Salzwedel l Es kommt vermutlich nicht oft vor, dass in der Marienkirche in Salzwedel erwachsene Menschen auf den Boden trampeln, pfeifen, klatschen oder mit Bravo-Rufen für gehörigen Krach sorgen. Dass es soweit kommen musste, daran hatte das sieben Köpfe zählende Ensemble Music Project Altmark West Schuld. Es präsentierte den mehr als 100 Besuchern am Sonntag ein beeindruckendes Konzert, das unter dem Oberbegriff „The Seasons of his Mercies“ stand.

Alles andere als leichte Kost

Besonders im ersten Teil des mehr als eineinhalbstündigen Programms verlangten die Musiker sich und ihrem Publikum einiges ab. Denn die aufgeführten Werke von Carlo Gesualdo, Richard Rodney Bennett oder Max Reger waren alles andere als leichte Kost. Sie forderten dem Ensemble, bestehend aus Susanne Baldovski (Sopran), Katharina Meyer (Mezzosporan), Franziska Meyer (Alt), Sebastian Klopp (Tenor), Alexander Klopp (Bariton) und Oliver Wolf (Bassbariton) großes stimmliches Können ab. Vor allem Sebastian Klopp, seit der Gründung 1992 dabei, stellte bei „The Season of his Mercies“ die komplette Bandbreite seines Könnens unter Beweis.

Doch eindrucksvoll deutlich wurde bei dem Gastspiel auch, dass sich hinter dem etwas sperrigen Namen „MPAW“ sechs Künstler verbergen, die präsent und konzentriert auf der Bühne stehen und darüber hinaus höchsten Ansprüchen der A-Capella-Musik gerecht werden. Mit ihren vorgetragenen Liedern umspannten sie einen musikalischen Zeitraum von rund 400 Jahren, nahmen die Besucher mit auf eine Zeitreise mit Liedern. Zwar herrscht in der Marienkirche eine gute Akustik, bei manchen Stücken war sie von dem Ensemble aber nicht immer so einfach zu meistern.

Erfahrung aus mehr als 500 Konzerten

Dabei kam der Formation aber die Erfahrung aus mehr als 500 Konzerten zu Gute und ließ sie auch sehr schwierige Passagen routiniert und souverän meistern. Vor allem in seiner Gesamtheit kam der Chor besonders gut zur Geltung. Nicht zu Unrecht ist deshalb der Name Music Projekt Altmark West zu einem Synonym für höchsten musikalischen Anspruch und mehrfach ausgezeichnete Qualität. Dass diese Aussage, die vom Ensemble selbst stammt, nicht einfach nur so dahingeworfen ist, davon konnten sich die Besucher überzeugen. Und nicht wenige fragten sich, warum das Ensemble nicht öfter zu Gast in der Hansestadt ist. Denn an das letzte Gastspiel konnte sich niemand so richtig erinnern. Allgemein wurde davon ausgegangen, dass der letzte Auftritt „so vor zehn Jahren“ war.

Besucher erkämpfen sich eine Zugabe

Dass die Salzwedeler aber nicht mehr so lange warten wollen, zeigte der starke Beifall am Ende eines beeindruckenden Konzertes, das an manchen Stellen einen meditativen Charakter hatte. Durch Stampfen, Pfeifen und Rufen erkämpften sich die Besucher immerhin eine Zugabe.