Hilmsen l Seit mehr als zehn Jahren beschäftigt sich die „Texas atomic iron commission“, ein Zusammenschluss von Künstlern, mit den Eisenguss. In den Vereinten Staaten kommt die Werbung für diese alte Technik gut an. „Wir dachten, dass wir dies auch einmal in Europa vorstellen könnten“, sagt Greg Reuter, Kunstprofessor an der Texas A&M University Corpus Christi und Mitglied der speziellen Kommission.

Die Wahl fiel auf das altmärkische Dorf Hilmsen. Denn hier ist Hans Molzberger zu Hause. „Wir haben uns in Houston kennengelernt, als ich dort ausstellte“, erzählt der Deutsche, der an der Houston Baptist University im US-Bundesstaat Texas lehrt. Der Kontakt sei geblieben.

Arbeitsbedingungen im Atelierhaus gelobt

Nun ist Greg Reuter, der sich mit Skulpturen sowie Bildhauerei beschäftigt und dazu den Eisenguss als ein Medium nutzt, zum ersten Mal in Deutschland und auch in der Altmark. „Es ist ein schönes Land hier. Alles ist so sauber“, schwärmt der 66-Jährige. Man sehe den Dörfern an, dass sie schon lange bestehen. In Amerika gebe es höchstens 200 Jahre alte Gebäude. „Für mich ist es ein Privileg, hier sein zu dürfen“, fügt Greg Reuter hinzu, der die Arbeitsbedingungen im Atelierhaus Hilmsen in höchsten Tönen lobt.

Spezielle Kohle auf Autohof umgeladen

Am Aufbau des Eisengussofens wird derzeit gearbeitet. Heimische Firmen würden das Vorhaben gut unterstützen, bedankt sich Hans Molzberger. „Ein besonderes Abenteuer war es, an die spezielle Hochofenkohle heranzukommen“, erzählt er. Diese sei in Cottbus geordert worden. „Auf einem Autohof in Theeßen nahe Magdeburg haben wir die beiden Big-Packs auf einen Autohänger umgeladen, damit wir die Kohle in die Altmark bekommen. Eine andere Möglichkeit gab es nicht“, berichtet der Künstler.

Beim Aufbau des Eisengussofens helfen nicht nur die beiden mit, sondern auch Studenten von Greg Reuter, die dieser mit nach Deutschland gebracht hat. Zudem wird noch Kurt Dyrhaug anreisen, der an der Lamar University Beaumont (Texas) lehrt und eines der Gründungsmitglieder der besonderen Kommission ist. Dieser werde auch den Kurs leiten, sagt Hans Molzberger.

„Der Ofen, den wir hier aufbauen, beruht auf der Erfahrung von mehreren Generationen von Eisengusskünstlern. Es ist ein sehr gut funktionierendes System“, beschreibt der Hilmsener. Alte Heizkörper würden eingeschmolzen, um das flüssige Material zu gewinnen, mit dem vorbereitete Formen voll ausgegossen werden, blickt er voraus. „Ich durfte in Corpus Christi an solch einem Gusstag teilnehmen. Das hat mich sehr fasziniert“, sagt er.

Eisen schmilzt bei 1538 Grad Celsius

Bei einer Temperatur von 1538 Grad Celsius schmelze Eisen. Deshalb werde der Ofen auch unter freiem Himmel aufgebaut. „Unterm Dach wird es schnell zu warm“, fügt er hinzu. Damit möglichst viele Menschen erleben, wie einst die Vorfahren gearbeitet haben (seit dem Eisenzeitalter ist diese Technik bereits bekannt), gibt es am Sonntag, 9. August, ab 15 Uhr im Atelierhaus Hilmsen die erste Eisengussveranstaltung der „Texas atomic iron commission“ in Deutschland. „Wir werden mehrere Güsse machen, damit die Besucher möglichst alles genau beobachten können“, blickt Hans Molzberger voraus, der ebenfalls Mitglied der Eisenguss-Kommission ist. Die entstandenen Kunstwerke müssten anschließend abkühlen, bevor sie aus den Formen befreit werden können.

Einige der Arbeiten werden übrigens am Mittwoch, 12. August, ab 19 Uhr im Salzwedeler Kunsthaus zu sehen sein. Dort werden die Amerikaner ihre Werke zeigen, die sich in Deutschland geschaffen haben. Nicht nur Eisenguss-Kunst wird zu sehen sein, sondern auch Keramik, Siebdruck und mehr, macht der Hilmsener auf den Besuch neugierig.