Osterburg l Hatte die Wohnungsgenossenschaft in der ersten Jahreshälfte 2019 noch mit wachsendem Leerstand zu kämpfen, gestalteten sich die Monate danach für den Vermieter stabiler. Der Leerstand habe sich seit rund einem Jahr bei einem Wert zwischen 12 und 13 Prozent eingependelt, zogen die Vorstände Wolfhard Schulz und Lars Seibicke Bilanz. Von den 673 Wohnungen, die die Genossenschaft in Osterburg und Goldbeck verwaltet, seien derzeit 87 Wohnungen ungenutzt. Die allermeisten von ihnen befinden sich im Altneubaugebiet sowie im Quartier An der Golle. Allerdings machen Seibicke und Schulz zwischen beiden Gebieten Unterschiede aus. „Denn das Altneubaugebiet ist gut ausgelastet“, begründet Seibicke und verweist darauf, dass dort von insgesamt 352 Genossenschafts-Wohnungen lediglich 30 (Leerstandsquote 8,5 Prozent) unbewohnt sind. Im Wohngebiet An der Golle ist die Leerstandsquote mit 19,4 Prozent (288 Wohnungen insgesamt, darunter 56 ungenutzt) deutlich höher. Doch auch im Quartier An der Golle gibt es Lichtblicke. 2013 investierte die Genossenschaft 700 000 Euro, um fünf Hauseingänge der beiden Blöcke Karl-Marx-Straße 26-29 sowie 30-34 mit Aufzügen auszustatten. Die Überlegung, ältere Einwohner mit diesem Angebot länger in Wohnungen in den oberen Etagen zu halten, „ist schon ein Stück weit aufgegangen“, sagt Wolfhard Schulz. Aktuell stünden in den genannten fünf Hauseingängen lediglich vier Wohnungen leer, begründet er. Dennoch plant die Genossenschaft vorerst keine neuen Fahrstuhl-Projekte. Ein weiterer Rückbau von Wohnungen sei aktuell ebenso wenig vorgesehen, „wobei diese Frage immer wieder auf den Prüfstand kommt“, machen Schulz und Seibicke mit Verweis auf den noch immer fortschreitenden Bevölkerungsverlust der Biesestadt deutlich.

Abgesehen von laufenden Modernisierungen und Instandhaltungen hat die Genossenschaft derzeit auch keine größeren Investitionen in den eigenen Bestand auf dem Zettel. Stattdessen genießen die seit 2006 stabilen Mietpreise sowie der Abbau der Altschulden Prio­rität. Obgleich in den vergangenen Jahren beträchtliche Summen getilgt wurden, ist nach Angaben der Vorstände immer noch ein Betrag im mittleren einstelligen Millionenbereich zurückzuzahlen.

Dass die Kommune im Altneubaugebiet Gehwege reparieren möchte und im Zusammenspiel mit den Pfeifferschen Stiftungen ein Quartiermanager-Projekt ins Leben ruft, freut Schulz und Seibicke. Wirklich einbezogen in die kommunalen Initiativen fühlen sich die Genossenschafts-Vorstände aber nicht. „Wir wünschen uns einen regeren Austausch mit der Stadt“, machen sie deutlich.