Tangeln l „Vom Fliegen war ich schon als Kind begeistert“, erzählt Andreas Plath. Von klein auf war der heute 20-Jährige im Flugzeug mit dabei, wenn Vater Stefan, der seit 20 Jahren Fallschirmspringer ist, den Absprung wagte und durch die Luft segelte. Mit 14 Jahren erlebte der Tangelner seine eigene Fallschirmsprung-Premiere, sprang drei Jahre lang gemeinsam mit dem Vater aus dem Flugzeug. Dann mit 17 Jahren der Pilotenschein.

„Wir haben uns irgendwann mal gesagt, dass wir mal länger in der Luft bleiben wollen. Und wenn wir den Schein und ein eigenes Flugzeug hätten, könnten wir uns gegenseitig mit dem Fallschirm rausschmeißen, wann immer wir Lust haben“, berichtet Stefan Plath. Als sie einen Artikel über die Flugschule in Stendal in der Zeitung lasen, war für sie klar: „Das machen wir jetzt!“

Intensives Lernen

Die Ausbildung in den Ultraleichtflugzeugen, die offiziell als Luftsportgeräte gelten, war nicht leicht. Vom Winter 2014 an absolvierten die beiden an den Wochenenden und nach Feierabend ihre Flugstunden und büffelten für die Prüfung. „So habe ich meinen Sohn noch nie lernen sehen, in der Schule war das ja nicht unbedingt sein Ding“, staunte Stefan Plath.

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Im Sommer 2015 war es dann soweit: Beide haben die Pilotenlizenz in der Tasche. „Wir haben dann öfter mal ein Flugzeug für uns gechartert, aber das ist auf die Dauer ganz schön teuer und unbefriedigend. Also kam die Idee auf, uns ein eigenes zuzulegen. Doch die hohen Kosten schreckten zunächst ab“, erklärt der Tangelner. Dann tat sich eine einmalige Chance auf: Der Stendaler Aeroclub wollte 2016 eine seiner alten Maschinen los werden, und Plaths griffen zu. Seitdem nennen sie die zweisitzige Ikarus C42 ihr Eigen. „Ein Hochdecker, der verflucht gut steigt und aus dem man gut mit dem Fallschirm springen kann. Auf so einer Maschine haben wir auch gelernt“, erzählt Stefan Plath.

Eigene Start- und Landebahn

Das gute Stück stand bisher bei einem Landwirt in Suderwittingen. Von dort aus absolvierten Vater und Sohn auch ihre Flüge. Doch als der Landwirt altersbedingt seinen Betrieb aufgab, musste ein neuer Unterstand für den Ikarus gesucht werden. „Da kam uns das gerade angelaufene Flurneuordnungsverfahren in Tangeln zur Hilfe“, so Stefan Plath. Dieses ermöglichte es, durch das Entgegenkommen von Anliegern und landwirtschaftlichem Unternehmen hinter dem Wohnhaus eine zusammenhängende Fläche zu erwerben, auf der eine kleine Start- und Landebahn angelegt wurde. „Wir haben Gras angesät, Steine ohne Ende gesammelt, alles geeggt und gewalzt“, erzählt der Tangelner. Das Ergebnis, eine 490 Meter lange, offiziell zugelassene Piste, kann sich sehen lassen. Von hier aus hat Andreas Plath, der sich nach Realschulabschluss und freiwilligem Wehrdienst dazu entschlossen hat, das Fliegen zum Beruf zu machen, schon so manchen Rundflug, allein und mit interessierten Mitfliegern, absolviert.

Nach drei Monaten in Kanada zieht es den 20-Jährigen ab Oktober nach Neuseeland, wo er sich durch die Fliegerei, mit der dort die großen Entfernungen überbrückt werden, Geld für eine weitere Ausbildung verdienen will. Ziel ist die Privatpilotenlizenz für Flugzeuge höherer Klassen, die er ebenfalls in Neuseeland erwerben möchte. Ein volles Flugbuch ist da natürlich von Vorteil. Deshalb nutzt Andreas Plath schon jetzt jede Gelegenheit, um vom Tangelner „Flugplatz“ abzuheben.

Rundflüge

Er hat ein Kleinstgewerbe angemeldet und bietet individuelle Rundflüge an. Ziel und Dauer sind variabel, je nach Wunsch des Mitfliegers. „Ob entlang der Elbe, über den Brocken, über Wolfsburg, Magdeburg oder die Altmark – es ist alles möglich“, erläutert Vater Stefan. Mitfliegenden habe man auch schon die Übungsstadt Schnöggersburg auf dem Truppenübungsplatz Colbitz-Letzlinger Heide aus 180 Meter Höhe zeigen können.

Kommt der Ikarus von seinen Flügen zurück, wird er im neuen Hangar untergestellt, den Stefan Plath extra neben der Landebahn errichtet hat. „Das ist wichtig, denn das UV-Licht schadet auf Dauer der Flugzeughaut“, erklärt der Tangelner, der sich schon auf das Waldfest am 17. Juni freut. Denn dann wollen die beiden jeweils 30-minütige Rundflüge für die Besucher anbieten. Ein Viertel des Erlöses kommt dabei der örtlichen Feuerwehr und dem Waldfestkomitee zugute.