derzeit auf einer Länge von rund 2,1 Kilometern mit Unterbau, Bitumentrag- und -verschleißschicht gebaut. Kosten: rund 1,1 Millionen Euro.

365 Euro war der höchste Beitrag, den Anlieger des Wilhelminenweges zahlen mussten – nach heutigen Verhältnissen eher ein Taschengeld.