Salzwedel l Kathrin Spielvogel ist Schauspielerin, bekannt aus verschiedenen Fernsehserien. 2006 erkrankte die damals 34-Jährige an Brustkrebs. Sie besiegte die Krankheit und hält seit 2011 Vorträge zu verschiedenen Themen über den Umgang mit Krebs. Ihr lockerer und erfrischender Beitrag zu einer sehr sensiblen Angelegenheit war Höhepunkt des Patiententages im großen Konferenzraum des Salzwedeler Krankenhauses. „Sinnlichkeit nach Krebs – Tabuthema und Aufklärung“ hatte sie ihr Referat genannt. Es beschäftigte sich mit der Sexualität während und nach der Therapie. Ihre Ausführungen richteten sich besonders an Brustkrebspatientinnen, aber auch alle anderen von der Krankheit Betroffenen.

Attraktivitätsverlust

Ein Eingriff an der Brust, ob sie ganz oder teilweise entfernt werden muss oder nur eine OP-Narbe zurückbleibt, sei für die meisten Frauen ein tiefgreifender Einschnitt. „Sie sehen darin einen Attraktivitätsverlust“, sagte sie. Und es käme den Frauen so vor, als hätten sie ihre Weiblichkeit im OP-Saal liegen lassen. Dabei hätten die wenigsten Partner damit ein Problem. „Sie freuen sich, dass ihre Partnerin wieder gesund ist, ob nun mit oder ohne Brust“, hat die Schauspielerin erfahren. Deshalb sollten Frauen sich sagen: „Ich bin schön, so wie ich bin.“ Wichtig sei, seinen Körper so anzunehmen, wie er ist. Es sei nun einmal nicht zu ändern und eine OP nicht rückgängig zu machen. Die Schauspielerin empfahl, mit dem Partner über die sexuellen Bedürfnisse zu sprechen. „Kommen Sie mit sich, ihrem Körper und ihrem Partner ins Gespräch“, riet Spielvogel. Leicht könnten sonst Missverständnisse entstehen. Der Mann will seiner Frau nach OP und Therapie Zeit und Raum lassen. Sie hingegen denkt, dass er sie nicht mehr begehrenswert findet.

Die Schauspielerin gab noch viele Tipps, wie Frauen nach Brustkrebs zu ihrer Sinnlichkeit und zu einer entspannten Sexualität zurückfinden.

Bilder

Spielvogel lobte das Organisatorenteam um Brustkrankenschwester Catrin Michelfeit. Nicht viele Kliniken und Brustzentren würden sich derartig ins Zeug legen. Der Aufwand der Vorbereitung und Organisation hatte sich gelohnt. „Ich bin super zufrieden, alles ist gut verlaufen“, sagte die Brustschwester. Rund 60 Gäste hatten das Angebot zur Information angenommen. Und es gab viel Interessantes zu hören. So referierte Prof. Dr. Josef Beuth von der Universität Köln über Alternativmedizin. Sein Vortrag lautete „Komplemen-tärmedizinische Verfahren bei Krebs – was ist wissenschaftlich erwiesen“. Unter anderem ging er darauf ein, was der Lebensstil ausmache. „Was ist wichtig im Leben? Wie bewusst leben die Menschen?“

Psychoonkologin Bianca Tonn berichtete den Zuhörern, dass die Psyche keinen Einfluss darauf hat, dass ein Mensch Krebs bekommt, wohl aber darauf, wie er die Erkrankung verarbeitet und welche Lebensqualität er erzielt. Ein Patentrezept, wie die Psyche mit der Diagnose und dem Verlauf klar kommt, gebe es nicht. „Da entwickelt jeder seine eigenen Bewältigungsstrategien“, erklärte sie. Der eine ist aktiv, offen, will viele Informationen. Der andere möchte gar nichts wissen und zieht sich zurück. Wenn die Seele daran zu zerbrechen droht, kann die Psychoonkologin helfen.

Viele Angebote

Ringsherum gab es jede Menge Info-Material und Angebote. So stellte sich unter anderem die Selbsthilfegruppe Sonnenschein vor. Bei leckeren Mittags- und Nachmittagssnacks aus der Krankenhausküche gab es Zeit für Gespräche, auch mit den Referenten. „Wir haben die Menschen heute in eine sinnliche Weihnachtszeit entlassen“, sagte Kathrin Spielvogel mit einem Schmunzeln.