Osterburg l 1957 und damit mitten in den tiefsten Zeiten der DDR reihte sich eine Alkovengruppe aus dem Calberwischer Schloss und dem Besitz der Familie von Jagow in die Riege der Exponate des Osterburger Museums ein. Nach der politischen Wende im Jahr 1989 wurde das hölzerne Kunstensemble rechtmäßig an seinen früheren Eigentümer rückübertragen. Da sich damals, ab 1994, ein auf 20 Jahre befristetes sogenanntes Nießbrauchsrecht anschloss, dass die weitere Zurschaustellung der nunmehr wieder in Privatbesitz befindlichen Arbeit ermöglichte, änderte sich für das Osterburger Museum erst einmal nichts. 2014 aber lief das sogenannte Nießbrauchsrecht ab. Und die Erbengemeinschaft, in deren Eigentum sich die Alkovengruppe befindet, äußerte Verkaufsabsichten. Damit droht ein Kunstwerk der Region verloren zu gehen, das nach Einschätzung von Fachleuten einen großen kulturhistorischen Wert besitzt. Kreismuseumschef Frank Hoche, der den Alkoven mit Blick auf die Altmark und darüber hin­aus den gesamten früheren kurbrandenburgischen Raum für einmalig hält, schlug mit der Hoffnung auf Unterstützung den Weg zum Osterburger Rathaus ein. Dort stieß der Museumschef auf die sprichwörtlich offenen Ohren. „Ich halte es für wichtig, die Geschichte unserer Heimat zu bewahren. Zeitzeugnisse wie dieser Alkoven dürfen der Region und der Öffentlichkeit nicht verloren gehen“, begründete Bürgermeister Nico Schulz (Freie Wähler) die offensichtliche Bereitschaft der Kommune, die Holzarbeit von ihrem Eigentümer zu erwerben. Dabei setzt man im Osterburger Rathaus auch auf Unterstützung aus der Ostdeutschen Sparkassenstiftung. Die erhofften 10000 Euro aus der Stiftung würde die Einheitsgemeinde um weitere 5000 Euro aus der eigenen Geldbörse aufstocken. Damit hätte man den Kaufpreis zusammen, um das Zeitzeugnis zu erwerben. Nach dem Kauf soll die Alkovengruppe als Dauerleihgabe der Einheitsgemeinde im Osterburge Kreismuseum verbleiben.

Nach Informationen von Frank Hoche wurde die Alkovengruppe im Jahr 1690 vermutlich von einem Bildhauer im thüringischen Altenburg gefertigt. Sie zierte ursprünglich den Eingang zu einem herrschaftlichen Schlafzimmer im Schloss Calberwisch. Das aus Holz bestehende Ensemble, zu dem zwei Frauenfiguren sowie die Wappen derer von Jagow und der Edlen Gänse zu Putlitz tragende Engel gehören, blieb aber nicht dauerhaft an diesem Standort. Mit dem Neubau des Calberwischer Gutshauses im Jahr 1875 sei die Alkovengruppe zu einer Kamineinfassung umgebaut worden. Das blieb sie, bis sie 1957 im Osterburger Museum eine neue „Heimat“ fand.

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