Salzwedel l „Als Kind und Jugendlicher las ich begeistert Tiergeschichten und interessierte mich für Pflanzen. Daher wollte ich später eigentlich etwas mit Tieren machen“, erzählt Lummitsch, während er mit seiner Streifenkollegin Katy Lösche, Revierleiter Sebastian Heutig und Polizeioberkommissar Gerd Schönfeld zum letzten Mal mit einem wachsamen Auge durch die Straßen der Hansestadt schlendert. Er ist mit Tieren groß geworden, hatte in den vergangenen Jahren im Schichtsystem der Polizei keine Zeit für eigene. Seinen Abschied vom langjährigen Polizeidienst sieht er mit einem weinenden und einem lachenden Auge: „Es ist schon ein wenig traurig, aber es gibt noch genug anderes zu tun“, erzählt Lummitsch. Er will sich fortan um Haus, Garten und seine zwei Enkel kümmern. Vielleicht auch um Tiere.

Rückblick auf die Dienstzeit

Am Mittwochvormittag bestritt der 59-jährige Polizeiobermeister seinen letzten Streifendienst. „43 Jahre meines Lebens habe ich gearbeitet“, sagt der gebürtige Mecklenburger. Nach einer Lehre bei Erdöl-Erdgas in Stendal arbeitete er in einem Forstbetrieb. 1975 heiratete er und wurde Vater. Vier Jahre später zum Wehrdienst eingezogen, kam er erst im Juni 1985 zum Polizeidienst. „Damals, vor der Wende, war ich beim Gruppenposten Diesdorf/Dähre aktiv“, erklärt er. Die Wendezeit war für ihn, wie für viele andere auch, eine Zeit des persönlichen Umbruchs. „Man wusste ja nicht, wie es beruflich weitergeht“, ergänzt Polizeioberkommisar Gerd Schönfeld. Siegfried Lummitsch wurde 1991 verbeamtet und war zunächst als Polizist in Diesdorf tätig, zog aber dann 2003 nach Salzwedel. „Hier war ich bis letztes Jahr im Streifendienst unterwegs“, sagt er.

Während er im gemäßigten Gang durch die Burgstraße schlendert, erzählt er ein wenig über die Tücken und Gefahren eines Polizisten. „Man weiß eben nie, was einen erwartet, wenn man zu einem Unfall gerufen wird. Und selbst einfache Polizeikontrollen können schnell gefährlich werden“. Seinen Beruf liebt er trotzdem, denn im steten Kontakt mit den Bürgern wurde er ein bekanntes Gesicht. Das kann seit September 2014 auch seine jüngere Kollegin Polizeiobermeisterin Katy Lösche bestätigen. „Viele erkennen ihn, wenn wir Streife laufen. Zudem ist er ein toller Kollege. Wir ergänzen uns. Ich laufe zu schnell und er läuft zu langsam“, sagt sie lachend.

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Seit September 2014 sind die beiden zwei von insgesamt 12 Reegionalbereichsbeamten im Kreis. Die Polizei „zum Anfassen“ läuft und fährt Streife, hält Kontakt zu den Bürgern und dient als Ansprechpartner für alle Belange. „Vormittags sind wir in Salzwedel unterwegs und nachmittags in den 49 Dörfern. An manchen Tagen war ich gute zwölf Kilometer zu Fuß unterwegs“, so Lummitsch.

In den nächsten Tagen wird er seinen Platz im Revier räumen. „Es wird schwer, so einen erfahrenen Beamten zu ersetzen“, sagt Revierleiter Sebastian Heutig und appelliert an den Nachwuchs.