Gerichtsverhandlung

28-Jähriger schlägt in Salzwedel seine Frau und muss dafür zahlen

Weil er seine Frau geschlagen, gestoßen und gewürgt hat, stand in Salzwedel ein 28-Jähriger vor Gericht.

Von Von Malte Schmidt
In Salzwedel ist ein 28-Jähriger wegen häuslicher Gewalt verirteilt worden.
In Salzwedel ist ein 28-Jähriger wegen häuslicher Gewalt verirteilt worden. Symbolbild: dpa

Salzwedel - Zu einer Strafe von 110 Tagessätzen zu je 10 Euro wurde am Mittwochvormittag ein 28-Jähriger verurteilt. Angeklagt war der aus der Türkei stammende Mann, der seit Mai 2019 in Deutschland lebt, weil er seiner Ehefrau mehrfach Verletzungen zugefügt habe, wie der Staatsanwalt in seiner Anklageschrift verdeutlichte. Dafür musste sich der Mann nun im Salzwedeler Amtsgericht verantworten. Doch warum war der Mann angeklagt?

Nach einer verbalen Auseinandersetzung mit seiner Ehefrau warf der Angeklagte im März 2020 einen Schokoriegel nach ihr und traf sie mit der Süßigkeit an ihrer Brille, die daraufhin zu Boden fiel. Nachdem sich die 25-Jährige darüber beschwert hatte, soll er seiner Frau an den Haaren gezogen und ihr Gesicht auf das Sofa gedrückt haben. Als diese sich daraufhin wehrte, soll der Angeklagte der Frau mehrfach mit der Hand ins Gesicht geschlagen haben. Dabei erlitt sie unter anderem eine Prellung des Nasenbeines sowie Wunden und Schwellungen im Gesicht.

In einer weiteren Tat im Juli 2020 soll der Angeklagte nach einer wiederholten verbalen Auseinandersetzung seine Frau derart am Arm gepackt haben, dass diese sichtbare Hämatome davontrug.

Am 20. August 2020 folgte dann eine ähnliche Tat. Erneut packte der Angeklagte seine Ehefrau am Oberarm, schüttelte sie, stieß sie gegen das Kinderbett und Ehebett, so dass die 25-Jährige auf dem Boden liegen blieb.

Gegen die Wand gestoßen und gewürgt

Anschließend folgte diese ihrem Ehemann in die Küche, wo dieser seine Frau gegen die Wand stieß und sie mehrere Sekunden gewürgt habe, wie es in der Anklageschrift steht.

Der Angeklagte, der zusammen mit seiner Frau eine 15 Monate alte Tochter hat, wollte aussagen. An seiner Seite saß dafür ein Dolmetscher. Schnell machte der Angeklagte deutlich, dass einige der Taten nicht stimmen würden, quasi von seiner Frau erfunden seien. Das kaufte ihm weder der Staatsanwalt noch Richter Klaus Hüttermann ab. Trotzdem wurde der Anklagepunkt, in dem der 28-Jährige seine Frau im Juli am Arm gepackt haben soll, fallen gelassen. Nichtsdestotrotz standen somit noch die anderen beiden Anklagepunkte zur Debatte, zu der die Ehefrau des Angeklagten aussagen musste. Und das tat sie in einer ruhigen, sachlichen und konzentrierten Art. Das fiel während der Verhandlung nicht nur Richter Klaus Hüttermann auf.

 „Unabhängig vom Kulturkreis oder der Staatsangehörigkeit haben wir einen Blick auf eine Ehe geworfen, in der es so aussieht, dass es einfach nicht mehr miteinander geht. Die Besonderheit hier aber ist, dass die wachsende Gewalttätigkeit des Ehemannes festgestellt worden ist“, machte der Richter deutlich. Er sagte in seinem Schlusswort außerdem: „Ich glaube ihrer Frau deswegen, weil sie ein konstantes Aussageverhalten an den Tag legt. Sie hat die Taten detailliert geschildert und konnte diese so wiedergeben, dass sie widerspruchsfrei waren.“ Hinzu komme, sagte Klaus Hüttermann, dass die gelernte Erzieherin nicht versucht habe, ihren Ehemann vor Gericht schlecht zu machen. Ziel ihrer Anzeigen sei gewesen, dass ihr Ehemann spüre, dass Frauen genauso viel wert seien wie Männer, sagte die 25-Jährige vor Gericht. Denn das Paar würde in Deutschland wohnen. Hier würden andere Gesetzlichkeiten gelten als in der Türkei.