Salzwedel l Die Räumlichkeit des „eXchange“ in der Altperverstraße 7 öffnet montags bis freitags ab 15 Uhr ihre Pforte. Zu dieser Zeit ist noch niemand da. Die gespendeten Möbel im Raum vermitteln eine warmherzige Atmosphäre.

Auf einem großen Tisch liegt ein Wörterbuch arabisch-deutsch. Zwei gemütliche Sitzecken mit Sofas laden zum Verweilen ein. Klar, sie sind gebraucht. Aber das beeinträchtigt keineswegs ihre Funktionalität. Im hinteren Teil des Raumes hängen gespendete Jacken. Die Kleidung ist benutzt, die Nachfrage ist aber trotzdem groß.

Ein integratives Vorhaben

Auf dem weichen Sofa sitzen Sozialpädagogin Ulrike Grund und Handwerker Peter Desoi. Die Beiden arbeiten neben 10 bis 13 weiteren Ehrenamtlichen im neu gegründeten Verein „eXchange“ – zu deutsch: Austausch. „Es ist ein ungezwungener Ort zum Kennenlernen, Kontakte knüpfen und um sich bei bürokratischen Hürden zu helfen und helfen zu lassen“, sagt Grund. Darüber hinaus seien ein freier Sprachkurs und spezielle Abende in Planung, an denen Traditionelles und Kulturelles vermittelt werden könne. Die Nachfrage nach einem Tag nur für Frauen sei zum Beispiel begehrt, erzählt Grund.

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Eine halbe Stunde später kommen immer mehr Menschen, reichen Desoi die Hand, grüßen ihn herzlich. Sie scheinen vertraut. Auch der 43-jährige Ali Koshi schaut vorbei. Er braucht eine Telefonnummer für ein Gespräch mit Ämtern. Eine schwere Aufgabe ohne ausreichende deutsche Sprachkenntnisse und Internetanschluss. „Wir gehen mit den Menschen Amtswege und helfen direkt vor Ort, zum Beispiel Anträge zu stellen oder ein Konto zu eröffnen“, sagt Peter Desoi.

Gegenseitig Hilfe leisten

Ein junger Mitarbeiter möchte einen Zettel an die Tür hängen, der den „Frauen-Nachmittag“ ankündigt. Ali liest den gedruckten arabischen Satz und weist freundlich daraufhin, dass die Übersetzung nicht treffend ist und es deshalb zu Missverständnissen kommen könne. Doch Missverständnisse, die zwischen fremden Kulturen wie schwere Wolken hängen und die Menschen nicht zusammenführen, möchte hier niemand.

Unter Anderem um diese auszuräumen wurde der Verein gegründet. „Die ursprüngliche Idee war es, einen Ort zu schaffen, an dem Flüchtlinge und Bürger sich treffen können“, sagt Ulrike Grund. Und der wurde in der Altperverstraße gefunden. „Ich habe dieses Gebäude als gute Möglichkeit gesehen. Uns wurde im Sinne der Gemeinnützigkeit des zukünftigen Projektes eine gute Kondition dafür angeboten. Seit drei Monaten ist der Raum nun angemietet“, sagte Desoi.

Spendenbereitschaft ist groß

Am 21. August wurde der Verein offiziell gegründet. Ziel war auch, finanzielle Unterstützung für Personals zu bekommen. Entsprechende Anträge seien bislang aber abgelehnt worden, wie Desoi anmerkt. Der Verein ist deshalb vorerst auf Spenden angewiesen. So hat die IG Metall dem neuen Verein 1000 Euro übergeben und kleinere Beträge von Bürgern seien auch bereits eingegangen. „Bis zum Ende des Jahres können wir definitiv laufende Kosten decken“, sagte Desoi. Wie es dann weitergeht, wird sich zeigen. „Bisher konnten wir aber einiges in den Räumen realisieren. Am Gefragtesten ist Kleidung“, erklärt Desoi.

Der 25-jährige Syrer Manar Kharboutli aus Damaskus ist seit einem Monat in Salzwedel. „Das ist eine großartige Idee. Ich bin für die Hilfe von Peter und seinen Kollegen sehr dankbar“, sagt er auf englisch. Er wirkt aufgeschlossen. Neugierig möchte er wissen, was Volksstimme heißt. Ali Khoshi steigt mit ein. Man kommt ins Gespräch. Auch weil die Atmosphäre stimmt, das Sich-Wohlfühlen in den gebrauchten, aber weichen Sofas leicht fällt – eXchange, ein Ort der Begegnung.