Osterburg l Zehn Konzerte in elf Wochen – das gab es für die Bewohner des Pflegeheims in Osterburg noch nie! Am Pfingstmontag stimmte Kantor Friedemann Lessing zum vorläufig letzten Mal auf dem Hof der Einrichtung das Familien-Quartett an. Und Pfarrer Gordon Sethge hielt nach dreimonatiger Pause in diesem Rahmen seine erste Andacht vor den Bewohnern.

Doch von vorn. „Ein frohes Pfingstfest“, begann Friedemann Lessing. „Es heißt: Alles hat seine Zeit. Jetzt geht das Lernen wieder los, das Quartett verabschiedet sich, aber den heutigen Tag wollen wir noch einmal krönen.“ Dass die Kinder Magdalena (24) und Jakob (23) coronabedingt nach Hause kamen, hatte sein Gutes. Das Quartett begeisterte regelmäßig mit verschiedenen Gästen, Frühlingsmelodien, Volksliedern und Chorälen. „Das sind meine Enkel“, sagte Elga Kießling stolz.

„Ich bin seit anderthalb Jahren beim Kinderzirkus Sanro in Radebeul mit meiner Jonglage. Sie haben sich entschieden, langsam wieder zu beginnen“, erzählte Jakob Lessing. Sein Studienort ist Dresden. „Die Prüfungen kann ich online machen.“ Für Magdalena ging das Semester in Hannover erst später los. Prüfungen stehen Ende Juli auf dem Plan. In Osterburg vergaßen die Geschwister noch einmal die Zeit, sehr zur Freude ihrer Fans. Gudrun Machui gehört dazu, aber auch Lore Reinhold, Christa Muhl, Ekkehard Groskopf und Edith Hinze.

Die Kraft der Musik und des Glaubens hatte über die Entbehrungen hinweggeholfen, alte Gebete geben Kraft, betonte Pfarrer Gordon Sethge und schaute auf die Geschichte des Pfingsttages zurück: Alle waren versammelt, ein Rauschen wie von starkem Wind, dann fühlten sich alle vom heiligen Geist erfüllt. Ein chaotisches Fest sei Pfingsten. Niemand wusste, was geschehen würde, als die Jünger kamen. Auch die Ausgangssperren und Einschränkungen sprächen für „eine verrückte Zeit, aber wir hoffen auf einen Neuanfang und nähern uns wieder der Normalität“. Tags zuvor hatte der evangelische Pfarrer den ersten „normalen“ Gottesdienst in St. Nicolai gehalten. Ohne Gesang. Mundschutz und Namenslisten waren Pflicht, dennoch zog es gut 50 Christen in das Gotteshaus. „Bei vielen spürte ich Erleichterung. Endlich wieder Kirche, sagten sie“, erzählte Sethge. Er hatte außerdem an die Konfirmanden erinnert, die nun ein Jahr auf ihren großen Tag warten müssen, aber von ihm Pfingstpost bekamen.

Jede Woche ein neues Programm für die Pflegeheimbewohner vorzubereiten, das war schon eine Herausforderung, gesteht Isolde Lessing. Beides, die nun wieder beginnenden Gottesdienste und dies, gehe nicht. „Sie haben‘s gern gehört, und wir haben‘s gern gemacht“, sagte der Kantor abschließend. Der Applaus gab ihm Recht. Nach Sekt, Kaffee, Schokolade und Dankesworten im Überschwang stand fest: „Vor dem Sommer wollen wir noch einmal wiederkommen.“