Salzwedel l Von der Großstadt aufs Land – Juliane Felbinger hat sich bewusst dazu entschieden, mit ihrer Familie Berlin den Rücken zu kehren und in die Altmark zu gehen. „Hier haben wir alles, was wir brauchen. In Berlin gibt es zwar viele Möglichkeiten, aber genutzt haben wir kaum etwas davon“, sagt die junge Ärztin. Gemeinsam mit ihrem Mann Maik und den Kindern Jonas (7), Hanna (5) und Moritz (2 Monate) ist sie in ihre Heimatstadt Salzwedel zurückgekehrt.

Bereits Anfang 2014 hatte die Internistin, die auch eine Facharztausbildung für Allgemeinmedizin absolviert hat, den Plan geschmiedet, eine eigene Praxis zu eröffnen. Doch Familienleben, Praxis- und Haussuche mussten genau geplant und koordiniert werden.Für die Kassenärztliche Vereinigung Sachsen-Anhalt (KVSA) war die 39-Jährige zunächst in Klötze tätig. Die Übernahme einer Praxis in Badel – dort stammt ihr Mann her – scheiterte.

Im Gebäude an der Altmarkpassage 3b wurden die Felbingers schließlich fündig. „Mitte Januar haben die Bauarbeiten begonnen. Das war schon eine große Herausforderung“, berichtet Juliane Felbinger. Herausforderungen scheinen die junge Ärztin aber nicht abzuschrecken – ganz im Gegenteil. Eine eigene Praxis, drei Kinder, ein Haus mit Grundstück und Privatleben. Das alles unter einen Hut zu bekommen, sei wirklich nicht einfach, gibt die 39-jährige Ärztin zu. Nebenbei müsse sie sich auch noch auf die Prüfung für die Facharzt-ausbildung im Bereich Allgemeinmedizin vorbereiten. „Ohne ausreichend zu lernen, geht das nicht.“

Rückendeckung bekommt Juliane Felbinger besonders von ihrem Mann, aber auch von Familie und Freunden. „Ohne sie würde das alles nicht funktionieren. Für die Unterstützung sind wir sehr dankbar“, sagt die hausärztlich tätige Internistin.

Mit zwei Arzthelferinnen hat sie am Dienstag schließlich die Arbeit in ihrer neuen Praxis aufgenommen. Perspektivisch soll auch ihr Mann Maik – er ist gelernter Krankenpfleger – dort mitarbeiten. Momentan befindet er sich in Elternzeit. „Er hat eine Weiterbildung absolviert und kann deshalb auch Hausbesuche machen, zum Beispiel gerade aus dem Krankenhaus entlassene Patienten besuchen, Blutzucker- und Blutdruckkontrollen vornehmen“, erklärt Juliane Felbinger.

Nach Salzwedel zurückzukehren, empfindet die 39-Jährige bereits jetzt als richtige Entscheidung. „Ich brauchte eine Veränderung, wollte raus aus der Großstadt.“ Nachahmer wird es unter ihren ehemaligen Berliner Kollegen allerdings kaum geben. „Sie meinten, dass sie keine zehn Pferde hierher kriegen würden.“

Probleme

Genau mit diesem Problem sieht sich die KVSA schon seit einigen Jahren konfrontiert. Immer wieder versuchen die Verantwortlichen mit verschiedensten Maßnahmen auf den Fach- und Hausarztmangel in ländlichen Regionen wie der Altmark zu reagieren. Gründet oder übernimmt ein Vertragsarzt eine Praxis, sind Investitionskostenzuschüsse von bis zu 60.000 Euro möglich. Für Umzugskosten und Anstellungsförderung winken jeweils auch bis zu 10.000 Euro an Zuschüssen.

„Die Maßnahmen setzen bereits im Medizinstudium an, wo neben Stipendien auch Praktische Studienzeiten gefördert werden. 2017 hat die KVSA erstmals gemeinsam mit einer Kommune, der Stadt Osterburg, ein Stipendienprogramm gestartet. Diese Stipendien sind mit der Verpflichtung für die Studierenden verbunden, in Sachsen-Anhalt in schlecht versorgten Gebieten tätig zu werden“, berichtet Janine Krausnick, bei der KVSA für die Öffentlichkeitsarbeit zuständige Mitarbeiterin.

Besonders problematisch ist die Situation in Salzwedel derzeit bei den Haut- sowie Nervenärzten. „Der aktuelle Stand im haut- und nervenärztlichen Bereich hat uns veranlasst, bundesweit nach Ärzten zur Besetzung dieser Stellen zu suchen. Leider verlief diese Suche bisher erfolglos, obwohl wir auch eine Mindestumsatzgarantie angeboten haben. In Salzwedel betreibt die KVSA selbst seit 2013 eine psychiatrische Praxis, aber auch für diese Option der Sicherstellung muss erst ein Arzt gefunden werden“, erklärt Janine Krausnick.

Darüber hinaus seien jeweils noch eine Stelle in den Fachbereichen HNO-Heilkunde, Urologie und Psychotherapie zu besetzen. „Legt man den Bereich weiter über die Landkreisgrenzen hinaus aus, könnten sich auch noch Anästhesisten, Kinder- und Jugendlichenpsychiater sowie die im Land wenig vertretenen Mediziner für physikalische- und rehabilitative Medizin niederlassen“, sagt Janine Krausnick.