Salzwedel l Mit dem Ende der Sommerferien am Donnerstag hat für die Comeniusschule und die Lessingschule ein neues Kapitel begonnen. Die beiden Lehranstalten sind nun offiziell Gemeinschaftsschulen. Hinter dem Begriff verbirgt sich das Konzept, die Entscheidung über die weitere Schullaufbahn nicht direkt nach dem Ende der Grundschule fällen zu müssen, sondern länger gemeinsam zu lernen. Von der Neuerung profitieren ab sofort die Fünftklässler der beiden Schulen. 48 sind es an der Comeniusschule, 50 an der Lindenallee. Sie werden in jeweils zwei Klassen unterrichtet werden. Die Veränderung schlägt sich auch im Namen nieder. Deshalb hängen seit gestern auch neue Namensschilder an den Eingangstüren. „Es müssen alle Komponenten enthalten sein. Deswegen sind wir nun die Lessing-Ganztags-Gemeinschaftsschule“, sagt Schulleiterin Heike Herrmann.

Inhaltlich kommt das Konzept der Gemeinschaftsschule dabei jenen Schülern zu Gute, bei denen nach der 4. Klasse noch Unsicherheit in Hinblick auf den späteren Schulabschluss besteht. „Die Gemeinschaftsschule bietet die Möglichkeit, sich nicht zu früh auf einen bestimmten Abschluss festzulegen“, erklärt Schulrat Jürgen Kebernik. Vielmehr könne zwischen der 5. und der 8. Klasse entschieden werden, welcher Bildungsweg eingeschlagen wird.

Die Gemeinschaftsschule sei deshalb eine Alternative zum Gymnasium, ohne dieses ersetzen zu wollen. „Ich denke, dass es sich um einen sehr sinnvollen Ansatz handelt. Die Durchlässigkeit wird erhöht und die Möglichkeiten individueller Förderungen sind sehr groß“, sagt Heike Herrmann.

Ideal nach der 8. Klasse

Entscheidet sich ein Schüler dafür, das Abitur abzulegen, erfolgt der Wechsel aufs Gymnasium idealerweise nach dem Ende der 8. Klasse. „Es ist aber auch möglich, früher oder später zu wechseln“, betont Norbert Hundt, Direktor der Comeniusschule. Eine enge Abstimmung auch mit dem Jahngymnasium sei daher unerlässlich. „Der Austausch funktioniert sehr gut, die Kooperation klappt. Es gibt zum Beispiel die gemeinsamen Fachbereichskonferenzen“, erklärt Norbert Hundt.

Den Weg hin zu dieser speziellen Schulform hatte der Landtag im Jahre 2012 frei gemacht. Nachdem auch der Kreistag sein Okay gegeben hatte, begannen die beiden Salzwedeler Schulen vor zwei Jahren damit, sich ernsthaft mit der Umsetzung des Konzepts zu beschäftigen.

In der Ausgestaltung hatten sie dabei relativ freie Hand. „Das Kultusministerium hat den Rahmen vorgegeben, gefüllt haben ihn jedoch die Verantwortlichen Personen vor Ort“, erläutert Heiko Hübner, der im Kultusministerium als Referent für Gemeinschaftsschulen zuständig ist.

Kollegium hat mitgezogen

„Nach der Ganztagsbetreuung ist das ein weiterer Mosaikstein für ein vielfältiges Bildungsangebot in der Stadt. Es war wichtig, dass das Kollegium mitgezogen hat“, sagt Hundt. Im Falle der Lessingschule hatte der im Januar in den Ruhestand gegangene Schulleiter Holger Lahne das Konzept erarbeitet. „Wir haben uns ein bisschen ins gemachte Nest gesetzt. Herr Lahne und Frau Meine haben wirklich einen sehr schlüssigen Plan hinterlassen“, lobt Heike Herrmann die beiden Vorgänger. So würden auch die Fünftklässler in Zukunft je zwei Stunden in der Woche für das sogenannte freie Lernen zur Verfügung haben, um eigenverantwortlich an ihren Stärken und Schwächen zu arbeiten.

Trotzdem weiß Heike Herrmann, dass der richtige Praxistest der Gemeinschaftsschule erst noch bevorsteht. Veränderungen schließt sie nicht aus: „Es ist ein dynamischer Prozess, der mit Sicherheit noch nicht vollständig abgeschlossen ist.“